Altersvorsorgereform

Zurich und DIA: Positionspapier unterstreicht Bedeutung der Betriebsrente

Zurich und DIA sprechen sich dafür aus, die betriebliche Altersversorgung deutlich stärker in die Reformüberlegungen einzubeziehen. Die bAV könne nicht nur zusätzliche Alterseinkommen aufbauen, sondern grundsätzlich auch Risiken wie Invalidität und Hinterbliebenenschutz absichern.

Betriebliche Vorsorge

Etwa jeder zweite Arbeitnehmer hat eine Betriebsrentenzusage. | Quelle: picture alliance / SZ Photo | Wolfgang Filser

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) und die Zurich Gruppe Deutschland (Zurich) haben ein gemeinsames Positionspapier „Stärkung der bAV - Reformansätze für die Alterssicherung in Deutschland" herausgegeben – kurz bevor die Alterssicherungskommission ihre Reformvorschläge veröffentlichen will. Hierbei betonen sie, wie zuletzt auch schon der GDV , die Bedeutung der Betriebsbrente für die Altersvorsorge.

„Wenn die gesetzliche Rente an ihre Grenzen stößt, braucht Deutschland eine stärkere zweite Säule“, sagt Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland. „Die betriebliche Altersversorgung ist der naheliegendste Hebel, um Versorgungslücken wirksam zu schließen – nicht nur bei der Altersrente, sondern auch bei der Absicherung biometrischer Risiken.“

Verbreitung in KMU zu gering

Etwa jeder zweite Arbeitnehmer hat eine Betriebsrentenzusage. Dennoch bleibt ihre Verbreitung gerade in kleinen und mittleren Unternehmen deutlich hinter den Möglichkeiten zurück. Warum? Zentrale Hemmnisse sind laut den Verfassern des Positionspapiers administrative Komplexität, Haftungsfragen auf Arbeitgeberseite, fehlende Anreize und unzureichende Kenntnisse.

Der generellen Komplexität der bAV begegnend haben die Autoren des Positionspapiers alle Aspekte untersucht und konkrete Reformansätze in einem Neun-Punkte-Plan gebündelt. Entlang zentraler Handlungsfelder – von Anreizsystemen und Autoenrolment über die Einbindung von Geringverdienern bis hin zu Vereinfachung, Haftung, Portabilität und Gruppenlösungen - werden konkrete Hebel identifiziert und beschrieben, um Verbreitung, Wirksamkeit und Akzeptanz der bAV zu erhöhen.

Der 9 Punkte Plan:

  1. Mehr Anreize statt Pflicht: Unternehmen sollen durch Bonus-Malus-Systeme stärker zur Einführung einer bAV motiviert werden.

  2. Autoenrolment mit Opt-out: Beschäftigte werden automatisch eingebunden, können aber widersprechen.

  3. Bessere Förderung für Geringverdiener: Staat, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen gemeinsam stärker geförderte Beiträge leisten.

  4. Weniger Haftungsrisiken: Arbeitgeber sollen durch rechtliche Entlastungen leichter bAV-Lösungen anbieten können.

  5. Einfachere Verwaltung: Bürokratische Prozesse sollen digitalisiert und standardisiert werden.

  6. Mehr Portabilität: Betriebsrenten sollen bei Arbeitgeberwechsel einfacher übertragbar sein.

  7. Stärkung kollektiver Absicherung: Gruppenlösungen für Invaliditäts- und Todesfallrisiken sollen ausgebaut werden.

  8. Mehr Transparenz: Beschäftigte sollen den Wert ihrer Betriebsrente besser erkennen können.

  9. Finanzbildung verbessern: Mehr Information und Aufklärung sollen die Akzeptanz der bAV erhöhen.

Politik denkt laut über verpflichtende bAV nach

DIA und Zurich sehen nun die Politik am Zug: Die bAV dürfe nicht länger als Ergänzung gedacht werden, sondern müsse als tragender Bestandteil der Reform verbindlich gestärkt werden. In der ARD-Sendung „Arena“ hatte sich auch Finanzminister Lars Klingbeil für eine verpflichtende Betriebsrente stark gemacht, um die Altersvorsorge zu stärken. "Wenn wir die gesetzliche stärken, das haben wir gemacht, wenn wir die betriebliche verpflichtend machen und wenn wir die private ausbauen, dann haben wir eine Chance, das Rentensystem wirklich zukunftsfähig zu machen", sagte Klingbeil. Doch was viele bAV-Experten derzeit befürchten ist, dass – getrieben von den Gewerkschaften – das Sozialpartnermodell der bAV in Stellung gebracht werden soll, obwohl dieses bislang nur eine geringe Verbreitung hat.

Long Story short

  • DIA und Zurich erhöhen vor der Rentenreform den Druck auf die Politik: In einem gemeinsamen Positionspapier fordern sie eine deutlich stärkere Rolle der betrieblichen Altersversorgung (bAV) als zweite Säule der Alterssicherung.

  • Neun-Punkte-Plan gegen Verbreitungshürden: Die Autoren sehen insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen Nachholbedarf und schlagen unter anderem mehr Anreize, Autoenrolment, vereinfachte Verwaltung und bessere Förderung für Geringverdiener vor.

  • Debatte über verpflichtende bAV nimmt Fahrt auf: Finanzminister Lars Klingbeil brachte zuletzt eine verpflichtende Betriebsrente ins Gespräch. Gleichzeitig wächst in der Branche die Sorge, dass stattdessen das bislang wenig verbreitete Sozialpartnermodell stärker in den Mittelpunkt der Reform rücken könnte.