Betriebsrente: Fast jeder zweite Erwerbstätige befürwortet bAV-Pflicht
Knapp die Hälfte aller Erwerbstätigen unterstützt eine verpflichtende Betriebsrente. So sprechen sich 48 Prozent der Erwerbstätigen für eine Pflicht zur Betriebsrente (bAV) aus, um sich vor Altersarmut zu schützen. Gleichzeitig lehnen 39 Prozent eine verpflichtende Lösung ab, 13 Prozent sind unentschlossen. Das geht aus einer DEVK-Umfrage hervor. Dafür hatte das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Juni 2500 Erwerbstätige befragt.
Die hohe Ablehnung könnte strukturelle Gründe haben: Der Zugang zur bAV ist ungleich verteilt, in kleinen Betrieben nutzt nur etwa ein Viertel der Beschäftigten eine bAV, in Großunternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten sind es nach Angaben des Bundesministerium für Arbeit und Soziales rund 86 Prozent (Stand: Februar 2025). Aber: Viele Erwerbstätige sind grundsätzlich bereit, selbst fürs Alter vorzusorgen. Rund 28 Prozent würden monatlich 50 bis 100 Euro ihres Bruttogehalts in eine bAV einzahlen. Weitere 20 Prozent können sich sogar höhere Eigenanteile von bis zu 200 Euro vorstellen.
In den Vorschlägen der Rentenkommission, die am Dienstag an die Bundesregierung übergeben wurden, findet sich jedoch erneut keine Pflicht oder Opt-out-Lösung zur bAV, gleichwohl ihre Bedeutung unterstrichen wurde.
Investitionsgrenze bei 200 Euro monatlich
Deutlich geringere Zustimmung gibt es hingegen für noch höhere Beiträge: Nur 13 Prozent sind bereit, mehr als 200 Euro monatlich zu investieren. Auch der Anteil derjenigen, die weniger als 50 Euro einzahlen würden, fällt mit 14 Prozent gering aus. Gleichzeitig sagt rund jede sechste befragte Person (16 Prozent), dass sie sie grundsätzlich keine zusätzliche Altersvorsorge über den Betrieb wünscht.
Im Zuge der geplanten Rentenreform rückt die betriebliche Altersversorgung (bAV) stärker in den Fokus, procontra berichtete. Die aktuelle Reformdebatte zielt darauf ab, neben der gesetzlichen Rente auch die betriebliche und private Altersvorsorge als starke, kapitalgedeckte Säulen auszubauen und damit Versorgungslücken zu schließen. Der Handlungsbedarf ist groß: Von 34,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland (Bundesagentur für Arbeit, Februar 2025) haben etwa 19,5 Millionen einen Anspruch auf eine Betriebsrente (IfD Allensbach, Juni 2025). Mehr als 15 Millionen Erwerbstätige bleiben bislang außen vor. Hinzu kommen geringfügig Beschäftigte mit meist besonders geringer Altersabsicherung.
Bundesregierung will nun „zügig“ handeln
Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert in der Debatte etwa eine verpflichtende Lösung, unterstützt von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bringt ein Opt-out-Modell ins Spiel: Beschäftigte sollen automatisch eine Betriebsrente erhalten, können jedoch widersprechen. Die Bundesregierung will nun „zügig handeln“. Die Vorschläge bildeten ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniere, sagte Kanzler Friedrich Merz nach der Übergabe des Berichts in Berlin. Die Koalition sei sich daher einig, das Paket „vollständig“ umzusetzen.
Die insgesamt 33 Vorschläge kommen von der Rentenkommission, bestehend aus 13 Experten und Politikern. Sie war vor einem halben Jahr eingesetzt worden, um Vorschläge für eine große Rentenreform zu erarbeiten.
long story short
Fast jede zweite erwerbstätige Person ist offen für eine verpflichtende Betriebsrente: Laut DEVK-Umfrage sprechen sich 48 Prozent für eine bAV-Pflicht aus, 39 Prozent lehnen sie ab, 13 Prozent sind unentschlossen.
Die Zustimmung trifft auf ein strukturelles Problem: Während in Großunternehmen nach BMAS-Angaben rund 86 Prozent der Beschäftigten eine bAV nutzen, ist es in kleinen Betrieben nur etwa ein Viertel.
Die Reformdebatte nimmt Fahrt auf: DGB und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil unterstützen eine verpflichtende Lösung, der GDV plädiert für ein Opt-out-Modell; die Bundesregierung will nach Angaben von Kanzler Friedrich Merz nun „zügig“ handeln.

