Asbest – Die heimtückische Gefahr

Stefan Terliesner Baugewerbe Berater

Bis heute ist die krankheitserregende Faser in vielen Häusern und Bauteilen verarbeitet. Wird sie bei Sanierungen versehentlich freigesetzt, ist der Schaden ist da. Bauhandwerker brauchen Schutz.

Asbest. Bild: Adobe Stock/Ecology

Wird Asbest in Gebäuden nachgewiesen, müssen bei der Entsorgung strenge Schutzmaßnahmen getroffen werden. Bild: Adobe Stock/Ecology

„Den Auftrag schiebe ich noch schnell dazwischen“, denkt sich Installateur Hugo Müller* und schnappt sich seine Werkzeugkiste. Ein privater Kunde wünscht neue Rohrleitungen in seinem Altbau. Müller legt die Rohre frei, reißt sie raus und zerlegt sie noch am gleichen Tag mit der Flex. Erst am nächsten Tag erkennt sein Kollege, dass die Rohrleitungen mit einer asbesthaltigen Dämmung ummantelt sind. Beim Durchtrennen mit der Flex gelangten feine Asbestfasern in die Umgebungsluft und lagerten sich für das menschliche Auge nicht oder kaum sichtbar im gesamten Haus ab.

Leistungsumfang prüfen

Alle Innenräume müssen jetzt durch eine Spezialfirma in einem aufwendigen Verfahren komplett von den winzigen Fasern gesäubert werden, denn Asbest kann Krankheiten insbesondere der Atemwege verursachen, bis hin zu Lungenkrebs. Der in diesem fiktiven Beispiel geschilderte Schaden addierte sich für den Verursacher, also der Bauhandwerkerbetrieb auf immerhin fast 15.000 Euro. Mit einer Betriebshaftpflichtversicherung können sich Unternehmen gegen solche Asbestschäden absichern; mitunter ist dafür ein spezieller Leistungsbaustein notwendig, was unbedingt zu prüfen ist.

Versicherer definieren Asbestschäden als Schäden, die durch als unkontrollierte Freisetzen von Asbestfasern, Asbeststaub oder anderen asbesthaltigen Stoffen entstehen. Dies ist typischerweise auf Baustellen der Fall, wenn Handwerker bei Sanierungsarbeiten aus Versehen auf asbesthaltige Produkte stoßen. Das kommt gar nicht so selten vor, denn jahrzehntelang gab es einen Asbest-Boom. Aufgrund seiner Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit und Robustheit gegen viele Chemikalien kam der mineralische Faserstoff in vielfältiger Weise zum Einsatz.

Vielfältige Verwendung

Weithin bekannt ist die Verwendung von Asbest in gewellten Faserzementplatten, die in den 1950er und 1960er Jahren häufig zum Eindecken von Gartenlauben und Fabrikhallen verwendet wurden. Vielfach unterschätzt wird die Verbreitung von Asbest in anderen Baumaterialen wie zum Beispiel in Außenverkleidungen, in der Dämmung von Öfen, in Bodenbelägen, Fensterbänken, Dichtungen, Kabelkanälen und eben auch als Ummantelung von Rohren. Kurzum: Asbestfasern können überall lauern. Einmal freigesetzt sind die Fasern nahezu unsichtbar und auf jeden Fall geruchslos. Das macht sie so heimtückisch. Im Extremfall ist eine Person dem Stoff jahrelang ausgesetzt und bemerkt dies erst wenn die Atemwege bereits schwer erkrankt sind. Dann könnte die Person von dem Bauhandwerker von damals, der den Asbestschaden verursacht hat, mitunter noch Schadensersatz verlangen.

Wegen dieser Risiken wurde die Verwendung von Asbest in Deutschland im Jahr 1993 verboten. Eine Pflicht zum Rückbau oder Austausch von asbesthaltigen Produkten existiert allerdings nicht. Daher ist der Stoff heute noch in vielen älteren Gebäuden verbaut beziehungsweise in Bauteilen enthalten. Solange die Fasern nicht freigesetzt werden, ist das unbedenklich. Wenn allerdings ein Installateur mit der Flex versehentlich eine Asbestummantelung zerstört und bearbeitet, ist der Schaden da. Bauhandwerker sollten sich daher gegen Asbestschäden versichern.

* Name frei erfunden, fiktives Beispiel