Mehr Digitalisierung bitte! Warum das auch ein Thema für Vermittler ist

Gesundheit 3.0 Julia Thiem Berater Versicherungen von Julia Thiem

Der Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser ist nur so lala, sollte aber deutlich höher sein, finden die Deutschen, wie eine aktuelle Studie nun bestätigt. Der Druck steigt, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben – nicht zuletzt durch die Pandemie.

Digitalisierung Bild: Adobe Stock/Luis Louro

Digitalisierung im Gesundheitswesen nimmt auch im Vertrieb eine immer größer werdende Rolle ein. Bild: Adobe Stock/Luis Louro

Quizfrage: Ihr Kunde wurde von seinem Hausarzt zu einem Spezialisten überwiesen. Sagen wir, zu einem Neurologen, weil ihr Kunde immer wieder Ausfallerscheinungen im Bewegungsablauf haben. Nach der Untersuchung im Ärztezentrum wird er direkt weiter zur stationären Aufnahme in die Klinik vor Ort geschickt, wo die diagnostizierte Spinalkanalverengung so schnell wie möglich operieren werden soll.

Wo auf dieser Patientenreise befindet sich wohl Ihre Patientenakte? Die Antwort: Überall! Denn auf jeder einzelnen Station dieser Reise als Patient oder Patientin wird eine neue Akte angelegt. Der Austausch zwischen den Medizinern der einzelnen Stationen findet lediglich über Berichte und Arztbriefe statt.

Ist das noch zeitgemäß? Nein, wenn man den aktuellen Studienergebnissen der Asklepios Kliniken Glauben schenken darf. Demnach stehen „Papiere“ nämlich ganz oben auf der Digitalisierungs-Wunschliste der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger: Je 71 Prozent wünschen sich Rezepte, die in Echtzeit an Apotheken übermittelt werden, und elektronische Dokumente wie Impfpass, Mutterpass oder Organspendeausweis. Mit 70 Prozent steht auch die digitale Patientenakte ganz oben auf der Agenda.

Corona als Digitalisierungsturbo

„Spätestens die Corona-Pandemie hat den Menschen in Deutschland die Dringlichkeit der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen deutlich gemacht und zugleich ihre Möglichkeiten aufgezeigt“, sagt Marco Walker, Chief Operating Officer (COO) der Asklepios Kliniken Gruppe und im Vorstand für die Digitalisierung verantwortlich.

Während 73 Prozent der Befragten den Digitalisierungsgrad der deutschen Krankenhäuser als „mittel“ einschätzen, sind zugleich 60 Prozent überzeugt, er solle für eine optimale Versorgungsqualität „hoch“ sein. „Immerhin erkennt über die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger den Bedarf, die Digitalisierung auszubauen“, so Walker weiter.

Bei der Frage, welche digitalen Angebote genutzt werden würden, steht die Terminvereinbarung beim Arzt, unabhängig von den Sprechzeiten in der Praxis, mit 59 Prozent ganz oben. Dann folgen Notfallfunktionen, die die Familie informieren (58 Prozent) und solche, die einen Rettungsdienst automatisch informieren (57 Prozent).

Exakt die Hälfte der Befragten würde eine kontinuierliche Überwachung und Kontrolle von kritischen Werten bei entsprechenden Gesundheitsproblemen wie Blutzucker oder Bluthochdruck nutzen. 45 Prozent würden sich an die Einnahme von Medikamenten erinnern lassen – darunter erstaunlich viele jüngere Menschen. Den Blutdruck, Blutzucker oder andere Vitalwerte zu Hause messen und dann automatisch an den Arzt oder die Ärztin übermitteln, damit sind auch noch 45 Prozent der Befragten fein. Und 40 Prozent freuen sich über medizinischen Rat durch eine Gesundheits-App, unabhängig von den Sprechzeiten einer Arztpraxis.

Digital liegt im Trend

Was die Ergebnisse eindeutig unterstreichen: Die Akzeptanz digitaler Lösungen steigt auch im Gesundheitswesen – vor allem dann, wenn die direkten Vorteile für die Patientinnen und Patienten offensichtlich sind. So betonen beispielsweise auch 64 Prozent der Befragten die einfache Nutzung digitaler Gesundheitstools als einen solchen Vorteil.

63 Prozent finden, dass man den eigenen Gesundheitszustand selbst besser einschätzen kann und ebenso viele erhoffen sich Hilfe, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen. 62 Prozent sehen darin eine Unterstützung, den Arzttermin effizienter zu gestalten, und 59 Prozent wollen sich damit besser auf den Arztbesuch vorbereiten.

Paradigmenwechsel im Vertrieb

Und Vermittler? Die sollten wissen, dass die Digitalisierung Ansprüche der Kunden an Dienstleistungen und Services verändert hat und darauf reagieren. Denn positive Erfahrungen in der digitalen Welt erzeugen eine hohe Erwartungshaltung an Angebote auf dem Gesundheitsmarkt.

Kunden erwarten zunehmend schnelle, unbürokratische, individuelle und umfassende Lösungen. Mit digitalen Lösungen und Angeboten können Neukunden gewonnen, aber Bestandskunden abgeholt werden, die von diesen Services profitieren. Es erschließen sich neue Zielgruppen.  

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