D&O – ein Muss nicht nur für große Konzerne

Gewerbe Berater Top News von Juliane Moghimi

Beim Thema D&O denken viele zunächst an die Börsengiganten – schließlich sind regelmäßig Berichte über Haftungsfälle von Managern in der Presse zu finden. Dabei ist diese Art der Absicherung für kleine Unternehmen fast noch wichtiger.

D&O-Versicherung

Eine D&O-Versicherung lohnt nicht nur für das Management großer Unternehmen – auch in kleinen Betrieben können sich Fehlentscheidungen gravierend auswirken. Bild: Adobe Stock/Feodora

Wer Entscheidungen trifft, macht auch mal Fehler – und je mehr Entscheidungen ein Mensch zu treffen hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich irrt. Fehler, die auf der Ebene des Unternehmensmanagements getroffen werden, können schnell richtig teuer werden und im schlimmsten Fall sogar das wirtschaftliche Aus bedeuten.

Am besten persönlich abschließen

Größere Unternehmen sind in puncto Gewerbeversicherung oft gut aufgestellt und haben auch eine D&O-Police für ihre Führungsriege abgeschlossen. Allerdings empfiehlt es sich für Angestellte in führenden Positionen selbst bei bereits bestehender Firmenversicherung, eine persönliche D&O abzuschließen – unter anderem aus folgenden Gründen:

  • Das Management kann bei Schadensfällen persönlich haftbar gemacht werden, muss dann also mit dem Privatvermögen einstehen.
  • D&O-Firmenpolicen sind oft Gruppenversicherungen, sodass sich die Versicherungssumme unter Umständen auf mehrere Köpfe verteilt.
  • Führungspersonen mit persönlicher Versicherung sind im Schadensfall unabhängig von der Entscheidung des Unternehmens.
  • Wenn der Verursacher aus dem Unternehmen ausscheidet, bevor der Schadenersatzanspruch geltend gemacht wird, und die Firmen-D&O inzwischen gekündigt oder verändert wurde, kann eine Unterdeckung entstehen („Claims-made-Prinzip“).
  • Eine persönliche D&O greift auch dann, wenn die Führungskraft in mehreren Gremien (Unternehmen, Stiftungen, Vereine, Aufsichtsräte …) und/oder nur auf Zeit engagiert ist.

Für kleinere Unternehmen unverzichtbar

Führungspersonen in großen Unternehmen haben die Wichtigkeit einer D&O meist im Blick haben und müssen nurmehr entscheiden, ob sie auf die Firmenpolice setzen oder eine persönliche Versicherung abschließen wollen. Kleinere Unternehmen hingegen haben gerade in Sachen Managementversicherung häufig essenzielle Lücken. Dabei kann sich eine Fehlentscheidung beispielsweise in einem familiengeführten Handwerksbetrieb noch deutlich gravierender auswirken, weil sie das gesamte Unternehmen betrifft und nicht nur einen einzelnen Bereich.

Vermutlich denken auch die Vermittler nicht automatisch an die D&O-Police, wenn sie Klein- und Kleinstunternehmen bezüglich der benötigten Gewerbeversicherung beraten. Es lohnt sich deshalb, auf die möglichen Schadenszenarien zu schauen.

Innen- vs. Außenhaftung

Wer Verantwortung für ein Unternehmen oder einen Unternehmensbereich trägt, haftet einerseits nach innen – also gegenüber der eigenen Firma – und andererseits nach außen, das heißt gegenüber betriebsfremden Personen.

Fälle für die Innenhaftung sind zum Beispiel:

  • Die Führungsperson verkauft Waren auf Kredit und prüft vorher die Liquidität des Käufers nicht oder nicht gründlich genug.
  • Die Führungsperson lässt ausstehende Forderungen verjähren.
  • Die Führungskraft unterzeichnet einen für das Unternehmen nachteiligen Vertrag, weil nicht genügend Sachkenntnis vorlag und kein fachlicher Rat eingeholt wurde.
  • Die Führungskraft vertraut einem Anlagebetrüger.

Die Außenhaftung der Führungsperson hingegen tritt zum Beispiel ein bei:

  • Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht
  • Verstößen gegen Schutzrechte (zum Beispiel Patent- oder Markenrechte)
  • verspäteter oder unterlassener Stellung des Insolvenzantrags bei drohender Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens
  • Nichtzahlung von Steuern und sonstigen Abgaben

Jeder einzelne dieser Schadensfälle kann gerade bei kleineren Unternehmen so schwerwiegende finanzielle Folgen haben, dass die wirtschaftliche Existenz bedroht ist. Davor schützt die D&O-Versicherung, die deshalb in jedem Beratungsgespräch zur gewerblichen Absicherung Erwähnung finden sollte.

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