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10 Vorurteile über Selbstständige: Verband fordert faktenbasierte Politik

Der Selbstständigen-Verband VGSD hat die zehn häufigsten Vorurteile über Selbstständige ermittelt. Besonders verbreitet sind falsche Annahmen über Sozialabgaben, Altersvorsorge und Einkommen. Für Makler zeigt das, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung der Zielgruppe ist.

Porträt eines lächelnden Klempners

Selbstständige haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. | Quelle: VIJ

Was denken Menschen über Selbstständige? Und welche Vorurteile begegnen ihnen im beruflichen Alltag besonders häufig? Diesen Fragen ist der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) in einem Online-Voting unter seinen Mitgliedern nachgegangen. Mehr als 400 Selbstständige beteiligten sich an der Abstimmung und vergaben rund 4.000 Stimmen für knapp 40 vorgegebene Vorurteile.

Das Ergebnis zeigt: Viele der verbreiteten Klischees betreffen nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch die soziale Absicherung und die wirtschaftliche Situation von Selbstständigen.

Die zehn häufigsten Vorurteile

  1. Selbstständige beteiligen sich nicht am Sozialstaat (526 Stimmen)

  2. Selbstständige sind prekär und sorgen nicht fürs Alter vor (471 Stimmen)

  3. Selbstständige wären eigentlich lieber angestellt (378 Stimmen)

  4. Selbstständige sind Großverdiener (376 Stimmen)

  5. Selbstständige können alles von der Steuer absetzen (326 Stimmen)

  6. Der Umsatz eines Selbstständigen entspricht dem Bruttoeinkommen eines Angestellten (258 Stimmen)

  7. Selbstständige können sich alle privat krankenversichern beziehungsweise sind privat krankenversichert (183 Stimmen)

  8. Selbstständige können jederzeit Urlaub machen (172 Stimmen)

  9. Selbstständige können sich nicht in ein Team einfügen (131 Stimmen)

  10. Selbstständige arbeiten „selbst und ständig“ (114 Stimmen)

Während der Klassiker vom „Selbst und ständig“ noch vergleichsweise harmlos wirkt, können andere Zuschreibungen konkrete politische Folgen haben. Dazu zählen etwa die Annahmen, Selbstständige lebten grundsätzlich prekär, sorgten nicht für das Alter vor oder gehörten durchweg zu den Besserverdienern.

Sozialstaat: Selbstständige nicht pauschal ausklammern

Der VGSD kritisiert, dass solche Narrative teilweise auch politische Debatten prägten. So werde das Bild der prekären Selbstständigkeit immer wieder herangezogen, um eine Einbeziehung in die gesetzliche Rentenversicherung zu begründen. Umgekehrt diene das Bild des gut verdienenden Selbstständigen dazu, zusätzliche Belastungen zu rechtfertigen oder Selbstständige bei Leistungen schlechter zu stellen als Arbeitnehmer.

Nach Darstellung des Verbands ist die Realität deutlich differenzierter. Ein großer Teil der Sozialleistungen werde steuerfinanziert. Selbstständige trügen daher über ihre Steuerzahlungen zur Finanzierung des Sozialstaats bei. Wo sie sozialversicherungspflichtig seien, müssten sie zudem häufig höhere Beiträge leisten, weil sie nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberanteil trügen.

Auch beim Thema Altersvorsorge widerspricht der VGSD dem verbreiteten Klischee. Das ifo-Institut habe 2025 ermittelt, dass 97 Prozent der Selbstständigen für das Alter vorsorgten. Allerdings seien die Einkommensunterschiede innerhalb der Gruppe größer als bei Angestellten. Neben Selbstständigen mit hohen Einkommen gebe es daher auch Personen mit niedrigen Einkünften und eine breite Mitte.

Eine weitere VGSD-Umfrage unter rund 5.500 Teilnehmern habe zudem ergeben, dass 95 Prozent der Selbstständigen gerne und freiwillig selbstständig seien. Die Selbstständigkeit sei damit für die große Mehrheit keine bloße Notlösung oder ein Ausweichmodell zur abhängigen Beschäftigung.

„Es darf nicht sein, dass die Politik von falschen Wahrnehmungen über Selbstständige geleitet Gesetze beschließt, die trotz guter Absichten ihre Zielsetzung verfehlen“, sagt VGSD-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Lutz. Politische Entscheidungen müssten auf Fakten und nicht auf Vorurteilen beruhen.

Selbstständige als Beratungszielgruppe für Makler

Für Versicherungsmakler unterstreicht die Erhebung, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung der Zielgruppe ist. Selbstständige sind keine homogene Kundengruppe. Ihre Absicherung hängt unter anderem von Rechtsform, Branche, Einkommen, Geschäftsmodell, familiärer Situation und der Frage ab, ob Mitarbeitende beschäftigt werden.

Gleichzeitig bestehen häufig komplexe Beratungsanlässe: Kranken- und Pflegeversicherung, Berufsunfähigkeit, Betriebshaftpflicht, Vermögensschadenhaftpflicht, Krankentagegeld sowie die private und betriebliche Altersvorsorge müssen aufeinander abgestimmt werden. Bei Solo-Selbstständigen kommen zudem die enge Verbindung von privater und betrieblicher Absicherung sowie schwankende Einnahmen hinzu.

Mit der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge und der Öffnung des Altersvorsorgedepots (AVD) auch für Selbstständige dürfte die Zielgruppe für Makler zusätzlich an Bedeutung gewinnen. Das AVD soll neue Möglichkeiten für eine kapitalmarktorientierte, staatlich geförderte Altersvorsorge schaffen. Für Vermittler entsteht damit ein weiterer Anlass, Selbstständige systematisch anzusprechen und bestehende Vorsorgelücken zu überprüfen.

Long Story short

  • Mehr als 400 Selbstständige beteiligten sich an einer VGSD-Umfrage und stimmten rund 4.000-mal über verbreitete Vorurteile ab.

  • Die Realität widerspricht vielen Klischees: 97 Prozent der Selbstständigen sorgen fürs Alter vor, 95 Prozent sind bewusst und gerne selbstständig.

  • Mit der Öffnung des Altersvorsorgedepots (AVD) für Selbstständige wird die Zielgruppe auch für Versicherungsmakler und Vorsorgeberater noch relevanter.