Gold versilbern

Investmentfonds von Eike Schulze

Trotz des herben Dämpfers in den vergangenen Wochen rückt die 2.000-Dollar-Marke für eine Goldunze immer näher. Egal ob Münzen, Barren oder Schmuck – immer mehr Menschen liebäugeln damit, ihr Gold zu Geld zu machen. Doch wo gibt es den besten Preis?

Der Goldpreis steigt und steigt. Viele Anleger haben Furcht vor einer neuen Rezession und fliehen in Sachwerte, besonders in Edelmetalle. Doch wie verhält es sich, wenn man Gold verkaufen will? „Nicht Barren oder Münzen sind der Favorit beim Verkauf von Gold, sondern Schmuck“, erläutert Thomas Weiß, Leiter Vertrieb & Edelmetall-Services der Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG in Pforzheim, die Situation. Doch wer nun seinen Schmuck verkaufen will, sollte sichergehen, nicht um einen angemessenen Preis gebracht zu werden.
Edelmetalle gelten als volatil, das heißt, sie schwanken naturgemäß in ihrem Wert. Doch die langfristige Richtung steht fest. Bei immer mehr Wohlhabenden in Schwellenländern wie Indien, China oder Brasilien steigt der Wunsch nach (Gold-)Schmuck. Entsprechend wächst die Nachfrage nach dem Edelmetall – und mit ihr sein Preis. „Auch die Finanzkrise seit 2007 hinterließ ihre Spuren“, führt Weiß aus, „seitdem sind steigende Zahlen bei den Einlieferungen zu registrieren.“

Scheideanstalten bevorzugen. Doch Ankäufer ist nicht gleich Ankäufer. So gibt es große Preisunterschiede beim Verkauf von Gold. Das liegt daran, dass die meis­ten Ankäufer Zwischenhändler sind, die die Edelmetalle mit einer Gewinnmarge an Scheideanstalten weiterverkaufen. So kann es durchaus sein, dass je nach Gewicht und Reinheit Preisunterschiede von über 700 Euro beim Ankauf von Gold die Praxis sind (siehe Grafik). Manch ein Aufkäufer berechnet auch noch Analysekosten, die bis zu 50 Euro je Edelmetallstück betragen können. Doch nur Scheideanstalten können die Edelmetallmischungen, die gerade bei Schmuck vorliegen, richtig analysieren. Daher erhalten die Verkäufer auch die besten Preise bei Scheideanstalten, nicht beim Juwelier um die Ecke oder beim Zwischenhandel. Miriam Torbeck, Betriebsleiterin bei der Aurum Edelmetalle und Recycling GmbH Norderstedt, empfiehlt daher auch, folgende Punkte beim Verkauf zu beachten. „Erstens, verlangen Sie eine aufgeschlüsselte Ankaufsquittung, in der die Ankaufspreise je Gramm Feinmetall enthalten sind. Zweitens, akzeptieren Sie keine Pauschal­ankaufspreise. Drittens, verlangen Sie eine Materialbeschreibung mit Metallen und Gewichten. Und viertens müssen die Waagen einen gültigen Eichstempel aufweisen und einsehbar sein.“

Goldgehalt bestimmen. Gold lässt sich in verschiedenen Formen erwerben und verkaufen. Klassisch ist der Goldbarren, Alternativen hierzu sind Münzen oder Schmuck. Jedoch gibt es noch weitere Formen wie Granulate oder Gebrauchsbestandteile beispielsweise in Draht oder Goldkronen für Zähne. All dies lässt sich zu Geld machen. Doch nicht immer ist direkt klar, wie rein das Verkaufsobjekt ist.
Relativ leicht lässt sich der Goldgehalt bei Barren oder Schmuck bestimmen. Meist ist ein Stempel angebracht, der über die Legierung Auskunft gibt. Jedoch sind die Stempel manchmal unleserlich oder gar gefälscht, oder es handelt sich um Metallmischungen, die schwerer zu bestimmen sind. In diesen Fällen wird der Ankäufer zu Analysemethoden greifen. Hierbei gibt es drei Verfahren: den Säuretest, den Prüfstern und die Röntgenfluoreszenzanalyse. Der Säuretest wird von vielen Ankäufern (Zwischenhändlern) verwendet. Dabei liegt der Analyse folgende Vorgehensweise zugrunde: Es gibt verschieden starke Säuren, die die Legierung bei Gold oder auch Silber anätzen und so den Edelmetallgehalt bestimmen. Der Prüfstern ist ein Hilfsgerät in Sternform, an dessen Spitzen sich verschieden starke Goldlegierungen befinden, mit denen man den Edelmetallgehalt nach dem Augenschein bestimmen kann.  „Das Problem ist“, so Miriam Torbeck, „dass Goldaufkäufer und auch Goldschmiede oder Juweliere nur drei Säuren zur Verfügung haben und dadurch viele verschiedene Legierungen und Kombinationen nicht objektiv beurteilen können. Es gibt edelmetallhaltige Scheidegüter, die erst chemisch aufgearbeitet werden müssen, um den Wert zu bestimmen.“

Die zuverlässigste Methode, um den Edelmetallgehalt sicher zu bestimmen, ist die Röntgenfluoreszenzanalyse. Wenn der Gehalt der einzelnen Bestandteile unbekannt ist, wie beispielsweise bei einigen Münzen oder Zahngold, liefert diese Methode verlässliche Ergebnisse.  Jedoch fallen dann noch Scheidekosten an, die die Auszahlung reduzieren. „Allgemeine Aussagen zum Verarbeitungsabzug lassen sich nicht treffen“, resümiert Weiß, „die Varianz des Materials ist einfach zu groß für eine Pauschalaussage.“
Doch auch wer bankfähiges Gold, das heißt Barren oder Anlegermünzen wie Krügerrand, versilbern will, der sollte den Verkauf über Scheideanstalten ins Auge fassen, hier werden meist etwas höhere Preise gezahlt als im Münzhandel.

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