Es ist geschafft: der Darién Gap lehrt uns ein letztes Mal Demut – so verliefen Tag 9 und 10

Abenteuer Nachhaltigkeit Berater von Klaus Hermann

Es sind die letzten Kilometer – doch die haben es in sich. Der Darién Gap zeigt noch einmal mit ganzer Härte, warum nur wenige Menschen es bisher gewagt haben, ihn zu durchqueren. Doch er endet im Paradies – in den fantastischen Weiten des Pazifischen Ozeans. Der neunte und zehnte Reisebericht

Erleichterung, Stolz und Freude pur. Bild: privat

Erleichterung, Stolz und Freude pur: Nach 100 Kilometern endet der anstrengende Dschungeltrip am Pazifik. Bild: privat

Klaus Hermann hat im Dschungel Tagebuch geführt seine Erlebnisse exklusiv für procontra aufgeschrieben. Die Dschungeltour ist fast zu Ende und es wird einmal mehr klar, wie die Gruppe unter der Extremsituation zusammengewachsen ist und wie gut alle miteinander harmonieren. Dieses Abenteuer wird allen noch lange im Gedächtnis bleiben.

Tag 9, 05. März: Werden bewaffnete Schmuggler in der Nacht das Camp besuchen?

Die Idee, einen weiteren Ruhetag einzurichten gefiel mir sehr gut. Wir haben einen tollen Platz zum Campieren gefunden. Sehr dicht am Fluss und in einer wirklich schönen Umgebung. Nur Rick ist nicht ganz zufrieden. Denn er befürchtet, dass unser Camp zu nah an einer Route liegt, die gern auch von Schmugglern genutzt wird. Zusammen mit Joe, unserem Agrarökologen aus Göttingen, der kurz vor der Reise noch beruflich im Kongo war und unheimlich interessante Geschichten zu erzählen hat, 35 Kilometer am Stück schwimmen kann und scheinbar jede Pflanze im Dschungel kennt und erklären kann, macht sich unser Guide am frühen Morgen des Ruhetages auf, um nach einem alternativen Standort für uns zu suchen.

Ein Ruhetag zum Kräftesammeln

Kontakt mit den oft bewaffneten und schwer einzuschätzenden Schmugglern will er unbedingt vermeiden. Nach zwei Stunden kehren die beiden zurück. Es gibt zwar eine Alternative, aber wir entscheiden dennoch, auch die nächste Nacht hier zu verbringen. Das ist mir sehr recht. So kann ich meinen total verdreckten und verschlammten Rucksack mal reinigen, die Ausrüstung säubern und mal etwas zur Ruhe kommen. Die Eindrücke dieser Tour brennen sich im Sekundentakt in mein Gedächtnis. All das muss auch mal verarbeitet werden. Ich genieße die Ruhe und nehme mir Zeit, um mit mir allein zu sein. Gehe den Rio Pina entlang, durch den dichten Regen und versuche, meine Gedanken zu sortieren. Ich merke, dass ich dafür auf jeden Fall noch länger als einen Ruhetag im Dschungel benötige.

Wir haben Zeit, uns untereinander weiter kennenzulernen. Jeder bringt hat seine Vita, die ihn oder sie irgendwie an diesen Ort gebracht hat mit. Der Suizid der Mutter, die Trennung der Eltern, die Arbeitslosigkeit, eine schwere Kindheit und Jugend und viele andere Themen werden vertrauensvoll ausgetauscht. Das Team funktioniert nicht nur, wir sind eine echte Gemeinschaft und gehen sehr behutsam miteinander um. Ich erlebe während der gesamten Wanderung nicht einen einzigen Moment, indem es auch nur den Anschein eines Konfliktes oder eine Respektlosigkeit gab. Auch das hat mich sehr beeindruckt.

Ein Skorpion hat zugestochen

Voller Motivation und Entschlossenheit und mit der wiedergewonnenen Kraft eines Ruhetages entscheiden wir am Abend, dass wir die restlichen Kilometer bis zum Pazifik nicht an zwei, sondern an einem Tag schaffen wollen. Es ist noch dunkel, als wir am 10. Tag unser Lager abbauen.

Plötzlich schreit Florian, unser 30jähriger IT Spezialist aus Frankfurt, hell auf. Sofort laufen wir mit unseren eingeschalteten Stirnlampen zu ihm. Er liegt am Boden und hält sich den Arm. Er sagt, ein Skorpion wäre ihm am Bein hochgelaufen. Als Florian ihn wegwischen wollte, habe er zugestochen. Nina, unsere Krankenschwester aus der Nähe von Graz, schaut sich den Arm an, während wir zu dritt versuchen, den Skorpion zu finden. Falls sich Florians Zustand verschlimmern sollte, ist es wichtig, ein Foto von dem Tier zu haben, dass gebissen oder gestochen hat. Nur so können die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden. Leider finden wir nichts. Der Übeltäter hat sich aus dem Staub gemacht. Zum Glück hat Florian nicht mehr Symptome als nach einem Wespenstich. Rick erklärt, dass für einen Skorpion gilt: Je größter der Schwanz in Relation zum Körper, desto giftiger. Wieder was gelernt. Hier waren die Relationen anscheinend nicht lebensgefährlich.

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