Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung: So erklären Makler den Unterschied

Martin Thaler Gewerbe Berater

Eine Berufs- bzw. Betriebshaftpflicht sollte für Selbstständige und Unternehmen zum grundlegenden Versicherungsschutz gehören. Doch bei der Verbreitung hakt es – auch weil die Unterschiede für viele Kunden nicht immer ersichtlich sind. Mit einigen Schadensbeispielen können Makler hier Abhilfe schaffen.

Welche Versicherung leistet, wenn andere Menschen durch die Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit zu Schaden kommen?

Welche Versicherung leistet, wenn andere Menschen durch die Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit zu Schaden kommen? Bild: Adobe Stock/R. Gino Santa Maria

Ein umgekippter Kaffee, eine heruntergefallene Dachschindel oder ein ungünstig liegendes LAN-Kabel: Meist reicht ein kleiner Fehler oder eine geringfügige Unachtsamkeit, um einen großen Schaden anzurichten. Fehler zu machen, ist menschlich – kann aber für Selbstständige oder Unternehmen existenzbedrohende Folgen haben.

Denn wer einen Schaden verursacht – ob absichtlich oder nur fahrlässig – muss für diesen haften, so ist es in § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Und schnell kann ein solcher Schaden in die Tausende, gar Millionen Euro gehen. Ein entsprechender Versicherungsschutz sollte von Unternehmen und Selbstständigen nicht vernachlässigt werden: „Von besonderer Bedeutung ist aus meiner Sicht eine Betriebs- beziehungsweise Berufshaftpflichtversicherung. Diese sollte schon zu Beginn der Tätigkeit abgeschlossen werden“, erklärte Versicherungsberater Michael Jander im Gespräch mit procontra – ein Wink mit dem Zaunpfahl insbesondere für Start-up-Gründer.

Eine Botschaft, die längst nicht bei allen Unternehmen angekommen ist – ein Punkt, bei dem es für Makler anzusetzen gilt. Viele Kunden scheitern nämlich bereits an der Unterscheidung zwischen Berufs- und Betriebshaftpflichtversicherung. Zwar gehen beide Absicherungen prinzipiell in eine ähnliche Richtung, doch sind die Unterschiede entscheidend. Während die Betriebshaftpflichtversicherung neben Personen- und Sachschäden auch sogenannte unechte Vermögensschäden absichert, deckt die Berufshaftpflichtversicherung echte Vermögensschäden ab.

Die Unterschiede zwischen unechten und echten Vermögensschäden sind für den Kunden nicht immer gleich verständlich. Grundlegend lässt sich der Unterschied durch Makler wie folgt erklären: Während unechte Vermögensschäden finanzielle Schäden darstellen, die in Folge eines Sach- bzw. Personenschadens eintreten (Vermögensfolgeschäden), sind echte Vermögensschäden solche, die unabhängig von Sach- und Personenschäden erfolgen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn infolge einer fehlerhaften Beratung der Kunde einen finanziellen Schaden erleidet.

Ein Ansatzpunkt, um zugleich Bedeutung wie Unterschiede im Gespräch mit dem Kunden deutlich zu machen, können Schadensbeispiele liefern.

Schadensbeispiel 1:
Auch im ordentlichsten Büro herrscht von Zeit zu Zeit Kabelsalat. Bei einer Präsentation werden einem Kunden die Räumlichkeiten des eigenen Unternehmens gezeigt. Beim Gang durch die Büros stolpert der Kunde über ein ungünstig liegendes LAN- oder Druckerkabel und verletzt sich schwer – ein Fall für die Betriebshaftpflichtversicherung.

Schadensbeispiel 2: Ein Dachdecker ist auf einem Dach zu Gange, vergisst bei der Verlegung der Dachschindeln jedoch, den unter seinem Arbeitsplatz liegenden Bürgersteig abzusichern. Es kommt wie es kommen muss: Dem Dachdecker entgleitet eine Schindel, die in die Tiefe fällt und einen vorbeikommenden Passanten trifft und schwer verletzt. In diesem Fall übernimmt die Betriebshaftpflicht die Behandlungskosten und ein etwaiges Schmerzensgeld des Passanten.

Schadensbeispiel 3:
Hochbetrieb in der Anwaltskanzlei: In der allgemeinen Hektik bleibt ein wichtiger Brief eines Mandanten ungeöffnet. Durch den liegengebliebenen Postverkehr versäumt die Anwältin die gesetzte Prozessfrist, woraufhin der Prozess verloren geht. Durch den verlorenen Prozess muss der Mandant eine hohe Summe zahlen – den entstandenen Vermögensschaden übernimmt die Berufshaftpflichtversicherung.

Schadensbeispiel 4:
Eine Werbeagentur organisiert für ihren Kunden eine große Abendveranstaltung, bei der dieser sein neuestes Produkt der Öffentlichkeit vorstellen möchte. Ein Saal ist angemietet, der beauftragte Caterer tischt plattenweise Köstlichkeiten auf und die engagierte Band legt sich ins Zeug. Allerdings fehlen die Gäste. Denn durch eine kleine Unachtsamkeit innerhalb der Agentur kam es zu einem Zahlendreher auf der Einladung, die darum ein falsches Datum verkündete. Daraufhin muss nicht nur ein weiteres Event veranstaltet werden, auch die Produkteinführung des Kunden verzögert sich. Für den entstandenen Schaden springt die Berufshaftpflichtversicherung ein.

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