Krankenzusatzversicherungen: Selten so gut vermittelbar wie heute

Julia Thiem Vorsorge Berater

Durch die steigenden Beitragsbemessungsgrenzen ist die private Krankenvollversicherung für den Großteil der Deutschen außer Reichweite. Auf eine optimale Absicherung wollen dennoch die wenigsten verzichten. Auch deshalb erleben Zusatzversicherungen seit Jahren einen Nachfrageboom.

Für alle „Normalverdiener“ bieten sich ausgewählte Zusatzversicherungen an – um im Zweifel keine Abstriche bei der Gesundheit machen zu müssen. Daher erfahren diese seit Jahren einen Boom. Bild: Adobe Stock/linaskk

Für alle „Normalverdiener“ bieten sich ausgewählte Zusatzversicherungen an – um im Zweifel keine Abstriche bei der Gesundheit machen zu müssen. Daher erfahren diese seit Jahren einen Boom. Bild: Adobe Stock/linaskk

Sie steigt und steigt – die Beitragsbemessungsgrenze für die GKV. Für dieses Jahr liegt sie aktuell bei 58.050 Euro pro Jahr oder 4.837,50 Euro pro Monat. Die Versicherungspflichtgrenze in der GKV liegt 2021 sogar bei mittlerweile 64.350 Euro pro Jahr oder 5.362,50 Euro pro Monat.

Dem gegenüber steht das Durchschnittsgehalt der Deutschen, das 2020 laut Zahlen des statistischen Bundesamts bei 3.975 Euro brutto im Monat lag. 2019 lag der Wer bei 3.994 Euro – Sonderzahlungen immer ausgeklammert. Allerdings verzerren die Ausreißer nach oben das Durchschnittsgehalt deutlich. Denn das Monatsbrutto von rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland liegt unter dem oben genannten Schnitt. Nur etwa ein Drittel gehört zu den Besserverdienen, die den Schnitt in die Höhe treiben und damit beispielsweise auch die Möglichkeit haben, eine private Krankenvollversicherung abzuschließen.

Gute Gesundheitsleistungen keine Frage des Gehalts

Dabei ist Gesundheit und alles, was auf ihre Erhaltung einzahlt, keine Frage des Gehalts, wie Zahlen des Digitalverbands Bitkom zeigen: Allein in Deutschland sind demnach 15.000 Apps zum Thema Gesundheit verfügbar und auch die Downloadzahlen steigen rasant. Egal ob für die Unterstützung bei Abnehmen oder bei den eigenen Fitnesszielen, zur Überwachung wichtiger Vitaldaten oder als Hilfe bei einem achtsamen Lebensstil – Apps, die dafür sorgen, dass man bessere Gesundheitsentscheidungen trifft, stehen hoch im Kurs. Und zwar unabhängig vom Einkommensniveau.

Das erklärt, warum Krankenzusatzversicherungen immer beliebter werden. Denn wenn zwei Drittel der Deutschen ob der hohen Beitragsbemessungsgrenze keine private Krankenversicherung abschließen können, wollen sie doch in ausgewählten Bereichen im Fall der Fälle auf eine bestmögliche Versorgung zurückgreifen können. Und diesen Zugang bekommen sie über Zusatzversicherungen.

Vom Chefarzt bis zur Komplementärmedizin

Vor allem jene Leistungen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen werden, stehen dabei bei Kunden hoch im Kurs. Denn wer bereit ist, für die eigene Gesundheit viel zu tun, will im Krankheitsfall die beste Behandlung, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Daher sind vor allem Besserstellungen wie Zwei-Bett-Zimmer oder Chefarztbehandlung im Krankenhaus gefragt. Aber auch alternative Methoden wie beispielsweise die Osteopathie bei Problemen des Bewegungsapparats ergänzen das neue Gesundheitsbewusstsein der Deutschen optimal.

Das belegen auch die aktuellsten Zahlen des PKV-Marktes aus 2019, wonach knapp 26,7 Millionen Zusatzversicherungen abgeschlossen wurden – rund 600.000 mehr als im Vorjahr. Hier dürfen wir gespannt sein, wie sich dieser Trend entwickelt. Denn Experten – unter anderem vom Zukunftsinstitut, die den Megatrend Gesundheit seit vielen Jahren genau beobachten – gehen davon aus, dass sich das Bewusstsein für und die Nachfrage nach ganzheitlichen und umfassenden Gesundheitsleistungen noch einmal verstärken wird. Und eine gezielte Absicherung gehört hier definitiv dazu.