17 Kilometer Dschungel – begleitet von unvorstellbaren Regenmassen. So verlief Tag 6

Abenteuer Nachhaltigkeit Berater von Klaus Hermann

Halbzeit bei der Tour durch den Dschungel – und diese beginnt mit einem 17 Kilometer dauernden Fußmarsch durch den Regen. Und das ist alles andere als eine willkommene Erfrischung, sondern macht den Trip um einiges beschwerlicher. Der sechste Reisebericht

Bild: privat

Der tropische Dauerregen hat zur Folge, dass sich die Rucksäcke und Inhalte mit Wasser vollsaugen. So werden aus den rund 25 Kilogramm Gewicht schnell ein paar mehr. Bild: privat

Klaus Hermann hat im Dschungel Tagebuch geführt seine Erlebnisse exklusiv für procontra aufgeschrieben. Hier berichtet er über den Abschied von den Embera, der anders ausfällt, als wir es gewohnt sind, Regenfluten, die für die Trockenzeit eher ungewöhnlich sind und die Herausforderungen, die sich dadurch für alle Beteiligten ergeben.

Tag 6, 2. März: Viel Regen ist nicht immer ein Segen…

Um 4 Uhr früh werde ich von zwei Hähnen geweckt, die sich in aller Herrgottsfrühe lautstark duellieren. Das macht aber nichts. Wenn man abends zwischen 20 und 21 Uhr schlafen geht, kann man auch um 4 Uhr aufstehen. Dieser Tag beginnt mit guten Nachrichten. Antonia geht es wieder richtig gut und auch Florian und Tobi fühlen sich besser. Die Medikamente wirken und bringen sie wieder zurück in die Spur.

Wir packen unsere Sachen und bekommen Frühstück im Dorf. Es gibt Haferbrei, Würstchen und frittierte Teigtaschen, die für uns bereitgestellt werden. Als wir uns kurz nach Tagesanbruch auf den Weg machen ist das ganz Dorf auf den Beinen, um uns bei der Abreise zu beobachten. Sie winken nicht, lachen nicht, es gibt keine Verabschiedung. Irritiert frage ich Rick, ob wir uns falsch verhalten oder sie auf irgendeine Art verärgert haben. Er verneint und erklärt mir, dass solche Dinge wie „Bitte“, „Danke“ und Verabschiedungen bei den Embera keine große kulturelle Rolle spielen. Das beruhigt mich ein wenig.

Der deutlich härtere Teil der Tour beginnt

Heute haben wir 17km Dschungel vor uns. Mit dem 6. Tag beginnt der deutlich härtere Teil der Tour. Mehr Kilometer und mehr Höhenmeter sind zu absolvieren. Die Zeit für Pausen wird kürzer. Aus dem Dorf Condoto begleiten uns zwei Embera, die Rick dabei unterstützen sollen, den Weg zum Pazifik zu finden. Marco und Calbin. Da wir durch ihr Schutzgebiet laufen, ist es ebenfalls von Vorteil, von Embera begleitet zu werden. Wir werden uns mit den beiden im Rahmen des emotionalen Horizontes der Embera Kultur, prächtig verstehen und anfreunden.

Rick macht ungewöhnlich viel Tempo und fordert uns. Mehrfach beobachte ich ihn, wie er auf seine Technik schaut und anscheinend Informationen liest. Ich spreche ihn an. Er hält an und berichtet, dass Regen auf uns zukommt. Das sei für die aktuelle Trockenzeit sehr ungewöhnlich. Davon unbeeindruckt denke ich mir, dass es doch erfrischend und abkühlend sei, wenn mal ein Schauer auf uns hernieder geht. Später weiß ich: Ich hatte keine Ahnung, was uns erwartet. Denn nur kurze Zeit später wird mir klar, was Rick beunruhigt hat. Der Himmel öffnet schlagartig seine Schleusen. Zunächst wird es einfach laut. Man hört ein Rauschen aus dem Blätterdach. Dann bahnt sich das Wasser seinen Weg. Unvorstellbare Mengen prasseln auf uns hernieder. Zunächst sind wir alle fröhlich, machen Späße und singen im Regen.

Allerdings hat der Regen drei Konsequenzen:

  1. Die Flüsse schwellen an, so dass das Wasser bei den häufigen Durchquerungen nicht nur mit zum Knie, sondern nun teilweise bis zur Hüfte und darüber fließt. Mit der Strömung wird es dann nicht einfacher, die Fluten zu durchlaufen.

  2. Die Rucksäcke und Inhalte saugen das Wasser auf und aus den rund 25 Kilogramm Gewicht werden schnell ein paar mehr.

  3. Der Boden wird matschig und sehr rutschig. Man kommt schwerer voran und jeder Stein, jeder Baum und jede Wurzel sind nun extrem glatt.

Überall Laub und darunter rutschige Steine und Wurzeln

Das führt dazu, dass wir noch vorsichtiger gehen müssen. Es gibt keine richtigen Wege. Überall Laub und darunter rutschige Steine und Wurzeln. Wenn wir durch die Flüsse gehen, können wir aufgrund des starken Regens nun überhaupt nicht mehr erkennen wie der Untergrund beschaffen ist. Man geht wie auf rohen Eiern und ist sehr froh, die Trekking Stöcke als 3. und 4. Bein dabei zu haben.

Unser Camp erreichen wir am späten Nachmittag. Eine tolle Stelle, auch wenn wir uns den Weg zwischen Fluss und Lager mit der Machete erstmal frei schlagen müssen. Leider sind meine Hängematte und vor allem auch mein Tropenschlafsack nass. Es schläft sich etwas unangenehm und ich versuche, die Feuchtigkeit mit meiner Körperwärme loszuwerden. Das dauert bis in die Morgenstunden und sorgt für ein erstes Frösteln im Regenwald. Damit hatte ich auch nicht gerechnet.

Hier geht es zum Reisetagebuch 1, Reisetagebuch 2, Reisetagebuch 3 und Reisetagebuch 4 und 5.

Hier können Sie Dschungelpate für Klaus Hermann werden.