Mindeststandards in der PKV

Versicherungen

Kunden wollen die Vorzüge einer privaten Krankenversicherung voll nutzen. Doch häufig gilt das Motto: „Hauptsache billig!“ Manche Tarife scheinen zunächst zwar günstig, doch beinhalten gefährliche Leistungslücken, die sehr teuer werden können. Was ist also der Mindeststandard einer PKV? Alexander Schäfer, Leiter KV-Management bei maxpool, sagt, worauf es ankommt.

Ihr Kunde sagt Ihnen, dass er mit einem Schutz ähnlich des Kassenniveaus zufrieden ist. Leistungspunkte können somit sein: Mehrbettzimmer, 60 Prozent Zahnersatzerstattung meist ohne Inlays und Implantate, prozentuale Selbstbeteiligung bei Medikamenten zusätzlich zur absoluten Selbstbeteiligung, keine freie Arztwahl (Hausarztprinzip) und so weiter. Ihr Kunde argumentiert: „Das brauche ich nicht, ich bin ja gesund!“ Diese Selbsteinschätzung mag zwar menschlich sein, ist aber gänzlich falsch! Schließt ihr Kunde nun aber einen Tarif mit solchen Leistungslücken ab und wird vielleicht irgendwann mal krank, dann gibt es keine Möglichkeit mehr, den Tarif anzupassen.

Der Mindeststandard für eine PKV sollte somit folgende Leistungen umfassen: Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung, Arzt- und Zahnarzthonorare mindestens bis zum 3,5-fachen Satz der jeweiligen Gebührenordnungen, ambulante Psychotherapie ist erstattungsfähig, Logo- und auch Ergotherapie ist im Tarif enthalten. Auch die Selbstbeteiligung sollte nicht zu hoch angesetzt werden, da sie in den meisten Fällen, im Krankheitsfall nicht gesenkt werden kann. Auch sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Ihr Kunde ein Krankentagegeld abschließt. Krankentagegeld ersetzt den Verdienst, wenn Ihr Kunde krankheitsbedingt ausfällt. Das Krankentagegeld dient zur Existenzsicherung und sollte immer mit enthalten sein, sogar bevor ihr Kunde eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei Ihnen abschließt. Denn: Erst kommt die Arbeitsunfähigkeit und dann die Berufsunfähigkeit! Aber auch das Thema Kuren sollte von Ihnen angesprochen werden. Ein GKV-Versicherter hat wenig Probleme etwa eine Mutter-Kind-Kur erstattet zu bekommen. Bei der Wahl einer PKV müssen Sie aber auf den Leistungspunkt „Kuren“ besonders achten.

Ein Tipp noch: Vorsicht ist bei der Wahl von Ost-Tarifen geboten! Diese Tarife wurden eigens für die neuen Bundesländer kalkuliert. Die Beiträge sind günstiger, da die Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte früher geringere Sätze vorsahen. Seit 2007 sind die Honorare aber komplett angeglichen. Die Tarife der Anbieter haben sich aber nicht geändert. Ihr Kunde bekommt weiter nur den geringeren Gebührensatz erstattet und bleibt auf der Differenz sitzen. Einige Anbieter haben dafür einen Zusatztarif kalkuliert. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Kunden auf diesen Zusatz hinweisen.