Debatte um Riester

Berater von Tina Gilic

Die Bilanz des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nach zehn Jahren Riester-Rente ist vernichtend. Das Institut hält eine Optimierung der Vorsorge für dringend notwendig. Im Gegensatz zum Gesamtverband der Deutschen Versicherer, der die Kritik an der Riester-Rente kritisiert. Was Stiftung Warentest meint

Schlechte Rendite, hohe Gebühren, intransparente Kalkulationsgrundlagen, so lautet das Fazit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Riester-Produkte haben sich seit ihrer Einführung zu Ungunsten der Sparer entwickelt“, kommentiert Kornelia Hagen, DIW-Expertin für Verbraucherpolitik, die aktuellen Studienergebnisse (procontra berichtete).
Grund für das schlechte Abschneiden der Altersvorsorge seien insbesondere eine unzureichende Regulierung der Kalkulationsregeln sowie die Verschlechterung der staatlichen Zertifizierung. Bei der Kalkulation würde von einer zu hohen Lebenserwartung der Verbraucher ausgegangen. „Dass der Staat für Vorsorgeprodukte, die er fördert, keine allgemein verbindlichen Kalkulationsgrundlagen vorgibt, ist nicht nachzuvollziehen“, so Hagen.

Fazit des DIW: Die Riester-Rente bedarf einer grundlegenden Reform. Insbesondere sollte die Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht werden, etwa durch standardisierte Kosteninformationen, eine inhaltlich bewertende Zertifizierung der Riester-Produkte und nachvollziehbaren Kalkulationsgrundlagen. Außerdem müssten Wechselkosten wegfallen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hingegen bewertet das schlechte Urteil des DIW als negative Stimmungsmache. So hätte die DIW-Studie weder die staatlichen Zulagen noch die den Kunden gewährten Leistungen, vor allem aus der Überschussbeteiligung, angemessen berücksichtigt, sondern lediglich Mindestleistungen. Implizit würde dadurch unterstellt, dass die Versicherungswirtschaft nie Überschüsse erwirtschafte. „Richtig ist, dass sich für die allermeisten Bürger, insbesondere Geringverdiener und Familien, keine Vorsorge so gut rechnet wie die Riester-Rente“, so der GDV.

Doch auch die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest hält Verbesserungen bei der Riester-Rente für notwendig. Das Magazin fordert insbesondere mehr Transparenz bei den Produkten. So würden viele Versicherer die Datenlagen sowie die Kostenangabe in Euro unterlaufen, indem sie viel zu unklare Angaben machten. Eine Studie der Universität Bamberg fand sogar heraus, dass 40 Prozent der Riester-Angebote die Kosten nicht wie gesetzlich vorgeschrieben ausweisen würden.
Darüber hinaus verweigern viele Anbieter Untersuchungen. Beim jüngsten Test der klassischen Riester-Rentenversicherung der Stiftung Warentest, haben 29 Versicherer eine Teilnahme verweigert. Darunter beispielsweise die Barmenia, die HDI-Gerling und die Nürnberger. Selbst öffentliche Versicherer wie Provinzial Rheinland oder SV Sparkassenversicherung lieferten nicht die für den Test notwendigen Daten und scheuten den Vergleich.

Die Zeitschrift kommt zu der Schlussfolgerung, dass sich Sparen mit einem Riester-Vertrag zwar lohnt, aber nur, wenn auch die Zulagen und mögliche Steuervorteile abgeholt werden. Das klappt dann, wenn Sparer die für sie passende Produktform wählen.

Riester-RenteRentenzusage und Kosten (40%)Anlageerfolg (40%)Transparenz (10%)Flexibilität (10%)Gesamtnote
Alte Leipziger: FiskALbefriedigendgutsehr gutsehr gutgut (1,9)
Debeka: Förderrentebefriedigendsehr gutsehr gutgutgut (2,0)
HanseMerkur: Riester Caresehr gutausreichendsehr gutgutgut (2,2)
PBV: Förder-Rente Isehr gutbefriedigendausreichendbefriedigendgut (2,3)
Asstel:
Riester Rente Classic
gutbefriedigendbefriedigendgutgut (2,4)
CosmosDirekt: Klassische Riester-Rentesehr gutmangelhaftsehr gutsehr gutgut (2,5)
Hannoversche Leben: HL Garantgutbefriedigendsehr gutsehr gutgut (2,5)
Huk-Coburg: Zuschussrentebefriedigendbefriedigendbefriedigendgutbefriedigend (2,6)
R+V: RiesterRentegutbefriedigendausreichendgutbefriedigend (2,6)
Ergo: Riester Rentegutbefriedigendbefriedigendausreichendbefriedigend (2,8)
Signal Iduna: Riester-Rentebefriedigendbefriedigendbefriedigendsehr gutbefriedigend (2,8)
Volkswohl Bund: Riester-Rentebefriedigendgutbefriedigendgutbefriedigend (2,8)
Itzehoer: Riesterrentebefriedigendgutausreichendbefriedigendbefriedigend (2,9)
Targo: Reform-Rente Sicherheitgutbefriedigendbefriedigendbefriedigendbefriedigend (2,9)
DEVK Eisenbahn: Riester-Rentebefriedigendbefriedigendausreichendbefriedigendbefriedigend (3,0)
Allianz: RiesterRente Klassikbefriedigendbefriedigendgutbefriedigendbefriedigend (3,1)
DEVK: Riester-Rentebefriedigendbefriedigendausreichendbefriedigendbefriedigend 3,1)
Gothaer: ErgänzungsVorsorge-Classicbefriedigendbefriedigendausreichendgutbefriedigend (3,4)
Vers.kammer Bayern: RiesterRentebefriedigendausreichendgutgutbefriedigend (3,4)
neue leben: Riesterrenteausreichendbefriedigendausreichendbefriedigendbefriedigend (3,5)
LVM: Privat-RentePlusausreichendbefriedigendbefriedigendausreichendausreichend (3,6)
Generali: Riesterrentebefriedigendmangelhaftbefriedigendgutausreichend (4,0)
Quelle: Stiftung Warentest, 2010
sehr gut (0,5-1,5); gut (1,6-2,5); befriedigend (2,6-3,5); ausreichend (3,6-4,5); mangelhaft (4,6-5,5)

Foto: © Carsten Reisinger – Fotolia.com

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