Es ist geschafft: der Darién Gap lehrt uns ein letztes Mal Demut – so verliefen Tag 9 und 10

Abenteuer Nachhaltigkeit Berater von Klaus Hermann

Tag 10, 06. März: Der Darién Gap lehrt uns noch ein letztes Mal Demut

Da es Florian nicht besonders schlecht geht, brechen wir auf. Pazifik, wir kommen. Noch einmal will uns der Darién Gap an diesem Tag Demut lehren und uns zeigen, dass es kein Spaziergang ist, ihn zu durchqueren. Wir müssen rund 600 Höhenmeter mit teilweise sehr steilen Passagen bewältigen. Von der Vorfreude und Euphorie bezüglich des nahenden Ziels getrieben, sind wir in zwei Stunden oben angekommen. Lachende und strahlende Gesichter umgeben mich, als wir zum ersten Mal das Meer erblicken. Das Ziel ist scheinbar nah. Allerdings vergessen wir für den Moment, dass wir noch einiges vor uns haben. Zunächst mal einige Kilometer rauf und runter, ohne besonders viele Höhenmeter zu reduzieren. Irgendwann geht es dann aber abwärts. Noch einmal sechs Stunden Matsch, rutschen, konzentrieren, fallen, fluchen und immer wieder kurze Pausen, um nach Luft zu schnappen. Wir sind ungeduldig und der Körper brüllt einem entgegen, dass es jetzt auch wirklich reicht, mit den Anstrengungen.

In der sechsten Stunde sich reduzierender Höhenmeter hören wir wieder den Fluss. Erst ganz leise, so dass man sich nicht sicher ist, ob es eventuell der Wind ist, dann aber immer klarer, bis Tobi ruft „Da unten ist Wasser!“. Jetzt noch einmal die letzten Meter keinen Fehler machen, um nicht als der Dämliche dazustehen, der sich auf dem finalen Stück die Knochen gebrochen hat. Wir kommen am Fluss an und gehen Richtung Meer. Plötzlich geht jeder Schritt wie von selbst, denn wir wissen, dass wir auf dem letzten Stück sind. Der Fluss macht eine Biegung und dann der Glücksmoment. Das Grün des Dschungels öffnet sich und wir blicken auf einen palmengesäumten Strand und das Meer.

Es ist geschafft: Der Pazifik ist in Sicht – Emotionen pur!

Es ist schwer zu beschreiben, welche Emotionen in dem Moment den Kopf fluteten. Die pure Freude, Glückseligkeit und Erleichterung sind auf jeden Fall dabei. Wir werfen die Rucksäcke in den Sand, trennen uns von den verschwitzen, schmutzigen Sachen und laufen in die meterhohen Wellen des pazifischen Ozeans. Wir jubeln, lachen und umarmen uns. Es ist geschafft. Wir sind durch den Darién Gap gelaufen. Nur wenige Menschen haben das bisher getan. Es ist etwas Besonders, etwas, das mich noch lange und nachhaltig beschäftigen wird. Ganz sicher wird es auch mein Leben und Denken verändern.

Doch an diesem Tag genießen wir erstmal jede Minute. Es gibt frische Kokosnüsse, die wir von den Palmen holen, wir teilen uns die Reste unserer Vorräte und machen ein großes Lagerfeuer am Strand. Wir erzählen uns Geschichten, lassen die Tour Revue passieren und versuchen zu verstehen, was wir alles erlebt haben.

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