Risiken in Schwellenländern nehmen zu

Investmentfonds von Tina Gilic

Die volkswirtschaftlichen Daten sprechen zwar für die Schwellenländer. Mikio Kumada, Global Strategist bei der LGT Capital Management, befürchtet aber, dass auch die Emerging Markets zunehmend in den Abwärtsstrudel des Westens geraten könnten. In procontra geht er auf die größten Risikofaktoren ein.

Falls die westliche Hemisphäre in eine größere als erwartete Rezession hineinschlittert, können sich die wirtschaftlichen Bedingungen in den „Wachstumsmärkten“ weiter erheblich verschlechtern – von einer neuen Bankenkrise gar nicht zu reden. Im Vergleich zu den Industrienationen haben die Schwellenländer zwar mehr Raum für konjunkturpolitische Gegenmaßnahmen. Anders als in der Zeit vor der letzten Finanzkrise hat sich allerdings auch ihr Spielraum eingeengt. So hat insbesondere China in den vergangenen drei Jahren die einheimische Kreditvergabe bereits massiv ausgeweitet. Eine weitere Expansion wäre auf längere Sicht daher kontraproduktiv. Pekings Wirtschaftsplaner sind sich dessen durchaus bewusst. Der Westen sollte also nicht sorglos davon ausgehen, dass die großen Schwellenländer wie bereits Ende 2008 noch einmal mit wirksamen Konjunkturprogrammen einspringen werden.

Extreme monetäre Expansion in USA und Europa sind fragwürdig
Die Zweifel über die Wirksamkeit unorthodoxer geldpolitischer Maßnahmen (Quantitative Lockerung, etc.) haben merklich zugenommen. Die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank werden innerhalb ihrer Zuständigkeitsbereiche mit beispielloser Schärfe kritisiert. Darüber hinaus scheinen die Wähler in den unterschiedlichsten Ländern – von Griechenland über Finnland bis zu den USA – mit zunehmender Empörung diese Maßnahmen als Teil einer Politik wahrzunehmen, welche nicht primär der Wirtschaft als Ganzes dient, sondern vielmehr die Finanzindustrie vor der Realisierung von Verlusten bewahren soll. Mit der Zeit könnte diese Empörung politisch wirksamer kanalisiert werden – Politiker wollen schließlich (wieder)gewählt werden. Hinzu kommt, dass die exzessive Geldmengenausweitung der vergangenen Jahre das Verbraucher- und Unternehmervertrauen letztlich nicht nachhaltig zu stärken vermochte, was in Zeiten hoher privater Haushaltsverschuldung und steigender Staatsschulden nachvollziehbar ist.
Ob es zu einer weiteren deutlichen Lockerung der Geldpolitik kommen wird, darf also hinterfragt werden. Die Börsen wird dies nicht freuen, zumal viele Investoren inzwischen auf die ständigen Liquiditätsspritzen der Zentralbanken konditioniert worden sind. Die jüngste Fed-Entscheidung (Operation Twist) fiel geldpolitisch bereits strenger aus als das, was sich viele Markteilnehmer erhofft hatten. Die Fed trug damit dazu bei, die jüngste Stärkung des US-Dollar zu untermauern und die Kapitalflucht aus Risikoanlagen verschiedenster Art zu beschleunigen.

Leverage beschleunigt Kapitalabflüsse aus den Wachstumsmärkten
Aufgrund des „Leverage“ kann sich der Kapitalabfluss aus den „Emerging Markets“ und damit assoziierter Anlagebereiche weiter beschleunigen. Viele Schwellenländer-Anlagen werden in der einen oder anderen Form durch Ausleihungen von US-Dollars finanziert. Ein steigender US-Dollar – oder auch nur aufkommende Zweifel an seiner künftigen Entwicklung – kann zu weiteren hastigen Schließungen gehebelter Positionen führen. So haben die Börsenbarometer der Schwellenländer und Asiens in den letzten Tagen neue Tiefstände erreicht (während sich die Aktienindizes in den USA und Europa noch vergleichsweise gut hielten). Die Industrierohstoffmärkte sind so scharf eingebrochen, dass eine Baisse nicht ausgeschlossen werden kann. Auch Schwellenländer-Anleihen zeigten eine gewisse Schwäche, während Obligationen von Industriestaaten sehr stark nachgefragt wurden (mit Ausnahme südeuropäischer Staatsschulden). Mit dem US-Dollar wertete auch der japanische Yen gegenüber allen handelbaren Währungen deutlich auf. Kapital fließt somit in die Sicherheit des jeweiligen Heimathafens zurück.

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Foto: LGT Capital Management

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