Vandalen im Haus

Sachwerte von Carla Fritz

Keinen Cent Miete bezahlt. Die Wohnung verwüstet. Mietnomaden und Messies – das Thema hat jeder Vermieter auf dem Schirm, Risikoschutz dafür eher selten. Vermittler können hier Abhilfe schaffen und sich mit eigenen Ideen profilieren.

Wie sehr man sich doch täuschen kann! Seriöse Erscheinung, tadellose Umgangsformen, eleganter Wagen. Die hinterlassene Visitenkarte – ein Berg Mietschulden und oft auch eine ramponierte Wohnung. Auf schätzungsweise 2,2 Milliarden Euro beziffert der Eigentümerverband Haus & Grund die jährlichen Mietausfälle: ein wachsender Anteil davon durch Mietbetrüger mit hoher krimineller Energie, die oft auch mit falschen Bonitätsnachweisen hantieren. Nicht selten legen sie es auch darauf an, sich aus der Wohnung klagen zu lassen. Der Schaden für Vermieter summiert sich so – inklusive Gerichtsverfahren bis hin zur Zwangsräumung und Sanierung – nach Angaben des Verbands im Durchschnitt auf 25.000 Euro.

Es sei noch zu wenig bekannt, dass das Mietausfallrisiko überhaupt abgesichert werden kann, und die Nachfrage von daher gering, meint Helvetia-Marketingchefin Beatrix Höbner. Die Gesellschaft hat den entsprechenden Zusatzbaustein zu ihrer Wohngebäudepolice seit 1998 im Programm. Die Versicherung tritt ein, wenn die Miete trotz Klage, Urteil und Vollstreckung nicht beigetrieben werden konnte, und ersetzt Mietausfall bis zu zwölf Monate.

Mit einem Bausteinmodell ist vor einem Jahr auch der Maklerversicherer Rhion gestartet, davon jedoch wieder abgekommen. „Bei der Einführung unseres neuen Wohngebäudetarifs war unsere Mietnomadenversicherung noch ein Add-on-Produkt. Aber schon bei der Präsentation bei unseren verschiedenen Vertriebspartnern zeigte sich der Wunsch, sie solo zu verkaufen“, sagt der zuständige Produktmanager Jochen Fischer von der RheinLand Versicherungsgruppe.

Steigender Bedarf. Die jetzt eigenständige Police passt nach seinen Worten für beide – sowohl den Vermieter mit vielleicht nur zwei Eigentumswohnungen als auch den Eigentümer eines Mehrfamilienhauses, der nur einzelne Wohnungen absichern will. Beispielsweise weil dort keine langjährigen Mieter wohnen. „Seitdem merken wir mit jedem Monat, dass Schub draufkommt. 95 Prozent des Geschäfts kommen dabei eigenständig rein.“ Früher 21 Monate, nunmehr nach gesetzlichen Änderungen 15 Monate: So lange dauert es Fischer zufolge im statistischen Mittel, bis man säumige Mieter – unter Einhaltung aller Fristen – aus der Wohnung hat.

Nach der zweiten nicht erfolgten Mietzahlung kann man kündigen und gerichtlich klagen. „Darauf fußt im Grunde auch unser Produkt. Wir zahlen ab dem vierten Monat für ein oder ein halbes Jahr den Mietausfall. Und außerdem noch mal zwei Monate, wenn die Wohnung aufgrund Vandalismus eines Mietnomaden saniert werden muss.“ In 69 Prozent der Fälle von Mietnomadentum ist die Wohnung danach erst mal unbrauchbar. „Das ist ein erstaunlich hoher Prozentsatz“, erklärt Pressesprecher Alexander Wiech von Haus & Grund mit Blick auf eine Untersuchung der Forschungsstelle für Immobilienrecht der Universität Bielefeld.

Lösungen der Anbieter. Mit Entschädigungssummen bis 10.000 Euro für Mietverlust und bis zu 30.000 Euro für Sachschäden ist der Maklerversicherer Rhion nach eigenem Bekunden vorsichtig eingestiegen. Über eine Erhöhung der Versicherungssummen und einen reinen Mietvandalenbaustein wird aber bereits nachgedacht. Eine vergleichbare Absicherung, auch unabhängig vom Mietbetrug, nennt Brigitte Römstedt von der Konkurrenz als eines der Alleinstellungsmerkmale der eigenständigen R+V-Mietschutzpolice. Bei Vertragsabschluss müssen Sicherheiten des Mieters vorliegen, wie beispielsweise eine Bankbürgschaft oder die Mietgliedschaft im Mietkautionsbund.