PKV-Debatte: TK fordert Privatisierung der GKV

Versicherungen von Oranus Mahmoodi

Die Techniker Krankenkasse möchte „die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in Deutschland versachlichen und beleben“ und schlägt eine Reform nach niederländischem Beispiel vor. Der PKV-Verband kritisiert die Vorschläge.

Der geteilte Krankenversicherungsmarkt steht in der öffentlichen Kritik. Die Medien berichten immer häufiger über Prämiensteigerungen der privaten Krankenversicherer, die wachsende Zahl von Nichtzahlern oder ausufernde Vermittlerprovisionen. Die Bürger stellen das Gesundheitssystem in Frage. „Die Debatten sind zumeist ideologisch motiviert“, heißt es bei der Techniker Krankenkasse (TK). Daher habe sich die Krankenkasse Experten des Gesundheitswesens beauftragt, die Diskussion mithilfe eines  Gutachtens „zu versachlichen und zugleich zu beleben“. Das Ergebnis der Wissenschaftler: Die Reform sollte in Richtung Europa gehen und sich am niederländischen Gesundheitssystem ein Beispiel nehmen. Das Konzept – das nur teilweise veröffentlicht wurde – sei keine Blaupause für ein idealtypisches Krankenversicherungssystem der Zukunft. Es fordert unter anderem die Umformung der Gesetzlichen Krankenkassen in Aktiengesellschaften.

„Das Plädoyer des TK-Vorstandsvorsitzenden Norbert Klusen für einen einheitlichen privaten Versicherungsmarkt von Gesetzlicher Krankenversicherung und Privater Krankenversicherung löst kein Problem“, sagt Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). Dass Klusen sich öffentlich auf ein selbst beauftragtes Gutachten beziehe, lasse viele Fragen offen. „Sein Vorstoß unter der Überschrift ‚Wettbewerb‘ klingt zwar interessant, erweist sich aber bei näherem Hinsehen als fragwürdig“, sagt PKV-Direktor Leienbach. Die gesetzlichen Krankenkassen in eine private Rechtsform umzuwandeln, es zugleich aber bei der Pflichtversicherung mit einheitlichem Leistungskatalog zu belassen, habe mit Wettbewerb nichts zu tun, kritisiert Leienbach weiter. Eine solche Reform diene vielmehr den Interessen der Gesetzlichen Krankenkassen als den Versicherten.
„Die Erfahrungen der Niederlande mit einer ähnlichen ‚Privatisierungs‘-Reform sind abschreckend“, sagt der PKV-Direktor. Dort habe die Reform von 2006 zu einem Oligopol aus vier großen Krankenversicherungs-Konzernen geführt. Das niederländische Modell führe letztlich zu einer Zwei-Klassen-Medizin. 

Fotocredit: Robert Kneschke - Fotolia.com

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