Marketing-Offensive

Kostenloses Vorsorgedepot: Massive Kritik an Scalable-Offensive

Nachdem Scalable Capital mit einem kostenlosen Standarddepot in die Marketing-Offensive gegangen ist, werden in der Branche kritische Stimmen laut. Nun hat sich auch ein Verbraucherschützer in die Debatte eingeschaltet.

Prozentzeichen auf Münzstapeln

Sparen, aber um welchen Preis? Der Wettbewerb um das Altersvorsorge-Depot ist gestartet. | Quelle: MicroStockHub

Der Vorstoß des Münchner Finanzdienstleisters Scalable Capital mit einem gebührenfreien Standarddepot sorgt im Markt für Aufregung und Reaktionen. Nun schaltete sich auch Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, in die Debatte ein. Auf Linkedin schreibt er, es sei eine „starke Ansage“, das neue Altersvorsorgedepot „komplett gebührenfrei“ zu führen. „Damit stellt sich die Frage, wo verdient der Broker? Denn das muss er, auch wenn die Marge im Branchenvergleich gering sein sollte", so Nauhauser. Er stellt in seinem Beitrag daher etwa die Frage nach Preisänderungsklauseln, möglicherweise eingeschränkter Fondsauswahl aber auch nach möglichen Handelspartnern. Wenn es ein „Haar in der Suppe“ geben sollte, werde es die Verbraucherzentrale finden, verspricht er.

Franziska Geusen kritisiert kurzfristigen nicht genügend Weitsicht beim Endkunden

Auch auf dem Norddeutschen Versicherungstag kam das Thema zur Sprache. Während der Podiumsdiskussion zur Zukunft des Versicherungsvertriebs fanden die Teilnehmer deutliche Worte. AfW-Vorständin Franziska Geusen etwa vermutet eine branchenweite Angst vor der Vorgehens- und Arbeitsweise der Neobroker. „Die Frage ist, ob diese Angst so berechtigt ist. Bei Neuabschlüssen von jungen Menschen gibt es mit Sicherheit den einen oder anderen, der jetzt schon sein Geld in irgendwelchen ETFs bei Trade Republic liegen hat und der das Ganze nun über Scalable abschließen wird, insbesondere wenn es kostenlos ist.“ Aber: „Diese Leute werden sich irgendwann umschauen, wenn wir dann in die erste Krise kommen und sie alles verschießen, weil sie keine Beratung und niemanden haben, der ihnen sagt, dass er jetzt die Füße stillhalten muss.“

Vermittler sollten Kunden sensibilisieren

Ralf Berndt, Branchenexperte und Aufsichtsrat vom Maklerpool BCA, findet es „illusorisch“ zu denken, dass der Neobroker auch langfristig kein Geld verdienen will. „Die Neobroker versuchen im Moment möglichst viele Kunden anzuziehen, um sie erstmal bei sich zu haben. Aber irgendwann wird der Gebührenzähler anspringen.“ Hier müssten die Vermittler ansetzen: „Wir müssen darauf hinweisen und die Kunden sensibilisieren. Natürlich gibt es einen Margen- und Kostendruck, aber da muss der Vermittler dagegen halten mit der Qualität der Beratung und mit der Qualität der entsprechenden Produkte“, so Berndt.

Das „gebührenfreie Standarddepot“ von Scalable Capital soll konkret beinhalten, dass der Kunde für Konto und Depot, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe nichts zahlen muss. Generell sind die jährlichen Effektivkosten beim Standarddepot auf maximal 1 Prozent begrenzt. Bei Scalable entstünden Kosten nur innerhalb der verwendeten ETFs. Diese laufenden ETF-Kosten sollen maximal 0,15 Prozent im Jahr betragen. Im ersten Jahr will Scalable sogar diese Kosten übernehmen. Scalable geht mit dem Angebot als erster Neobroker in die Offensive. Durch das staatlich geförderte Altersvorsorge-Depot ist das Segment nun auch offen für den Kapitalmarkt, Banken und Smartbroker.

long story short

  • Kritik an Scalable Capital: Niels Nauhauser (Verbraucherzentrale BW) hinterfragt auf LinkedIn die Finanzierung des gebührenfreien Standarddepots und mögliche versteckte Kosten wie Preisänderungsklauseln oder eingeschränkte Fondsauswahl.

  • Branchenwarnung vor kurzfristiger Strategie: Franziska Geusen (AfW) warnt auf dem Norddeutschen Versicherungstag, dass Neobroker-Kunden in Krisen ohne Beratung ihr Geld verlieren könnten.

  • Langfristige Beratung im Fokus: Branchenexperte Ralf Berndt (BCA) betont, dass Vermittler Kunden über langfristige Kosten und die Bedeutung qualitativer Beratung aufklären müssen, um dem Margendruck entgegenzuwirken.