pro&contra

Neues Altersvorsorgedepot: Wird die Basisrente für Selbstständige jetzt überflüssig?

Das neue Altersvorsorgedepot eröffnet Selbstständigen mehr Flexibilität und Renditechancen. Macht es die Basisrente damit überflüssig? Daniel Kanzler, Head of Investment der Gerd Kommer Invest GmbH, hält das in Teilen für realistisch. Christian Häsch, Leiter Vertrieb der Alte Leipziger Lebensversicherung, sieht das anders.

Daniel Kanzler (Kommer Invest GmbH) und Christian Häsch (Alte Leipziger)

Daniel Kanzler, Head of Investment der Gerd Kommer Invest GmbH, und Christian Häsch, Leiter Vertrieb der Alte Leipziger Lebensversicherung | Quelle: Pressefotos: Gerd Kommer Invest / Alte Leipziger

Pro-Kommentar: Altersvorsorgedepot als sinnvolle Ergänzung

Die Basisrente erkauft die Förderung mit erheblichen Einschränkungen.
Daniel Kanzler

Head of Investment der Gerd Kommer Invest GmbH

Die Basisrente war lange Zeit für viele Selbstständige die einzige staatlich geförderte Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen. Das Problem dabei: Sie erkauft die Förderung mit erheblichen Einschränkungen. Das Kapital ist praktisch bis zum Rentenbeginn gebunden, eine Kapitalauszahlung ist ausgeschlossen und auch bei der Vererbbarkeit oder Flexibilität gibt es enge Grenzen.

Altersvorsorgedepot als moderner Gegenentwurf

Das Altersvorsorgedepot geht einen anderen Weg. Es erlaubt eine kapitalmarktnahe Anlage, etwa in breit diversifizierte ETFs, verzichtet auf die teure Beitragsgarantie früherer Fördermodelle und dürfte dadurch langfristig höhere Nettoerträge ermöglichen. Allein dieser Paradigmenwechsel macht das neue Modell für viele Selbstständige attraktiver als die klassische Basisrente.

Hinzu kommt ein psychologischer Aspekt: Wer über Jahrzehnte Vermögen aufbaut, möchte in der Regel nachvollziehen können, wie dieses investiert ist. Ein transparentes ETF-Portfolio erfüllt diesen Wunsch deutlich besser als viele traditionelle Rentenversicherungen mit komplexen Kostenstrukturen.

Zu niedrige Fördergrenzen

Allerdings hat der Gesetzgeber dem neuen Produkt aus meiner Sicht einen gravierenden Konstruktionsfehler mitgegeben: Die förderfähigen Beiträge sind schlicht zu niedrig. Selbst wenn darüber hinaus freiwillige Einzahlungen möglich sind, bleibt der Rahmen insgesamt viel zu klein, um den Altersvorsorgebedarf eines typischen Selbstständigen abzudecken. Wer jährlich nur wenige Tausend Euro steuerlich begünstigt anlegen kann, wird damit kaum eine ausreichende Altersversorgung aufbauen.

Depot bleibt eine Ergänzung

Deshalb sehe ich das Altersvorsorgedepot eher als sinnvolle Ergänzung denn als vollständige Lösung. Die staatliche Förderung sollte man mitnehmen, sofern sie zur eigenen Situation passt. Der weitaus größere Teil des langfristigen Vermögensaufbaus sollte jedoch weiterhin in einem normalen, kostengünstigen und global diversifizierten ETF-Depot erfolgen. Dort gibt es keine künstlichen Beitragsgrenzen, eine deutlich höhere Flexibilität und jederzeit die Möglichkeit, die eigene Anlagestrategie an veränderte Lebensumstände anzupassen.

Langfristig gilt auch hier ein einfacher Grundsatz: Eine gute Altersvorsorge lebt nicht von möglichst vielen Förderregeln, sondern von hohen Sparquoten, breiter Diversifikation, niedrigen Kosten und einem langen Anlagehorizont. Das Altersvorsorgedepot kann dabei künftig eine sinnvolle Rolle spielen – die Hauptrolle wird es für die meisten Selbstständigen jedoch nicht übernehmen.

Das procontra-Dossier zur Altersvorsorgereform

Alles Wissenswerte zum Altersvorsorgedepot lesen Sie hier!

In unserem Dossier zur Altersvorsorgereform lesen Sie alle Themen rund um die Riester-Nachwelt und das Altersvorsorgedepot.

