Direktversicherung: Mit und ohne Vertreter

Versicherungen von Andreas Kunze

Was eine Direktversicherung ist, glauben die meisten Menschen zu wissen: Eine Versicherungsgesellschaft ohne Vertreter, bei der die Verträge online oder per Post abgeschlossen werden. „Direktversicherung“ hat aber zwei unterschiedliche Bedeutungen.

Die Direktversicherung ist eine Vertriebsform, aber auch ein Weg der betrieblichen Altersvorsorge.

„Zum einen steht Direktversicherung für eine Vertriebsform, zum anderen für eine Rentenversicherung, die im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung abgeschlossen wird“, erklärt Ingo Nitsche von der Gothaer Versicherung in Köln.

Direktversicherung als betriebliche Altersversorgung: Diese Direktversicherung ist einer von fünf möglichen „Durchführungswegen“ der betrieblichen Altersversorgung. Es handelt sich dabei um eine Rentenversicherung, für die der Arbeitgeber direkt vom Gehalt die Beiträge abzieht und an das Versicherungsunternehmen überweist. Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer ist unwiderruflich begünstigt.
Bei einer Entgeltumwandlung sind derzeit Beiträge jährlich bis zu 4.440 Euro (ab 2012: 4.488 Euro) steuerfrei und bis zu 2.640 Euro (ab 2012: 2.688 Euro) sozialabgabenfrei. Jeder Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber eine Direktversicherung aus Entgeltumwandlung für ihn abschließt und er so von der Steuer- und Sozialabgabenbefreiung profitieren kann. Die Wahl, bei welchem Versicherungsunternehmen die Direktversicherung abgeschlossen wird, hat aber der Arbeitgeber. Bei einem Job-Wechsel kann der Arbeitnehmer in der Regel seine Anwartschaften aus einer ab 2005 abgeschlossenen Direktversicherung auf den neuen Arbeitgeber übertragen.

Direktversicherung als Vertriebsform: Unternehmen wie Asstel, CosmosDirekt oder DA Direkt haben keinen Außendienst, die Versicherungen werden weder über Versicherungsvertreter noch Versicherungsmakler vermittelt. Der Kunde informiert sich selber, füllt selber Anträge aus und setzt sich im Schadenfall direkt mit der Zentrale in Verbindung. Das Angebot der Direktversicherer ist mitunter reduziert, um es einfach zu halten. Neben Direktversicherern gänzlich ohne Außendienst gibt es Versicherer, die zumindest in ausgewählten Städten Geschäftsstellen unterhalten und Beratung von Mensch zu Mensch anbieten.

Welche Direktversicherung existiert als Begriff schon länger? Vermutlich die Direktversicherung als Baustein der betrieblichen Altersversorgung. Sie war schon in den 70er und 80er Jahren ein beliebtes Steuerspar-Modell. Damals wurde lediglich eine Pauschalsteuer von zunächst 10, dann 20 Prozent auf die eingezahlten Beiträge erhoben, im Alter war eine steuerfreie Einmalauszahlung möglich. Die heutige Direktversicherung nach dem seit 2005 geltenden Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) muss hingegen eine Rente vorsehen, die voll dem persönlichen Steuersatz des Rentners unterliegt. Die Direktversicherung als Vertriebsform wurde erst ab den 90er Jahren mit dem Internet populärer.

Foto: © Dan Race – Fotolia.com

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare