„Die MVP sind das Hauptproblem“

Stefan Terliesner BiPRO Berater

Normierte Schnittstellen erleichtern die Kommunikation und bringen auch Maklern Zeit- und Kostenersparnisse – aber nur, wenn sie ihre Hausaufgaben machen, sagt Sascha Zingler, Inhaber und Projektmanager von MAKLERKONZEPTE.

Sascha Zingler ist Inhaber und Projektmanager von MAKLERKONZEPTE

Rät zu effizienteren Abläufen: Sascha Zingler, Inhaber und Projektmanager von MAKLERKONZEPTE. Bild: Sascha Zingler

procontra: Herr Zingler, sagen Sie doch bitte in einem Satz, welchen Service Sie anbieten?

Sascha Zingler: Wir helfen Versicherungsmaklern, ihre Geschäftsprozesse zu vereinfachen. Das tun wir, indem wir die vorhandenen Prozesse systematisch analysieren und erfassen – erst danach prüfen wir die vorhandene Software-Architektur, um diese, wenn nötig zu modernisieren oder ganz neu und individuell aufzubauen.

procontra: Für die Prozessoptimierung gibt es doch BiPRO.

Zingler: BiPRO ist keine Schnittstelle, sondern ein Verein, der Normen entwickelt, damit die Marktteilnehmer in der Versicherungswirtschaft über elektronische Schnittstellen in der gleichen Sprache kommunizieren können. Die optimale Nutzung dieser Schnittstellen setzt bei allen Beteiligten voraus, dass sie jeweils in ihrem Bereich die notwendige digital verfügbare Prozess- und Datenqualität sicherstellen.

procontra: Welche BiPRO-Normen sind bei Maklern oft in Gebrauch?

Zingler: Zunächst einmal muss das Maklerverwaltungsprogramm, das MVP, die BiPRO-Normen abbilden, die im Maklerbetrieb benötigt werden. Da gibt es große Unterschiede zwischen den Angeboten; einige sind sogar bis heute nicht BiPRO-fähig und damit auch nicht zukunftsfähig. In den meisten MVPs enthalten ist die 440er-Norm für die externe Navigation in Versicherer-Portale. Das ist der klassische Absprung ins Extranet eines Produktgebers. Ein Makler sitzt zum Beispiel an seinem PC, drückt auf einen Knopf und wird automatisch ins Portal der Gesellschaft durchgeleitet. Dort kann er sich direkt die Vertragsdaten seines Kunden anschauen. Weit verbreitet und oft in Gebrauch sind auch die Normen der Kategorie 430 für den sogenannten Dokumentenabruf. Hier geht es beispielsweise um die Übermittlung von Geschäftsvorfällen oder um Rückfragen zu Schadensmeldungen. Ich könnte weitere Normen aufzählen. Spannender aber ist, dass viele Makler BiPRO-Normen nutzen, ohne sich dessen bewusst zu sein.

procontra: Wie das?

Zingler: Viele Versicherungsmakler verwenden Normen unbewusst in den meisten Vergleichsrechnern und Angebotsprogrammen der Versicherer, die sie fast täglich nutzen. Insgesamt zeigt meine Erfahrung mit Maklerbüros, dass viele BiPRO weitgehend mit Dokumentenabruf gleichsetzen. Das wird dem Thema Prozessoptimierung aber bei Weitem nicht gerecht.

procontra: Was vermissen Sie?

Zingler: In der Praxis nutzen Makler aktuell nur 20 bis 30 Prozent der Leistungsfähigkeit der im Markt vorhandenen IT-Systeme. Da bleibt also viel Effizienzpotenzial ungenutzt. So sind bei Maklern vor Ort nur ganz wenige MVPs überhaupt in der Lage, Dokumente in der Masse von allen Versicherungsunternehmen direkt abzurufen. Hilfsweise greifen viele Programme auf Drittanbieter wie Zeitsprung oder Mr-Money zurück. Das Tool BiPRO-Box von Mr-Money bildet BiPRO-Normen ab und ist in der Lage bei vielen Versicherern und Maklerpools relevante Dokumente abzuholen. An die Box docken MVPs an und holen sich von dort die Daten.

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