Contra-Kommentar: Basisrente bleibt wichtiger Baustein für die Altersvorsorge

Für viele Selbstständige wird die Basisrente weiterhin ein zentrales Vorsorgeinstrument bleiben.
Christian Häsch

Leiter Vertrieb der Alte Leipziger Lebensversicherung

Chancenorientierte, flexible und staatlich geförderte Kapitalanlage des neuen Altersvorsorgedepots hin oder her: Die Basisrente bleibt für Selbstständige wichtig. Denn sie brauchen mehr. Wer keine oder nur geringe Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem Versorgungswerk hat, braucht eine verlässliche Basisversorgung.

Diese 4 Gründe zeigen klar, warum die Basisrente weiterhin ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge von Selbstständigen bleibt:

  1. Höhere Fördervolumen, bessere steuerliche Regelungen

    Es ist erfreulich, dass Selbstständige nun die Möglichkeit haben, das neue Altersvorsorgedepot abzuschließen. Dessen förderfähige Eigenbeiträge sind allerdings begrenzt. In die Basisrente können deutlich höhere Beiträge steuerlich wirksam eingebracht werden. Das ist besonders für Selbstständige mit gutem Einkommen oder schwankenden Gewinnen relevant: Sie können in wirtschaftlich starken Jahren größere Beträge für die Altersversorgung einsetzen und ihre Steuerbelastung reduzieren.

    Hinzu kommt: Das Wachstumschancengesetz legt fest, dass Basisrenten erst ab 2058 zu 100 Prozent nachgelagert besteuert werden. Das ist gerade bei älteren Verträgen relevant. Leistungen aus dem Altersvorsorgedepot werden von Beginn an komplett nachgelagert besteuert.

  2. Länger leben, als gedacht: Monatliches Einkommen bis zum Schluss

    Die Basisrente ermöglicht eine lebenslange Rente. Die meisten Menschen unterschätzen ihre Lebenserwartung. Dadurch entsteht das Risiko, länger zu leben, als es in Auszahlplänen einkalkuliert ist. Die Basisrente sichert ab, worum es in der Altersvorsorge im Kern geht: den Lebensunterhalt unabhängig von der tatsächlichen Lebensdauer finanzieren zu können.

    Das Altersvorsorgedepot sieht neben der lebenslangen Rente auch einen Auszahlungsplan vor. Dieser muss mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen. Das Risiko, länger zu leben, trägt anschließend der Kunde. Das bietet eine Flexibilität, die ergänzend zur Basisrente eine gute Absicherung bieten kann.

  3. Arbeitskraft absichern

    Mit einer Basisrente kann auch die Arbeitskraft abgesichert werden. Wenn das Risiko der Berufsunfähigkeit (BU) als Zusatzversicherung eingebunden ist, kann der gesamte Beitrag steuerlich als Altersvorsorgeaufwand berücksichtigt werden. Das Altersvorsorgedepot gibt es dahingegen nur ohne BU.

  4. Renditechancen seit 2005

    Die Kapitalmarktorientierung ist kein Alleinstellungsmerkmal des Altersvorsorgedepots. Basisrenten können schon seit ihrer Einführung im Jahr 2005 auch Fondsanlagen enthalten und damit chancenorientiert ausgestaltet sein.

Fazit: Die Basisrente ermöglicht Selbstständigen den Aufbau einer verlässlichen Basisversorgung. Daran ändert auch das neue Altersvorsorgedepot nichts, doch es erweitert die Optionen. Eine tragfähige Altersvorsorge verbindet im Idealfall ein lebenslanges Einkommen und ergänzende Bausteine für zusätzliche Chancen und Flexibilität. Für viele Selbstständige wird die Basisrente weiterhin ein zentrales Vorsorgeinstrument bleiben. 

Pro: Altersvorsorgedepot statt Basisrente

  • Mehr Flexibilität: Kapitalmarktnahe Anlagen und flexiblere Verfügbarkeit.

  • Höhere Renditechancen: Breit diversifizierte ETFs können langfristig bessere Nettoerträge ermöglichen.

  • Mehr Transparenz: Anleger können die Zusammensetzung ihres Vermögens besser nachvollziehen.

Contra: Basisrente bleibt wichtig

  • Steuerliche Vorteile: Die Basisrente bietet weiterhin attraktive Abzugsmöglichkeiten.

  • Lebenslange Rente: Sie sichert eine regelmäßige Altersversorgung bis zum Lebensende.

  • Ergänzende Absicherung: Zusatzbausteine wie Berufsunfähigkeitsschutz können integriert werden.

Wird das Altersvorsorgedepot die Basisrente ersetzen?