Checkt die Mehrheit ihre Policen?

Versicherungen von G.B.

Laut Umfrage der Toluna-Marktforschungsagentur checkt die Mehrheit der Deutschen regelmäßig ihre Versicherungspolicen. Anfang Mai wurden 1.000 Bürger über ein Online-Panel zum Thema Versicherungen ausgefragt.

Rund 62 Prozent der Deutschen überlegen sich demnach regelmäßig, ob sie ausreichend versichert sind oder sich möglicherweise doch zu viele Versicherungen haben aufschwatzen lassen. Bei der Mehrheit liegt dieser Check sogar weniger als ein Jahr zurück. 55 Prozent der Befragten gaben an, innerhalb der letzten zwölf Monate ihre Versicherungen auf den Prüfstand gestellt zu haben. Bei jedem Dritten liegt die private Versicherungsprüfung schon etwas länger zurück. Aber nur rund 11 Prozent der Bürger sagen, dass sie ihre Versicherungen noch nie geprüft haben.

Verbraucherschützer halten diese Zahlen für unglaubwürdig. „Wenn das so wäre, wäre das eine großartige Sache“,  sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. „Nach unseren Erfahrungen ist das jedoch bei weitem nicht so“, meint der Vorsitzende des Bunds der Versicherten. Die Unwissenheit sei groß unter den Bürgern. „Der Normalfall ist, das der Bürger nicht weiß, wie gut er versichert ist. Deshalb ist eine unabhängige Beratung nötig, um im Versicherungsdschungel eine Orientierung zu bekommen. Die Versicherer bieten das selbst nicht an“, sagt der Verbraucherschützer.

Die Umfrageergebnisse stehen tatsächlich quer zu einer anderen Statistik, die das Allensbach Institut für Demoskopie 2011 publizierte. Nur rund neun Prozent der Deutschen zwischen 14 bis 69 Jahren interessieren sich brennend für Versicherungen und finanzielle Absicherung. Der Rest interessiert sich kaum oder nur mäßig dafür. Ist die Mehrheit also pflichtbewusst und beißt ab und zu in den sauren Apfel, die wenig einladenden Versicherungsverträge zu prüfen?

Simone Nebelsieck, Sprecherin von Faktenkontor, die in Zusammenarbeit mit Toluna die Umfrage durchführte, relativiert die Aussage der Umfrage. „Die Umfrage gibt die subjektive Wahrnehmung der Kunden wieder“, meint sie. „In was für einem Umfang dieser regelmäßige Check stattfindet, ist aus der Studie nicht herauslesbar. Es kann natürlich sein, das sich Kunden zum Beispiel Gedanken über ihre Versicherungen machen, aber wenig Zeit investieren, auch wirklich zu vergleichen“, sagt Nebelsieck.

Interessant sind die Erkenntnisse, die die Bürger aus ihrem Privatcheck gewonnen haben: Laut Umfrage glaubt jeder Zehnte überversichert zu sein, zwei Drittel der Bürger fühlen sich richtig versichert. Rund 14 Prozent denken sogar, zu wenig abgesichert zu sein. Versicherungsexperte Lars Gatschke vom Bund der Verbraucherzentralen überrascht das nicht. „Dass die meisten glauben, gut versichert zu sein, kann ich mir gut vorstellen. Ich bezweifle aber, dass das in der Realität auch so ist“, sagt der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale. Als Begründung für die Ahnungslosigkeit vieler Verbraucher nennt der Verbraucherschützer die Riesterzulage. Zu wenige würden von den Zulagen wissen und dann tatsächlich in Anspruch nehmen. Er rät zur unabhängigen Beratung.

Beratung soll aber am besten nichts kosten. Laut Studie sind die Wenigsten bereit, Geld für eine Beratung auszugeben. Nur 11 Prozent wollen bis zu 50 Euro für eine solche Leistung ausgeben, weitere 12 Prozent können sich vorstellen, mehr als das auszugeben. Die Mehrheit will gar nichts für einen Versicherungscheck zahlen.


Fotocredit: Sergej Khackimullin - Fotolia.com

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