PKV: Digitalisierung per Gesetz? Diese 5 Abkürzungen sollten Sie auf dem Schirm haben

Julia Thiem Gesundheit 3.0 Berater

Jens Spahn muss sich dieser Tage sicherlich viele Namen gefallen lassen. Was dabei untergeht: Er hat sich in seiner Amtszeit als „Digitalminister“ etabliert. Denn seine Behörde hat in den vergangenen Jahren einige neue Digitalgesetze und -initiativen auf den Weg gebracht. Die wichtigsten fünf, inklusive Abkürzungen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

PKV: Digitalisierung per Gesetz? Bild: Adobe Stock/iconimage

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems bringt viele neue Fachbegriffe mit sich. procontra verschafft Ihnen einen Überblick. Bild: Adobe Stock/iconimage

Los ging es mit der ambulanten Versorgung. Hier war das Ziel, mit Hilfe der Telematikinfrastruktur niedergelassene Ärzte miteinander zu vernetzen. Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass die elektronische Patientenakte überhaupt umgesetzt werden kann. Da das deutsche Gesundheitswesen aber aus weiteren Säulen, beispielsweise dem stationären Bereich, besteht, ist die logische Konsequenz auch hier aufzuholen und die Digitalisierung voranzutreiben. Das passiert derzeit mit dem KHZG. Und um einheitliche Schnittstellen bei all diesen Digitalisierungsvorhaben zu gewährleisten, gibt es das IsiK-Verfahren. Verwirrt? Mit diesem Glossar manövrieren wir Sie sicher durch den Abkürzungsdschungel der digitalen Gesundheitsversorgung.

Telematikinfrastruktur, kurz TI

Im Prinzip kann man sie mit den deutschen Autobahnen vergleichen, die die großen Städte als Knotenpunkte miteinander verbinden. Genau diese Aufgabe soll die Telematikinfrastruktur übernehmen und eine schnelle und sichere Kommunikation zwischen Ärzteschaft, Psychotherapeuten, Kliniken und anderen Akteuren des Gesundheitswesens ermöglichen. Übergeordnetes Ziel der TI: Medizinische Informationen, die für die Behandlung von Patientinnen und Patienten benötigt werden, sollen schneller verfügbar sein. Damit ist die TI auch Voraussetzung für die elektronische Patientenakte, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, eAU, oder das elektronische Rezept.

Elektronische Patientenakte, ePA

Sie soll zum zentralen Element einer vernetzten Gesundheitsversorgung werden, die ePA. Statt wie bisher zig verschiedene Akten zu ein und demselben Patienten an verschiedenen Stellen zu führen, sollen alle Information– sei es aus einer Klinik, vom Hausarzt oder von der Spezialistin – hier zusammenfließen. Vor allem die Patientinnen und Patienten profitieren: Therapiepläne, Behandlungsberichte, Medikation, Aufnahmen der bildgebenden Verfahren, Arztbriefe findet man seit Januar dieses Jahres in der ePA. Denn seitdem stellen Krankenkassen ihren Versicherten die ePA zur Verfügung. Seit Juli müssen auch alle Vertragsärzte und -psychotherapeuten die ePA lesen und befüllen können.

Kommunikation im Medizinwesen, KIM

Manche Experten bezeichnen KIM als echten „Game Changer“. Denn mit dem neuen Dienst können Ärzte aus ihrem Primärsystem heraus sicher Patientendaten elektronisch austauschen. Darüber hinaus wird durch KIM gewährleistet, dass auf der jeweils anderen Seite auch tatsächlich ein Arzt oder eine Ärztin sitzt. Ein weiterer Clou: Erstmals sind alle Niedergelassenen in Deutschland über KIM registriert. Es ist das erste Mal, dass jede Ärztin und jeder Arzt in einem übergreifenden Adressverzeichnis zu finden ist und man mit ihr oder ihm auch noch direkt und digital kommunizieren kann. Außerdem ist KIM die Grundvoraussetzung für die eAU, die ab dem 1. Oktober 2021 das Muster 1 ersetzt. Oder anders ausgedrückt: Ab Oktober müssen Praxen die Krankschreibungen elektronisch an die Krankenkassen versenden.

Krankenhauszukunftsgesetz, KHZG

Im Prinzip verbirgt sich hinter dem KHZG ein Investitionsprogramm für die Digitalisierung von Kliniken und Krankenhäusern in Deutschland. Insgesamt 4,3 Milliarden Euro stellen Bund und Länder mit dem KHZG für diese Mamutaufgabe zur Verfügung. Das KHZG regelt mit sogenannten Muss- und Kann-Kriterien und insgesamt elf Fördertatbeständen genau, in welche Projekte die beantragten Gelder fließen dürfen – beispielsweis in Patientenportale, die die digitale Kommunikation zwischen Klinik, Ärzteschaft und Patienten effizienter gestalten. Noch bis Ende des Jahres können die Länder Förderanträge für ihre Kliniken stellen. Besonders am KHZG: Der Digitalisierungsgrad der Kliniken wird vor und nach der Förderung (2025) gemessen. Ohne einen höheren Digitalisierungsgrad riskieren Kliniken dann einen Abschlag in der Vergütung.

Interoperabler Datenaustausch durch Informationssysteme im Krankenhaus, IsiK

Und dann ist da noch der Datenaustausch. Das Problem: Sowohl niedergelassene Ärzte als auch Kliniken verfügen bereits über IT-Systeme, Primärsysteme genannt. Hier fließen in der Regel die Daten zusammen. Wenn nun durch die verschiedenen Digitalisierungsinitiativen des Gesetzgebers neue Systeme hinzukommen – beispielsweise ein Patientenportal – sind offene Schnittstellen elementar für die Interoperabilität der verschiedenen Systeme. Denn wenn die nicht miteinander kommunizieren und Daten austauschen, wird es mit zunehmender Digitalisierung nicht einfacher, nur komplizierter. Um hier einheitliche Standards zu setzen, wurde IsiK ins Leben gerufen. Ziel ist es, rechtsverbindliche Standards und Spezifikationen für alle Komponenten und Dienste zu definieren, die in der Telematikinfrastruktur verwendet werden.

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