BiPRO: „Elektronischer Datenaustausch bleibt eine Herausforderung“

Detlef Pohl BiPRO Digital Berater Versicherungen Top News

Die Digitalisierung in der Assekuranz muss weiter vorangetrieben werden. Dabei spielt das Brancheninstitut Prozessoptimierung (BiPRO) eine maßgebliche Rolle. Wo die Reise hingeht, sagt Frank Schrills, geschäftsführender BiPRO-Präsident, im Interview.

Der wesentliche Entwicklungsaufwand besteht darin, Daten und Dokumente aus den Systemen in ausreichender Qualität elektronisch zur Verfügung zu stellen, sagt BiPRO-Präsident Frank Schrills. Bild: BiPRO

procontra: Der 2006 gegründete Verein soll die Entwicklung fachlicher und technischer Normen zur Optimierung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse für die Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche vorantreiben. Wie kam es zur Gründung und wer machte mit?

Schrills: Bereits zwei Jahre vor der Gründung der BiPRO gab es den „Düsseldorfer Kreis“ als Vorläuferorganisation. Seine Teilnehmer, im Wesentlichen Versicherer, hatten die Idee, die Flut der Papierdokumente, die an die Vermittler gesendet werden, zu reduzieren. Um eine kritische Masse an Vermittlern zu erreichen, wurden damals führende Maklerverwaltungsprogramm-Hersteller eingeladen. Nur eine gemeinsame dezentral genutzte „Sprache“ - die BiPRO-Sprache - kann beim elektronischen Austausch von Daten und Dokumenten via Internet zum Erfolg führen. Zu jener Zeit gängige Austauschmedien wie Disketten sollten keine Rolle mehr spielen. Auch eine intermediäre Lösung als drohendes Monopol wurde abgelehnt.

Die Zusammensetzung der Unternehmen der ersten Stunde verdeutlichte schon damals die notwendige gemeinschaftliche paritätische Besetzung. Die Unternehmen waren: Alte Leipziger, Assfinet, AWD, Barmenia, Continentale, DBV-Winterthur, Holl und Partner, Lutronik, LV1871, Nürnberger, Rheinland, VDV Klaus Reimer, VHV und Volkswohl Bund.

procontra: Mit welchen Widerständen musste bei der Einführung gekämpft werden?

Schrills: Neben dem reinen Transfer der elektronischen Maklerpost stand auch die Schaffung von Normen im Neugeschäft im Vordergrund. Dies war ein Hemmschuh. Man konnte sich außerhalb der BiPRO-Community nicht vorstellen, wettbewerbssensitive Prozesse, wie Tarifierung, Angebot und Antrag (kurz: TAA) zu normieren. Das erste TAA-Projekt Schaden-Unfall-Haftpflicht bewies aber, dass es geht, und spülte eine Menge neue Mitglieder in den Verein. Heute sind im Bereich TAA alle Privatsparten normiert.

Der zweite Hemmschuh lag im Dasein des GDV-Datensatzes zur Übermittlung von Bestandsdaten vom Versicherer zum Vermittler. Es brauchte eine Zeit (und tut es teilweise immer noch) für den Markt, zu verstehen, warum die BiPRO-Normen zukunftsweisend sind. Neben der Tatsache, dass der GDV-Datensatz historisch bedingt fachlich und in seiner starren Struktur veraltet ist, ist es bis heute nicht möglich, mit ihm normierte Prozesse abzubilden. Daher gibt es bei vielen BiPRO-Mitgliedern eine mittelfristige Migrationsstrategie, den GDV-Datensatz durch die BiPRO-Standards zu ersetzen.

procontra: Was ist das wichtigste Ergebnis der letzten Jahre?

Schrills: Neben der Pflege und Marktverbreitung der aktuellen Normenreihe, RClassic genannt, entwickeln die Mitglieder seit zwei Jahren die neue Normgeneration „RNext“. Die bisherigen RClassic-Normen sind als Marktstandard, insbesondere in der Kommunikation zwischen Versicherern und Vermittlern, gesetzt. Doch auch ein Standard muss mit der rasanten IT-Entwicklung mitgehen. RNext-Normen sind letztlich „kleine“ effiziente API-Schnittstellen (Softwareartefakte), die einer agilen Entwicklung innerhalb der BiPRO folgen. Damit ist eine deutlich effizienteres „Time-to-Market“ möglich und inhäusige Entwicklungszeiten und -kosten können reduziert werden.

procontra: Wie viel BiPRO-Schnittstellen gibt es derzeit und für welche Prozesse sind sie essentiell?

Schrills: Derzeit umfasst das BiPRO-Normenwerk rund 70 unterschiedliche Schnittstellen. Hiermit können alle wesentlichen Kernprozesse in den Bereichen Vertrieb, Bestand, Abrechnung und Schadenmeldung abgebildet werden. Aber es gibt mittlerweile auch Normen in weiteren Segmenten, etwa der betrieblichen Altersvorsorge.

procontra: Was sind die momentan größten Herausforderungen für Makler und Versicherer?

Schrills: Die Einbindung der BiPRO-Schnittstellen in die Systeme der Unternehmen ist nicht wirklich aufwendig. Das Problem liegt in deren Anbindung an das oder die Kernsysteme. Meist sind diese Systeme, in denen sämtliche Informationen gelagert werden, nicht für moderne Prozesse ausgelegt oder zu zahlreich. Der wesentliche und sehr kostenintensive Entwicklungsaufwand ist es, Daten und Dokumente aus diesen Systemen in einer ausreichenden Qualität und ausreichendem Umfang elektronisch – im besten Fall in Echtzeit – zur Verfügung zu stellen.

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