Abzocke mit LV-Ankäufen

Versicherungen Berater von Stefan Terliesner



Das Doppelte des Rückkaufswerts
Auf diese Weise wird ein eigentlich sauberes Geschäft diskreditiert. Seit 1999 haben Versicherte in Deutschland die Möglichkeit, ihre Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Der Preis liegt ein paar Prozentpunkte über dem Rückkaufswert, den die Versicherten von ihrem Versicherer erhalten würden. So jedenfalls bei den Anbietern, die sich im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) zusammengeschlossen haben. Über die Homepage des BVZL finden Interessierte alle Anbieter, die die Qualitätskriterien des Verbands akzeptieren. Diese Anbieter führen die Lebensversicherung fort, das heißt, für den Verkäufer der Police bleibt der beitragsfreie Todesfallschutz erhalten. Die Käufer der Policen profitieren davon, dass der Wert der Lebensversicherung am Ende der Laufzeit steil ansteigt (siehe Grafik). Dies ist ein völlig anderes Geschäftsmodell als die jetzt aufgeflogenen Abzockermodelle. Die BVZL-Mitglieder kaufen auch längst nicht alle ihnen angebotenen Lebensversicherungen, sondern nur solche, die eine aus ihrer Sicht attraktive Rendite versprechen und einige Grundkriterien erfüllen. Schon gar nicht versprechen seriöse Anbieter Preise von 30, 50 oder sogar bis zu 100 Prozent über dem Rückkaufswert der Versicherer.

Für die Finanzaufsicht erweisen sich die Lockangebote auch deshalb als problematisch, weil sie erlaubnispflichtig sind. Dazu die BaFin: „Die Anbieter der nun verstärkt beworbenen Modelle am Zweitmarkt wollen dem Verbraucher, der sich von seiner Lebensversicherung trennen will, nicht eine für ihn günstige Alternative zur Deckung eines Finanzbedarfs bieten. Sie zielen vielmehr auf das in den Lebensversicherungen gebundene Kapital. Es wird damit geworben, dass es sich bei dem Verkauf an den Anbieter um eine Geldanlage handele, die eine höhere Rendite bringe als die abgeschlossene Lebensversicherung.“ Im Ergebnis würden die Anbieter ein unerlaubtes Bankgeschäft betreiben. Vier Anbietern hat die BaFin aus diesem Grund bereits die Abwicklung des Geschäfts verordnet. Weitere dürften folgen. Bis dahin sollten Makler ihre Kunden vor den beschriebenen Angeboten per Telefon warnen.

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