„Die Lösung der Altersvorsorgefrage liegt nicht in einfachen Klick-Lösungen, sondern in individueller, ganzheitlicher und qualifizierter Beratung und einer intelligenten Kombination aus Versicherungs- und Investment-Bausteinen“ – so fasst eine neue Initiative zum Altersvorsorgedepot (AVD) ihre Haltung zusammen und steht damit klar im Lager der Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler.
Das dürfte angesichts der Namen auch wenig überraschen. Denn dem Thinktank Vorsorgevertrieb, wie die Initiative sich nennt, gehören die Versicherer die Bayerische und Volkswohl Bund an, ebenso wie die Vermögensverwalter Franklin Templeton und Fidelity, die Maklerunternehmen HdB Haus der Berater und Mando Finanz, sowie der Maklerpool BCA.
Warum Beratung und ein Miteinander verschiedener Anbieter für den Erfolg des AVD sowie die langfristige Kundenzufriedenheit so wichtig sind, haben die Akteure in einem gemeinsamen Whitepaper festgeschrieben. In dessen Kern geht es, grob zusammengefasst, um folgende fünf Thesen:
Zwei Welten entstehen
Der Markt spaltet sich in Selbstentscheider, die eigenständig über Neobroker und ETF Sparpläne investieren, und Kunden, die strukturierte Beratung suchen. Beide brauchen informierte Entscheidungsgrundlagen.
Das Altersvorsorgedepot ist eine Chance, aber kein Selbstläufer
Die neue Förderkategorie vereinfacht Strukturen, macht es aber keineswegs einfacher, sich für „gefördert“ oder „privat“, für Versicherung oder Depot oder beides zu entscheiden. Deshalb wird ganzheitliche Beratung noch wichtiger.
Beratung hat ihren Preis – und das muss offen kommuniziert werden
Die Initiative plädiert dafür, den Wert von Beratung transparent und selbstbewusst zu vermitteln, statt ihn zu verschweigen.
Versicherung und Investment als System statt als Gegensatz
Die Zukunft der Vorsorge liegt in der intelligenten Kombination beider Welten, abgestimmt auf Lebensphase, Risikoprofil und Liquiditätsbedarf.
Kooperation statt Alleingang
Nur im Zusammenspiel von Versicherern, Investmentanbietern, Vertrieben und Maklerpools lässt sich die Komplexität der neuen Vorsorgewelt für Kunden beherrschbar machen.
Das Whitepaper geht an diesen Stellen punktuell noch in die Tiefe und führt die Ansätze genauer aus. An einer Stelle geht es für Vermittler auch darum, ihre Rolle zu finden und schon jetzt eine AVD-Sprachfähigkeit gegenüber ihren Kundinnen und Kunden aufzubauen, auch wenn der Vertrieb erst 2027 losgeht. Eine Hilfestellung dabei bietet auch das AVD-Themendossier von procontra mit vielen nützlichen Beichten und Analysen zur Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge-Reform.
Die Initiative will auch über die Veröffentlichung des Whitepapers hinaus aktiv werden. In den kommenden Monaten sind unter anderem Experten-Workshops mit Vertretern aus Versicherung, Investment, Pools und Maklerschaft zur Entwicklung konkreter Beratungs- und Produktansätze geplant. Zudem sammelt der Thinktank laufend Informationen zur Ausgestaltung, Beratung und zu den Rahmenbedingungen der künftigen Vorsorgeoptionen.
Zwar beginnt der AVD-Vertrieb erst im nächsten Jahr. Anscheinend verabschieden sich die Versicherer nun aber langsam von der Taktik, bis dahin still auszuharren, während die Neobroker mit auffälliger Werbung und Wartelisten auf potenziellen Kundenfang gehen.
Long Story short
Das „Thinktank Vorsorgevertrieb“ plädiert für ganzheitliche Beratung beim geplanten Altersvorsorgedepot (AVD). Versicherungs- und Investmentlösungen sollten je nach Lebenssituation kombiniert werden. Ein Whitepaper betont zudem Transparenz bei Beratungskosten und Kooperation zwischen Versicherern, Investmentanbietern, Maklern und Pools. Geplant sind weitere Workshops und Analysen zur Ausgestaltung des AVD.

