Stiftung Warentest soll's richten

Berater von Oranus Mahmoodi

Die Verbraucher sollen vor riskanten Finanzprodukten geschützt werden. Die Stiftung Warentest soll im Staatsauftrag Finanzprodukte prüfen. 1,5 Millionen Euro lässt die Regierung pro Jahr für die Organisation springen und watscht den freien Makler ab

Eine Ohrfeige für Finanzmakler: Künftig soll die Stiftung Warentest eine Art TÜV für Finanzprodukte entwickeln. In ihrem Koalitionsvertrag hatten sich CDU, CSU und FDP zu mehr Transparenz bei Finanzprodukten bekannt. Darin heißt es: „Wir prüfen die Einrichtung einer unabhängigen Stiftung für Finanzprodukte nach dem Muster der Stiftung Warentest.“ Die Stiftung Warentest ist eine renommierte Verbraucherschutzorganisationen in Deutschland. Finanzmakler sind jedoch die Experten auf diesem Gebiet.

"Wir waren in der Entscheidung nicht eingebunden", sagt Frank Rottenbacher, Vorstand beim AfW - Bundesverband Finanzdienstleistung. Rottenbacher hat das Koalitionspapier. Das Wort "TÜV" konnte er darin nicht finden. "Wenn es ein TÜV werden sollte, fordern wir, dass die Stiftung auch haftet", sagt er. Rottenbacher rechnet nicht damit, dass sich viel ändert. Bewegen könne man mit der Summe von 1,5 Millionen pro Jahr ohnehin nicht viel. Der AfW-Vorstand wünscht sich ein branchenübergreifendes Gremium mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Ob freie Finanzexperten in die Erstellung des "TÜVs" eingebunden werden, kann die Stiftung Warentest-Sprecherin, Heike van Laak, nicht beantworten. "Wir haben das auch aus den Nachrichten erfahren", sagt van Laak. Die Stiftung werde sich noch mit der Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) zusammen setzen. Der Name Finanzprodukte-TÜV sei "unglücklich formuliert" - schließlich werde es wohl keinen "TÜV"-Siegel geben. Alles weitere werde sich in der kommenden Woche entscheiden. Bevor es eine solche umfangreiche Bewertung geben kann, bedarf es einer langwierigen Vorarbeit. Van Laak schätzt dass der "TÜV" erst im Frühjahr 2013 starten wird.

Künftig sollen Verbraucher anhand von Anlage-Kategorien Risiken und Chancen von Finanzprodukten besser einschätzen können. Die Stiftung kontrolliere, ob Banken vorgeschriebene Informationspflichten tatsächlich einhalten. Damit ignoriert die Regierung, dass es ein Heer an freien Finanzmaklern gibt, die genau diese Aufgabe erledigen können. Zudem sind sie seit der Finanzkrise einer Reihe von Regularien unterworfen, die unter anderem Transparenz und Qualifikation in der unabhängigen Beratung sicherstellen sollen.

"Da wurde der Stein ins Wasser geworfen, um zu sehen, wie weit die Wellen sind", relativiert Rottenbacher die Entscheidung der Politiker. Konkret sei noch gar nichts. "Da soll jetzt keiner nervös werden", rät Rottenbacher. Der AfW bleibe an dem Thema dran. Wenn es soweit kommen sollte, dass auch die Finanzmakler den Service der Stiftung Warentest nutzen könnten, um etwa rechtliche Risiken einordnen zu können, sei es ein guter Schritt.

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