Solvency II: Versicherer ohne eigenes Risikomodell

Versicherungen von Oranus Mahmoodi

Geiz ist nicht geil: Deutsche Versicherer riskieren bei der Umsetzung von Solvency II, künftig mehr Eigenkapital als nötig vorhalten zu müssen. Der Grund: Um Kosten zu sparen, setzen die Assekuranzen beim Risikomanagement auf das Standardmodell der Finanzaufsicht BaFin.

Die Zahl der Versicherer, die ein eigenes internes Risikomodell einführen wollen, hat sich seit 2008 mehr als halbiert, mit sinkender Tendenz. Nachhaltig ist das nicht. Denn um eine spätere Umstellung auf individuelle Modelle werden die Versicherer aus Wettbewerbsgründen nicht herumkommen. Nur werden dann die Kosten höher. Das ergab ein Marktbeobachtung der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting.

2008 wollten beinah alle Versicherer, ein internes Risikomodell für die Umsetzung der zweiten Solvency-II-Säule einzuführen. Zwei Jahre später wollte jeder zweite Versicherer, das Standardmodell der BaFin umzusetzen. Diese Kehrtwende liege an einer Verschiebung der Prioritäten, schätzen die Experten der Unternehmensberatung. Die Versicherungen unterschätzten das Reporting. „Die Themen interne Risikomodellierung und Solvabilitätssteuerung werden vom Thema Berichtspflichten komplett verdrängt. Allein das Sammeln und Aufbereiten der Daten ist eine Aufgabe, die viele Versicherer nur schwer stemmen können“, sagt Urs Roth, Versicherungsexperte von Steria Mummert Consulting.

Aber vom BaFin-Modell auf ein eigenes zu kommen, könnte sich allerdings als Bumerang erweisen. „Angesichts des großen Aufwands der die Umsetzung der Soll-Anforderungen von Solvency II mit sich bringt und der begrenzten Risikomanagement-Ressourcen in den Unternehmen zur Umsetzung der Anforderungen rät Steria Mummert Consulting nicht grundsätzlich zu einer unmittelbaren Zertifizierung eines partiell-internen Modells", sagt Roth gegenüber procontra online.

Dennoch sollten die Unternehmen das Ziel der Zertifizierung partiell-interner oder komplett eigener Modelle weiterverfolgen. „Der Vorteil einer individuellen Lösung besteht vor allem darin, dass eine Versicherung damit sowohl Risiken als auch Solvabilität passgenauer steuern kann. Zusätzlich lässt sich die Umsetzung von Solvency II mittels eines internen Modells besser in bestehende Steuerungsprozesse integrieren. Ein weiterer Vorteil einer zertifizierten Eigenlösung ist die größere Unabhängigkeit von der Aufsichtsbehörde", erklärt Roth. Die Versicherer würden gut damit fahren, wenn sie die zweite Säule von Solvency II nicht auf die lange Bank schieben, so der Experte weiter.

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