Unisex: Ungerecht

Versicherungen von Tina Gilic

In einem aktuellen Urteil entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass Versicherungen in Zukunft einheitliche Tarife für Frauen und Männer anbieten müssen. Für die Assekuranz und Versicherungskunden bedeuten die Unisex-Tarife Kostensteigerungen.

Bei der Kalkulation von Versicherungsverträgen darf das Geschlecht nicht mehr als Risikofaktor mit einfließen. Bis zum 21. Dezember 2012 haben die Versicherer nun Zeit, ihre Beiträge auf Unisex-Tarife umzustellen. Diesen Entschluss begründeten die Luxemburger Richter mit einem Verweis auf die EU-Gleichstellungsrichtlinie von 2004, wonach bereits seit Januar 2007 geschlechtsneutrale Tarife vorgesehen waren. Bislang beriefen sich die Assekuranzen bei ihren Kalkulationen auf Ausnahmefälle. Mit dem neuen Stichtag soll dies Vorgehensweise nicht mehr möglich sein. Für bereits bestehende Verträge gelten die gesetzlichen Neuregelung nicht.

Die Branche befürchtet nun enorme Kostensteigerungen. „Durch das EuGH-Urteil werden die Versicherer fortan gezwungen sein, Ungleiches gleich zu behandeln und deshalb aus kalkulatorischen Gründen in ihre Prämien einen zusätzlichen Risikopuffer einzubauen. Damit werden sich Prämien für die Versicherungskunden verteuern“, moniert Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). So ist es in der Versicherungswirtschaft üblich, dass Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung (von durchschnittlich fünf Jahren) beispielsweise höhere Beiträge in die private Rentenversicherung einzahlen als Männer. Im Gegenzug dazu zahlen Damen jedoch oft weniger für ihre KFZ-Versicherung, da sie im Schnitt auch weniger Unfälle bauen. Doch nun entschied das Gericht, dass diese geschlechtsspezifischen Unterscheidungen diskriminierend seien. „Unisex-Tarife führen nicht zu mehr Gerechtigkeit, denn in Abhängigkeit von der Sparte benachteiligen sie beide, sowohl Frauen als auch Männer“, kommentiert Heinz.

Auch die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) bedauert die Entscheidung des EuGH in einer aktuellen Stellungnahme: „Die DAV wird nunmehr das Urteil und seine Begründung prüfen. Dabei wird sich zeigen, ob es bei der jetzt anstehenden Umsetzung des Urteils in nationales Recht möglich ist, eine Lösung zu finden, die dem Richterspruch entspricht und trotzdem eine risikogerechte Tarifierung erlaubt.“

Von den Neuregelungen profitieren, laut FitchRatings, wohl insbesondere die KFZ-Versicherungen. Für diese bieten sich nun Möglichkeiten der Tariferhöhungen. Weibliche Fahranfängerinnen werden dagegen wenig zu lachen haben. „Auf die 17- bis 29-Jährigen werden die höchsten Beitragssteigerungen zukommen“, prognostiziert Martyn Street, Londoner Analyst bei FitchRatings. Auch das männliche Geschlecht ist von den Änderungen betroffen. Mit der Einführung der Unisex-Tarife werden sie die längeren Laufleistungen weiblicher Rentner subventionieren, so der BVK.

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