bAV: Nix für Geringverdiener

Versicherungen von Marc Oehme

Gerade Haushalte mit geringen Einkünften nutzen die betriebliche Altersvorsorge (bAV) nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung unter 1.014 Deutschen durch das IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung im Auftrag der Hannoverschen.

Der Jahresbeginn fängt für die Versicherungsbranche nicht gut an: Sowohl Riester als auch die bAV scheinen beim Verbraucher mit geringen Einkommen nicht „anzukommen“. So teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erst kürzlich zum Thema Riester mit, das bis dato nur knapp 40 Prozent der Anspruchsberechtigten einen Riestervertrag abgeschlossen hätten. Im unteren Einkommensbereich sind es sogar deutlich weniger. Konkret bedeutet dies: Das Ziel des Gesetzgebers, die Menschen flächendeckend zum „Riestern“ zu überreden, wurde verfehlt.

Nun bescheinigt eine Studie durch das IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung im Auftrag der Hannoverschen, dass auch die bAV keinen Zuspruch bei Bürgerinnen und Bürgern mit geringen Einkommen hat. So entscheiden sich nicht einmal fünf Prozent der Haushalte mit einem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro für die Möglichkeit zur bAV. „Viele Geringverdiener sind über die Möglichkeiten und Vorteile einer betrieblichen Altersvorsorge offenbar nicht richtig informiert“, meint Christine Brekerbaum, Expertin für betriebliche Altersvorsorge bei der Hannoverschen. „Insbesondere für Geringverdiener lohnt sich diese Vorsorgeform aber in jedem Fall. Die Beiträge werden direkt vom Bruttogehalt abgezogen und sind – nicht nur für Geringverdiener – in weiten Grenzen steuer- und sozialabgabenfrei. Geschickt gemacht ist auf diese Weise eine zusätzliche Absicherung ohne eigenen  finanziellen Aufwand möglich. Übrigens: Auch vermögenswirksame Leistungen können für die bAV eingesetzt werden. Zusätzlicher  Vorteil: Ein bAV-Vertrag ist sowohl vor Insolvenz des Arbeitgebers als auch vor einem Hartz-IV-Zugriff geschützt.“

So sehr attraktiv die bAV auch scheint, die Hauptproblematik bleibt jedoch die geringen Einkünfte bei den Menschen. Analog zu Riester gilt: Wer wenig in der Tasche hat, der beschäftigt sich zunächst eben nicht unbedingt mit der Altersvorsorge, da er davon ausgeht keine notwendige Liquidität hierfür zu besitzen. Wer beschäftigt sich auch gerne mit Dingen in der Zukunft, wenn nicht einmal das Tagesgeschehen ausreichend finanziert ist?

Foto: © Doc RaBe – Fotolia.com