Von den Nachbarn lernen, heißt Umsatz steigern

René Weihrauch Gesundheit 3.0 Berater

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens einen der hinteren Plätze. Was andere Länder beim Thema E-Health besser machen und was das für Ihre Beratung bedeutet, lesen Sie hier.

E-Health verspricht Maklern neues Vertriebspotenzial: Wie halten es unsere Nachbarn? Bild: Adobe Stock/terovesalainen

E-Health verspricht Maklern neues Vertriebspotenzial: Wie halten es unsere Nachbarn? Bild: Adobe Stock/terovesalainen

Immerhin: Experten wie der Fachjournalist Thorsten Riedl sehen so etwas wie Licht am Ende des Tunnels. „Spätestens Anfang 2022 bekommt das Thema E-Health einen ordentlichen Schub“, schrieb Riedl im Frühjahr in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“. Grund für diesen Optimismus: Zu diesem Zeitpunkt soll das digitale Rezept bei verschreibungspflichtigen Medikamenten Standard werden. Ein wichtiger Schritt, den andere Länder allerdings längst vollzogen haben. Im Vergleich mit ihnen wird Deutschland aber nun zumindest etwas aufschließen.

„Deutschland bei E-Health noch Entwicklungsland“

Das ist auch bitter nötig. Denn als die Bonner Forschungsgesellschaft „empirica Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung“ 2019 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersuchte, wie weit 17 unterschiedliche Staaten bei der Digitalisierung ihres Gesundheitswesens sind, landete Deutschland auf dem vorletzten Platz. Nur Polen war noch schlechter.

Zwar ist seitdem einiges passiert. Nach Ansicht namhafter Fachleute aber noch zu wenig. So bezeichnet der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, Deutschland gern mal als „Entwicklungsland“, wenn es um E-Health geht. Was andere Länder besser machen, zeigt die Bertelsmann-Studie im Detail auf.

Ganz vorn im Digital-Health-Ranking landeten Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien, wobei Estland die Rangliste mit deutlichem Vorsprung anführt. „E-Rezept, elektronische Patientenakten und ein nationales Gesundheitsportal gehören längst zum Alltag der estnischen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Möglich mache das eine nationale Infrastruktur, die alle digitalen Gesundheitsdienste integriere und den Zugang zu allen Patientendaten bündele.

Oft bestehen noch Datenschutzbedenken

In Deutschland steht einer solchen Entwicklung neben Datenschutzbedenken auch eine gewisse digitale Grundskepsis entgegen. Anders als etwa in Dänemark: „Die dänische Bevölkerung hat eine positive Einstellung gegenüber digitalen Diensten. Das ist eine gute Voraussetzung für das Voranschreiten von Digital Health“, so der Bertelsmann-Länderbericht zu unseren nördlichen Nachbarn. Als weiteren wichtigen Erfolgsfaktor nennt er die Existenz eines nationalen Gesundheitsportals (sundhet.dk).

Auch ein Blick nach Übersee lohnt sich: Kanada, auf Platz 2 des Digital-Health-Rankings, hat vor allem bei der Koordination zwischen zentralstaatlichen Instanzen und den einzelnen Provinzen eine gute Lösung gefunden: „Dreh- und Angelpunkt der Finanzierung ist ein zentrales Koordinationsorgan, das Agenden festlegt, die Investitionen für Digital Health verteilt und eng mit den Provinzen zusammenarbeitet. Eine erfolgreiche Herangehensweise“, so das Studienergebnis.

Noch einmal zum Thema elektronische Patientenakte: Hier haben einige Länder, zum Beispiel Belgien, gute Erfahrungen mit einer „Patientenkurzakte“ gemacht. Auch wenn das Land insgesamt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens noch hinter anderen Ländern zurückliege, sei diese Version der E-Akte doch erfolgreich.

Etwas überraschend kommt die ansonsten als modern geltende Schweiz im Ranking nur auf einen der hinteren Ränge. Den Grund sehen die Forscher hauptsächlich im starken Föderalismus, der die Entwicklung erschwere. Mit ganz vorn dabei ist dagegen Israel. Einer der Gründe: Dort hat die Digitalisierung im Gesundheitswesen schon vor mehr als 20 Jahren begonnen – zu einer Zeit, als in Deutschland noch kaum in solchen Kategorien gedacht wurde.