Berufsunfähigkeitsversicherungen: Was taugen Teilzeitklauseln?

Berufsunfähigkeit Berater von Sabine Groth

Teilzeitklauseln sollen regeln, wie Teilzeit bei der Feststellung von Berufsunfähigkeit berücksichtigt wird. Ein Branchenstandard ist hier absolut nicht zu erkennen. Jede Klausel muss einzeln und abgestimmt auf den Kunden bewertet werden.

Teilzeitklausel Bild: Adobe Stock/SerPhoto

Bei Teilzeitklauseln hat sich bsilang kein Branchenstandard entwickelt. Entsprechend gilt es für Makler, genau zu prüfen. Bild: Adobe Stock/SerPhoto

Wer hat's erfunden? Der Versicherungsmakler und BU-Spezialist Matthias Helberg gesteht dies der Württembergischen zu, die im Frühsommer 2019 eine Formulierung zum Thema Teilzeit in ihren BU-Vertrag aufnahm. Oder war es Condor, die fast zeitgleich verkündete „als erster Versicherer in Deutschland eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit einer umfassenden Teilzeitklausel“ anzubieten?

Wer nun der eigentliche Erfinder der Teilzeitklausel war, ist ja letztlich auch egal. Wichtiger ist, dass seitdem diverse Anbieter nachgezogen sind und das Thema der „Teilzeitfalle“ in der BU in ihren Vertragsbedingungen aufgreifen.

Der Hintergrund: Versicherte, die in Teilzeit arbeiten, haben es tendenziell schwerer an BU-Leistungen zu kommen. Bei der quantitativen Bewertung der Berufsunfähigkeit wird geprüft, wie viel Stunden der Versicherte noch arbeiten kann. Üblicherweise leistet der Versicherer ab einer 50-prozentigen Einschränkung. Wer also einen 40-Stunden-Job hat, aber nur noch 15 Stunden die Woche arbeiten kann, ist auf der sicheren Seite. Wer jedoch seinen Job auf wöchentlich 20 Stunden reduziert hat, etwa weil er sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern muss, erreicht mit einer Einschränkung, die ihm nur noch 15 Stunden Arbeit pro Woche ermöglicht, die 50-Prozent-Marke nicht.

Vor allem Frauen arbeiten in Teilzeit

Dieser Missstand ist nicht neu, mit der zunehmenden Teilzeitbeschäftigung gewinnt er jedoch an Brisanz. Vor allem Frauen sind betroffen. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2020 rund 22 Prozent der Erwerbstätigen weniger als 30 Stunden die Woche, bei Frauen liegt der Anteil bei 36 Prozent.
Auch wenn Teilzeitklauseln grundsätzlich als Bereicherung gewertet werden, gibt es viel Kritik an den einzelnen Formulierungen und deren Auslegungsmöglichkeiten. Von einem Standardtext ist die Branche weit entfernt – und auch von einem gemeinsamen Ziel, was die Teilzeitklausel überhaupt erreichen soll. Helberg warnt daher davor, allein das Vorhandensein einer Teilzeitklausel als positiv zu werten. Sie könne sich in bestimmten Fällen sogar negativ auswirken.

Der Makler hat die Klauseln von 14 Anbietern unter die Lupe genommen, die Unterschiede sind frappant. Ein Ansatz ist es, nicht die Teilzeit, sondern eine vorherige Vollzeitbeschäftigung als maßgeblich für den Leistungsfall anzusehen. Dies kann aber unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen erfolgen. Zum Beispiel kann es eine Rolle spielen, warum die Reduzierung erfolgte und wie lange schon Teilzeit gearbeitet wird. Andere wollen bei der Berechnung der Arbeitsstunden Kinder- und Angehörigenpflege oder Hausarbeit mit einbeziehen. Die einen berücksichtigen Selbstständige in der Teilzeitklausel, andere schließen sie gezielt aus. Insgesamt hält Helberg die Klauseln noch für relativ unausgegoren.

Gefahr der Teilzeitfalle übertrieben?

Auch Guido Lehberg, der sich ebenfalls auf BU-Versicherungen spezialisiert hat, kann keinen Favoriten unter den Klauseln ausmachen. Dazu seien sie einfach zu unterschiedlich, schreibt er auf seinem Blog "Der BU-Profi". Er hält allerdings auch die Gefahr der so genannten Teilzeitfalle für übertrieben und verweist auf ein Urteil des OLG Nürnberg vom 30.11.2015. Das Gericht entschied, dass bei der Klägerin trotz einer vorübergehenden Reduzierung der Arbeitszeit die vorige Vollzeittätigkeit ausschlaggebend ist für die Bewertung der Berufsunfähigkeit.

Teilzeitklauseln sind dennoch nicht überflüssig. Schließlich könnten sie solche Fälle vorab klar regeln und Gerichtsverfahren vermeiden.