Risikoabsicherung: Was den Deutschen wichtig ist

Martin Thaler Arbeitskraftabsicherung Berater

Die Deutschen gelten als überversichert – aber stimmt das überhaupt? Ein genauer Blick auf die Zahlen liefert Einblicke in das Absicherungsverhalten vieler Haushalte und lässt eine riskante Prioritätensetzung erkennen.

Die Deutschen setzten bei ihrem Versicherungsschutz oft die falschen Akzente.

Die Deutschen setzten bei ihrem Versicherungsschutz oft die falschen Akzente. Bild: Adobe Stock/Loïc Francois

Wenn es um die Frage geht, was den Deutschen im Leben wichtig ist, liegt die Antwort meist abgeheftet in einem dicken Ordner, tief vergraben in den Regalen des eigenen Arbeitszimmers: Viele Prioritäten lassen sich dem Versicherungsordner entnehmen, in dem die Menschen über die Jahre ihre Versicherungen abheften. Hier lässt sich tatsächlich ein Einblick darüber gewinnen, was die Deutschen als so wertvoll erachten, dass sie es absichern.

Häufig wird den Deutschen in Bezug auf ihren Versicherungsschutz eine Vollkasko-Mentalität unterstellt: 2.000 Euro gibt jeder Deutsche im Jahr laut Verbraucherschützern für seine Versicherungen aus. Abgesichert wird, was möglich ist – ob sinnvoll oder nicht ist erst einmal irrelevant. Doch stimmt diese Einschätzung überhaupt?

Es lohnt ein genauerer Blick: 2018 befragte das Statistische Bundesamt zuletzt 60.000 Haushalte zu ihrem Konsumverhalten – es ist die umfangreichste Befragung dieser Art in Deutschland. Diese Umfrage gibt auch einen aussagestarken Einblick über die Verbreitung der verschiedenen Versicherungsarten.

Nur ein Viertel der Haushalte mit BU-Versicherung

Die größte Verbreitung in Deutschland erfährt dabei die private Haftpflichtversicherung: Sie findet sich in 83 Prozent aller Haushalte. Das ist wenig überraschend: Schließlich ist das Risiko, einen Dritten erheblich zu schädigen, für jeden Menschen existenzbedrohend und sollte entsprechend abgesichert werden. Auch Kfz-Versicherungen (81 Prozent) sowie Hausratversicherungen (76 Prozent) sind weit verbreitet.

Weit seltener vorhanden sind hingegen Rechtsschutzversicherungen (46 Prozent) sowie private Unfallversicherungen (42 Prozent), die zumindest jedoch noch knapp in jedem zweiten deutschen Haushalt zu finden sind. Gerade einmal ein Viertel der Haushalte – 26 Prozent um genau zu sein – verfügt zudem über Berufsunfähigkeitsversicherung – nur die Risikolebensversicherung findet sich in noch weniger Haushalten (17 Prozent).

An dieser Stelle lässt sich die Risikoneigung der Deutschen dann doch hinterfragen. Eine Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung ist sicherlich keine falsche Entscheidung – schließlich können Einbrüche oder langwierige Rechtsstreitigkeiten ärgerliche und kostspielige Angelegenheit sein. Das finanzielle Risiko hieraus steht jedoch in keinem Verhältnis zu dem der Berufsunfähigkeit.

Ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend

95.000 Einbrüche zählten die deutschen Versicherer im Jahr 2019. Insgesamt 300 Millionen Euro zahlten die Versicherer an ihre Kunden aus. Der Durchschnittsschaden lag bei 3.200 Euro. Ärgerlich? Sicher. Aber auf keinen Fall existenzbedrohend.

Ganz anders sieht es bei der Absicherung der eigenen Arbeitskraft aus. Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) haben errechnet, dass ein Beschäftigter in seinem Berufsleben – je nach Bildungsabschluss – zwischen einer und 2,3 Millionen Euro verdient. Die eigene Arbeitskraft hat folglich einen wesentlich höheren Wert als der moderne Flachbild-Fernseher, das Rennrad oder auch das neue Auto.

Entsprechend sollten Makler darauf hinwirken, dass ihre Kunden die wirklich existenziellen Risiken ihres Lebens absichern. Schließlich lässt sich sagen: Die Deutschen haben nicht zu viele Versicherungen – sie setzen bei ihrem Versicherungsschutz nur häufig die falschen Akzente.

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