Was Makler über Berufsunfähigkeit wissen sollten

Arbeitskraftabsicherung Berater von Sebastian Wilhelm

Die wenigsten Kunden halten sich selbst für gefährdet, einmal berufsunfähig zu werden. Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. Der procontra-Überblick fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, mit denen Makler im Kundengespräch wirksam aufklären können.

Bei welchen Gruppen ist das statistische Risiko einer Berufsunfähigkeit besonders hoch? Ein Blick in die Statistiken bringt Rat.

Bei welchen Gruppen ist das statistische Risiko einer Berufsunfähigkeit besonders hoch? Ein Blick in die Statistiken bringt Rat. Bild: Adobe Stock/pio3

Dass die Absicherung der Arbeitskraft prinzipiell eine sinnvolle Sache ist, sehen die meisten Bundesbürger ein. Dennoch hat nur gut jeder vierte auch tatsächlich Vorsorge getroffen. Der Hauptgrund liegt darin, dass das eigene Risiko jeweils für geringgehalten wird, beispielsweise weil Berufsunfähigkeit eher mit körperlich strapaziösen Berufen assoziiert wird. Das ist jedoch eine Fehlannahme, wie die nackten Zahlen belegen. Im Folgenden finden Makler wichtige Daten für die BU- bzw. AKS-Beratung.

1. Statistisches Risiko

Rund ein Fünftel der Erwerbstätigen in Deutschland muss seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgeben. In absoluten Zahlen sind das circa 400.000 Rentenanträge wegen Berufsunfähigkeit und 350.000 wegen Erwerbsminderung Jahr für Jahr. Bei den Lebensversicherern gehen überdies jährlich rund 60.000 Anträge auf eine BU-Rente ein. Rund drei von fünf Antragsstellern sind männlich. Jeder 20. Antrag wird von einer unter 35-jährigen Person gestellt. Im Alter zwischen 35 und 50 Jahren beträgt das BU-Risiko rund 30 Prozent, danach bis zum 60. Lebensjahr 50 Prozent, anschließend sinkt es wieder (weil sich ein Antrag auf BU- oder Erwerbsminderungsrente dann meist nicht mehr lohnt).

2. Gründe für Berufsunfähigkeit

Laut einer kürzlich veröffentlichten Analyse des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bleiben psychische Leiden weiterhin mit Abstand der BU-Auslöser Nummer eins. 29 Prozent der BU-Leistungen entfallen auf diese Ursache, bei den Frauen sogar 34 Prozent (Männer: 26). Der Bewegungsapparat folgt mit 19, darauf Krebserkrankungen mit 18 Prozent. Unfälle sind für weniger als jeden zehnten BU-Fall verantwortlich (9 Prozent). Die Liste komplettieren Erkrankungen des Nervensystems (7 Prozent) und des Herz-Kreislauf-Systems (6), alle weiteren Leiden summieren sich auf 12 Prozent.

3. Leistungen des Staates

Viele Kunden verlassen sich auf Vater Staat, wenn es um die BU-Absicherung geht. Im Falle des Falles bedeutet das aber ein böses Erwachen: Selbst bei voller Erwerbsunfähigkeit – wenn weniger als drei Stunden täglich gearbeitet werden kann – werden nur maximal 34 Prozent des letzten Bruttogehalts ausgezahlt. Das reicht in aller Regel nicht einmal, um die Armutsgrenze zu überschreiten. Wer drei bis sechs Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen kann, erhält die halbe Erwerbsminderungsrente, die kaum mehr als ein Handgeld ist.

4. Gefährdete Berufsgruppen

Nachdem lange Zeit allein der Anteil und die Schwere körperlicher Verrichtungen bei der Risikoeinschätzung im Vordergrund standen, haben die Versicherer ihre Risikoklassen-Zuordnung an die Realität angepasst. Und die zeigt: Aufgrund der psychischen Belastungen können auch akademische Berufe riskant sein. Das klassische Beispiel bilden Lehrer, die nun wegen ihres erhöhten BU-Risikos üblicherweise der Risikogruppe 3 zugeordnet werden, wie auch Erzieher, Veterinäre oder Energieberater. Am gefährlichsten – und damit nicht oder nur mit Zuschlägen versicherbar – sind die Berufe der Risikogruppen 5 bzw. 6: Pilot, Profisportler, Dachdecker, Tätowierer, Musiker etc. Das zweithöchste Risiko (Risikogruppe 4) haben beispielsweise Landwirte, Krankenschwestern und -pfleger, Grafiker oder Köche. Als risikoarm gelten reine Büroberufe wie Architekten, Anwälte oder Unternehmensberater (Risikogruppe 1), mit Einschränkungen auch Chemiker, Zahntechniker oder Bauzeichner (Risikogruppe 2). 

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