„Erst Nachversicherungen ermöglichen, dass der BU-Vertrag langfristig bedarfsgerecht bleibt“

Berufsunfähigkeit Berater von Sabine Groth

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Lebensumstände. Damit die finanzielle Absicherung gegen Berufsunfähigkeit stets passt, gibt es Nachversicherungsgarantien in BU-Verträgen. Worauf dabei zu achten ist, erklärt der auf BU spezialisierte Versicherungsmakler Torsten Breitag.

Torsten Breitag. Bild: Sebastian Berger

Um auf wechselnde Lebensumstände reagieren zu können, rät Makler Torsten Breitag, auf Nachversicherungsgarantien zu achten. Bild: Sebastian Berger

procontra: Wie unterscheiden sich die die Nachversicherungsgarantien der Versicherer?

Torsten Breitag: Es gibt sehr unterschiedliche Spielregeln. Ich spreche daher auch lieber von Nachversicherungsoptionen. Ein wichtiger Faktor ist, ob nur auf eine erneute Gesundheitsprüfung verzichtet wird oder auf eine erneute Risikoprüfung. Wird nur auf die Gesundheitsprüfung verzichtet, kann der Kunde beispielsweise trotzdem auf Beruf, Hobbys oder Rauchverhalten zum Zeitpunkt der Nachversicherung geprüft werden.

procontra: Welche weiteren Unterschiede gibt es?

Breitag: Viele bieten nur eine belastbare ereignisabhängige Nachversicherung, etwa bei Geburt oder Adoption eines Kindes, Heirat, Hausbau oder beruflicher Weiterentwicklung mit Gehaltserhöhung. Ereignisunabhängige Optionen sind oft stärker begrenzt, zum Beispiel in der Höhe. Dies ist ein weiterer Unterschied: Wie stark kann nachversichert werden? Es gibt beispielsweise absolute oder prozentuale Vorgaben – allerdings immer nur bis zu einer Nachversicherungsobergrenze. Diese hat sich seit 2003/04 im Markt bei 2.500 Euro etabliert. Seitdem hat sich da trotz Inflation nicht mehr viel getan. Es gibt einige Versicherer, die darüber hinaus gehen, aber in Verbindung mit noch engeren Spielregeln.

procontra: Mit der Nachversicherung steigen die Beiträge. Wie werden diese kalkuliert?

Breitag: Wenn der Vertrag keine neue Risikoprüfung verlangt und keine weitere Einschränkung besteht, bleibt es bei der ursprünglichen Berufsgruppe. Ansonsten können sich schon aufgrund des aktuell ausgeübten Berufes die Konditionen verändern. Zweiter Faktor ist das Alter. Je älter ich bin, desto weniger BU-Rente bekomme ich pro Euro. Drittens ist entscheidend, ob innerhalb des Vertrags oder mit einem neuen und eigenständigen Vertrag nachversichert wird. Bei Nachversicherung im bestehenden Vertrag gilt der Rechnungszins des ursprünglichen Vertrags. Gibt der Versicherer jedoch einen neuen Vertrag für die Nachversicherung aus, gilt beispielsweise der dann gültige Rechnungszins. Ist dieser ab 2022 niedriger, wirkt sich dies gerade für jüngere Kunden mit längeren Laufzeiten nachteilig auf die Prämie aus.

procontra: Wo treten aus Ihrer Erfahrung insbesondere Unstimmigkeiten mit dem Versicherer auf?

Breitag: Das größte Problem ist die Anrechenbarkeit von Einkommen. Im Marktdurchschnitt gilt als wirtschaftlich angemessene BU-Absicherung maximal 60 Prozent des Bruttoeinkommens. Die meisten Versicherer stellen dabei auf das Fixum ab. Zusätzliche Einkommensbestandteile, egal ob flexibel oder arbeitsvertraglich geregelt, werden häufig nicht anerkannt.

procontra: Wie wichtig ist für Sie die Nachversicherungsoption bei der Bewertung eines BU-Vertrags?

Breitag: Das ist für mich eine der wichtigsten Regelungen. Denn sie entscheidet darüber, wie der Vertrag über 30 oder 40 Jahre bedarfsgerecht gehalten werden kann. Grundsätzlich lässt sich aber nicht pauschal urteilen, welches Angebot besser oder schlechter ist. Das ist sehr individuell und situationsabhängig.

procontra: Ersetzt die Nachversicherung die Beitragsdynamik?

Breitag: Die beiden haben zwei völlig verschiedene Aufgaben. Die Beitragsdynamik soll stetig der Inflation entgegenwirken und die Kaufkraft der BU-Rente erhalten. Eventuell lassen sich über eine hohe Dynamikrate noch stete Gehaltanpassungen ausgleichen. Beitragsdynamik kann aber nicht größere Karrieresprünge oder einen erheblich gestiegenen Absicherungsbedarf auffangen. Dafür brauche ich die Nachversicherung. Denn mit Beitragsdynamiken steigt die BU-Rente nur über längere Zeiträume merklich an.