BiPRO: Schnittstellen der Versicherer für Bestandsprozesse

Detlef Pohl BiPRO Digital Berater

Der elektronische Datenaustausch der Versicherer mit Maklern steigt stark an, nicht zuletzt aufgrund der BiPRO-Schnittstellen. Wie es um den Makler-Nutzen bei der Automatisierung von Bestandsprozessen steht.

In einem dvb-Workshop in Berlin diskutierten kürzlich Makler, MVP-Hersteller und Versicherer über die Verbesserung der technischen Anbindung. Quelle: deutsche-versicherungsboerse.de

Der Druck zum effizienten Datenaustausch wächst, weil Makler über die Digitalisierung der Prozesse Freiräume für mehr Beratungszeit gewinnen müssen, um bei wachsender Regulierung betriebswirtschaftlich bestehen zu können. Doch die Unterstützung der Versicherer ist vielen Maklern zu kompliziert oder unzureichend vom eigenen Maklerverwaltungsprogramm (MVP) unterstützt. Das Branchen-Informationsportal deutsche-versicherungsboerse.de (dvb) bewertet im Rahmen seines jährlichen Makler-Audits „IT-Prozesse im Maklerunternehmen: Vertrieb, Administration, Technik“ die technische Anbindung der Versicherer (procontra berichtete).

Ergänzt wurde die jährliche Studie, deren Erscheinen 2020 noch bevorsteht, kürzlich durch eine erstmalig vorgenommene Untersuchung von MVP-Systemen. Dazu veranstaltete die dvb auch einen Präsenz- und Online-Workshop in Berlin, bei dem Makler, MVP-Hersteller und Versicherer zu Verbesserungen der technischen Anbindung diskutierten.

Maklern die Angst vor technischer Herausforderung nehmen

„Die BiPRO-Normen sind Grundlage für die technische Kommunikation der Makler-MVP-Systeme mit den Versicherungssystemen. Alle arbeiten intensiv an der technischen Umsetzung von Normen und Systemen – aber laufen wir alle in die gleiche Richtung?“, kommentiert Friedel Rohde, Geschäftsführer der dvb, die laufende Diskussion. „Und was kann getan werden, um die Makler zur aktiven Teilnahme am digitalen Datenaustausch zu bewegen und ihnen die Angst vor der technischen Herausforderung zu nehmen?“, ergänzt er mit Blick auf die kleineren Maklerfirmen.

Es können nicht alle Prozesse auf einmal in BiPRO umgesetzt werden. Somit ist es für die Versicherer entscheidend, ihre hohen Investitionen nach Priorität umzusetzen. Nach zwei Workshoptagen hat Manuel Reimer, Vizepräsident des BiPRO e.V., eine Prioritätenliste zusammengefasst.

Die wichtigsten aktuellen BiPRO-Umsetzungen

Platz 1: Der Austausch der Bestandsdaten. Damit ist nicht nur die Übermittlung aller Kunden- und Vertragsdaten an den Makler gemeint, sondern insbesondere die Übertragung von Vertragsänderungen, die der Versicherer in seinem Bestand durchgeführt hat und dem Makler zur Kenntnis gibt. Dazu laufen auch Digitalisierungsoffensiven der BiPRO (procontra berichtete).

Platz 2: Schadenvorgänge elektronisch zu melden und den aktuellen Bearbeitungsstand abfragen zu können, hat bei Maklern höchste Aufmerksamkeit. Sehr viele Versicherer arbeiten an den Normen, die ersten Umsetzungen sind bereits verfügbar. Hierzu gab es eine gemeinsame Aktion von 34 Versicherern, um die Norm Schadenstatus/-meldung konzentriert in den Markt zu bringen. In diesem Jahr wurde eine Arbeitsgruppe zur Definition der Schadenprozesse in der Massensparte Kraftfahrt gebildet.

Platz 3: Vermittlerpost per BiPRO zu empfangen, ist den Versicherern nicht nur wegen der Einsparpotenziale wichtig, es ist auch die Norm mit der größten Umsetzung im Markt. „Die Makler bekommen hier einen echten Hebel für die Automatisierung im Maklerbüro, wenn das MVP die Post empfängt und selbst bearbeitet“, betont dvb-Audit-Beirat Henning Plagemann, der als Berater für Vertriebsprozesse aktiv ist.

Platz 4: Bestandsdaten zu ändern, erfolgt heute noch sehr häufig per Post, Fax und E-Mail. Diese Änderungen, etwa eine Bankverbindung oder neue Anschrift direkt aus dem MVP des Maklers an den Versicherer zu leiten und direkt zu verarbeiten, ist das Ziel der 500er-Änderungsnormen, an der 55 Versicherer mitgearbeitet haben. Einige Gesellschaften setzen die Norm derzeit schon um, andere noch nicht.

Platz 5: Das Maklermandat automatisiert zu übertragen, etwa im Rahmen einer Bestandsübertragung, verspricht einigen Marktteilnehmern eine Arbeitserleichterung. Die BiPRO verzeichne derzeit keine weiteren Aktivitäten zu dieser Norm, könne bei Interesse aber eine Implementierungsoffensive starten, so Reimer.

Seite 1: Die Prioritäten-Liste bei der BiPRO-Umsetzung
Seite 2: Warum viele Makler BiPRO noch unterschätzen

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