Gesundheit: Mehr Vermittlungserfolg & Kunden durch Digitalisierung?

René Weihrauch Gesundheit 3.0 Berater

Von fehlenden Pflegekräften bis zum Ärztemangel auf dem Lande: Probleme gibt es im deutschen Gesundheitswesen genug. Welche Lösungen kann die Digitalisierung bringen? Wird das Gesundheitssystem dadurch gerechter, demokratischer und günstiger? Hier ein Überblick über die Lage

Gesundheit: Mehr Vermittlungserfolg & Kunden durch Digitalisierung? Bild: Adobe Stock/Alexander Limbach

Zug um Zug hält die Digitalisierung im Gesundheitswesen Einzug. Doch was heißt das konkret für die Beratung? Bild: Adobe Stock/Alexander Limbach

Die Zukunft hat schon begonnen: Digitale Technologien krempeln bereits seit einigen Jahren das Gesundheitswesen in Deutschland um. Telemedizin, elektronische Krankenakte, Gesundheits-Apps und neue (Kommunikations-)Strukturen zwischen Ärzten und Krankenhäusern sind einige Beispiele, die diesen Trend belegen. Experten glauben, dass dies auch bitter nötig ist. Denn Zahlen und Fakten zeigen die Probleme im medizinischen Sektor deutlich auf.

So ergab eine Studie der großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) mit Sitz in Frankfurt/Main, dass im deutschen Gesundheitswesen bis 2030 mindestens 400.000 Vollzeitkräfte fehlen werden. Der Fachkräftemangel sei aber bereits jetzt zu spüren, so die PwC-Autoren – etwa dadurch, „dass niedergelassene Ärzte sich zu wenig Zeit nehmen und Patienten zu lange auf einen Facharzttermin warten müssen“.

Ein Lösungsansatz: „Digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz oder robotergestützte Assistenzsysteme tragen dazu bei, dass Ärzte und Pflegekräfte deutlich entlastet werden, etwa bei administrativen Tätigkeiten und der Dokumentation, aber auch in der Diagnostik und bei alltagspraktischen Tätigkeiten.“

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

„Künstliche Intelligenz, kurz: KI, kann die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessern“, heißt es auch von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums. So könne KI zum Beispiel Ärzten helfen, schneller eine Diagnose zu erstellen, etwa bei seltenen Erkrankungen. „Es geht nicht darum, das ärztliche Personal zu ersetzen, sondern dabei zu unterstützen, schneller und präziser zu behandeln. Dann bleibt am Ende mehr Zeit für das persönliche Gespräch“, so eine Mitteilung des Ministeriums.

Für einen gerechteren Zugang zu medizinischer Versorgung kann vor allem die Tele-Medizin beitragen. Seit der Deutsche Ärztetag 2018 das Fernbehandlungsverbot lockerte, können Online- und Videosprechstunden jetzt grundsätzlich auch dann durchgeführt werden, wenn es zuvor keinen persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient gab. Das erleichtert es vor allem Menschen in ländlichen Gebieten, ärztliche Versorgung unkompliziert und ohne lange Anfahrtswege in Anspruch zu nehmen.

Im Gesundheitsministerium glaubt man, wichtige Weichen für die Vorteile der Digitalisierung gestellt zu haben und nennt in diesem Zusammenhang unter anderem den Zugang zu digitalen Gesundheitsanwendungen („App auf Rezept“), die bereits erwähnte Telemedizin oder die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA). Letztere wurde zum 1. Januar 2021 eingeführt und soll nach einer Testphase in vollem Umfang zur Verfügung stehen.

Die Initiatoren versprechen sich davon Verbesserungen in der Patientenversorgung und auch eine Art „Demokratisierung“ des bestehenden Systems. Denn zum einen ermöglicht es die ePA, Daten wie Medikationspläne oder Notfallinformationen zu speichern und den jeweiligen Arzt unverzüglich darüber zu informieren. Und: „Patientinnen und Patienten können ihre Daten künftig auch außerhalb der Arztpraxis eigenständig einsehen, zum Beispiel übers Smartphone. Sie sind damit über Diagnose und Therapie viel genauer und umfassender informiert und können besser als bisher über ihre Gesundheit mitentscheiden“, verlautet es aus dem Gesundheitsministerium.

Experten: Deutschland hinkt international noch hinterher

Wie geht es nun weiter? Während die Bürgerinnen und Bürger Deutschland in puncto Digitalisierung des Gesundheitswesens bereits recht gut aufgestellt sehen (so äußerten sich in einer Umfrage 61 Prozent der Befragten), kritisieren Fachleute, dass es hierzulande zu langsam geht: „Viele Chancen digitaler Technologien werden in Deutschland noch nicht genutzt, während in anderen europäischen Ländern Telemonitoring, Video-Sprechstunden und elektronische Patientenakten längst Standard sind“, meinen zum Beispiel die PwC-Experten. Bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens hat Deutschland im internationalen Vergleich hat Deutschland also noch einiges an Aufholbedarf.