Unisex ist unattraktiv für Männer

Versicherungen von Gloria Ballhause

Versicherungsmathematiker sehen kommende Unisextarife gelassen. Das Kaufverhalten der Kunden werde annähernd gleich bleiben. Einzige Ausname ist die private Rentenversicherung.

Mit der Einführung der Unisex-Tarife werde sich das Kundenverhalten im Bezug auf die  Risikolebensversicherung wenig ändern, teilt die Deutsche Aktuarvereinigung mit. Marginale Prämienverschiebungen würden das Abschlussverhalten der Kunden kaum beeinflussen. Nach Meinung der Versicherungsmathematiker ist auch die Berufsunfähigkeitsversicherung von der Umstellung auf geschlechtslose Tarife nicht betroffen. Schließlich entscheide beim Abschluss vorrangig die Berufsgruppe über die Prämienhöhe und nicht das Geschlecht.

Die Versicherer bereiten sich trotzdem auf die Umstellung vor. „Wie sich das Marktverhalten nach der Einführung der Unisex-Tarife direkt nach dem 21.12. entwickeln wird, darüber kann man jetzt nur spekulieren. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, beispielsweise auch die künftig angebotenen Unisex-Produkte auf dem Markt“, sagt etwa Frank Senger, Pressesprecher von der R+V Versicherung in einem procontra online-Gespräch.

Kritischer Punkt ist und bleibt die Umstellung bei den Lebensversicherungen. Hier erwarten die Aktuare den größten Einfluss der Unisex-Tarife. Die geschlechtslose Kalkulation werde deutlich unattraktiver für Männer. Dementsprechend könnten die Kunden vermehrt auf reine Sparprodukte ausweichen. „Auch das wird das Marktverhalten zumindest kurzfristig nach dem 21.12. beeinflussen. Beispielsweise könnten Männer, die derzeit wegen ihrer geringeren Lebenserwartung niedrigere Beiträge zahlen, sich entscheiden, möglichst noch vor dem 21.12. eine private Rentenversicherung abzuschließen,“ sagt Senger.

Beim jährlichen Pressekolloquium des Gesamtverbandes der Deutscher Versicherungswirtschaft war Unisex kein beliebtes Thema. „Hier handelte es sich um eine politische Entscheidung, die man wohl kaum den Versicherern anlasten kann. Wir haben vor den Folgen gewarnt“, sagt Maximilian Zimmerer, Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Lebensversicherung und Pensionsfonds.

Die Nachfrage nach dem Produkt Lebensversicherung werde jedoch auch mit den Unisextarifen nicht schwinden. „Grundsätzlich – auch ungeachtet der Unisex-Tarife - lautet unsere Einschätzung zur privaten Lebens- und Rentenversicherung: Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der privaten Altersvorsorge,“ sagt Senger.

Fotocredit: lightpoet – Fotolia.com 

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