Riestern lohnt sich doch?!

Versicherungen von Matthias Hundt

Das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) stellte heute die Studie „10 Jahre Riester-Rente“ vor. Im Gegensatz zu den Erhebungen des DIW Ende 2011 fällt der Rückblick auf die ersten zehn Jahre äußerst positiv aus. Ungeachtet dessen, dass sich nur 6 Anbieter an der Studie beteiligten und somit ihre Aussagekraft für den gesamten Riester-Markt fraglich bleibt.

Das ITA untersuchte für die Analyse Riester-Renten in der Ansparphase, genauer während des Zeitraumes von 10 Jahren (1.1.2002 bis 31.12.2011). Insgesamt 43 Anbieter, darunter Banken, Fondsgesellschaften und Versicherer, bat das ITA Daten über Art ihrer Riester-Produkte, deren Vertragswerte zum jeweiligen Jahresende sowie den Kosten zu liefern. Lediglich die Cosmos, Debeka, Hannoversche, HUK-Coburg und der Volkswohl Bund antworten bei den Versicherern. Die DWS komplettierte als einzige Fondsgesellschaft das Teilnehmerfeld der Studie. Studienleiter Dr. Mark Ortmann vom ITA räumte ein, dass der Rücklauf unbefriedigend war und dass das Gesamtergebnis wahrscheinlich schlechter ausgefallen wäre, wenn alle Anbieter Daten geliefert hätten. So bleibt die Vermutung, ob nicht nur diejenigen teilnahmen, die um ihrer Stärke im Bereich Riester wissen.

Bis zu 7,34 Prozent Rendite
Nichtsdestotrotz wurde die Rentabilität aus Sparersicht (Beiträge) und aus Anbietersicht (Beiträge + Zulagen) präsentiert. Demnach lag die Rendite für einen 50-jährigen Single ohne Kind zwischen 3,22 (DWS Fondssparplan) und 5,19 Prozent (Debeka klassische Rentenversicherung). Mit den Zulagen für ein Kind erhöhte sich die Spanne auf 5,44 bis 7,34 Prozent. Rechnet man die Zulagen mit hinein (Anbietersicht) so betragen die Renditen zwischen 1,5 und 3,5 Prozent (siehe Grafik).

Unterschied zur DIW-Studie
Während das DIW den Sparern insgesamt nahelegte das Geld lieber in den Sparstrumpf zu stecken, kommt die ITA-Erhebung mit dem Verweis auf die errechneten Renditen zur gegenteiligen Empfehlung: Sparen in Riester-Renten ist sinnvoll und lohnt sich! Ein wesentlicher Unterscheid beider Analysen ist die Tatsache, dass das DIW Ansparphase und Auszahlphase, also den Rentenbezugszeitraum, zusammen betrachtete. Demnach müsste eine 35-jährige Frau mindestens 85 Jahre alt werden, um mit ihren Einzahlungen einschließlich Zulagen wenigstens eine Rendite von 2,5 Prozent zu erzielen. Die ITA-Untersuchung analysierte ausschließlich einen zehnjährigen Ansparzeitraum.

Transparenz erzwingen
Diese ganze Diskussion und unterschiedliche Berechnungen konnte man vom Tisch haben, würde man die Mindestzuführungsverordnung anpassen. So sprach sich das gesamte Podium um Studienleiter Dr. Ortmann, dem ehemaligen Bundesarbeitsminister und Ideengeber Walter Riester und Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski dafür aus, die Beteiligung der Kunden an den Risikoüberschüssen zu erhöhen. Derzeit vereinnahmen Versicherer 25 Prozent selbst, 75 Prozent gehen an die Kunden. „Diese Überschüsse müssten zu 100 Prozent an die Kunden gehen, dann würde man der Diskussion um die Kalkulation der Lebenserwartung die Grundlage entziehen“, forderte etwas Dr. Ortmann.
Nicht nur die geringe Bereitschaft der Anbieter untermauerte abermals die fehlende Transparenz in diesem Bereich. Prof. Schwintowski forderte recht plakativ in Richtung Politik: „Anbieter, die sich weigern an solchen Untersuchungen im Sinne der Transparenz teilzunehmen müssen von einer Beratung ausgeschlossen werden.“ Nur so könne man die Versicherer zwingen Transparenz auch zu leben.

1.158 Euro Kostenunterschiede
Die Analyse wies zudem die enormen Kostenunterschiede nach. Zwischen 235,75 und 1.394,36 betrugen diese bei den untersuchten Produktarten. Laut Dr. Ortmann war die DWS mit 1,6 Prozent der günstigste und der Volkswohl Bund mit 9,49 Prozent der teuerste Anbieter. Allerdings wurden die Fondskosten für die Vergleichbarkeit nicht berücksichtigt.

 

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