Telematik: hohes Potenzial, viele Zweifel

Kfz Berater Versicherungen Top News von Rainer Kreuzer

Telematiktarife sind bislang ein Nischenprodukt. Während immer mehr Anbieter auf den Zug aufspringen, bleiben viele Kunden skeptisch. Für Makler bietet sich dennoch großes Potenzial in diesem beratungsintensiven Bereich.

Telematik

Vor allem bei jüngeren Fahrern rechnet die Branche mit einem hohen Potential für Telematik-Tarife. Bild: Adobe Stock/Mike Mareen

Schon seit mehreren Jahren bewerben Versicherer ihre neuen Telematiktarife in der Kfz-Versicherung mit hohem Sparpotenzial für die Kunden. 20 oder 30 Prozent sollen bei vorsichtigem Fahrstil erreichbar sein. Doch die Nachfrage hält sich in engen Grenzen.

Laut einer Studie des Kölner Beratungsunternehmens Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) bestehen im deutschsprachigen Raum aktuell rund 500.000 Policen dieser Art. Andere Quellen gehen bundesweit von einer deutlich niederen Zahl aus. Damit dürfte der Anteil der Telematikpolicen an allen versicherten Fahrzeug noch deutlich unter der Ein-Prozent-Marke liegen.

Die Branche hofft auf großes Zukunftspotenzial, vor allem bei den jüngeren Fahrern. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Sirius Campus halten es zehn Prozent von 1.979 befragten Kfz-Versicherungsnehmern für wahrscheinlich, eine Telematik-basierte Kfz-Police erstmals abzuschließen beziehungsweise das erneut zu tun. Allerdings gestanden auch 45 Prozent aller Befragten ein, noch nie von Telematik gehört zu haben. Hochgerechnet auf die rund 40 Millionen Kfz-Versicherungsnehmer in Deutschland ergibt sich aber eine Zielgruppe von rund vier Millionen Kunden, vor allem in der Zielgruppe der jungen Männer bis 25 Jahre.

Telematik spielt für Makler bislang kaum eine Rolle

Das Interesse der jüngeren Fahrer an Telematiktarifen wird meist mit den Chancen auf günstige Prämien begründet. Doch gerade diese Kundengruppe wird seit Jahrzehnten in den klassischen Kfz-Tarifen als besonders risikofreudig eingestuft und mit hohen Beiträgen bedacht.

Im Alltagsgeschäft vieler Makler spielt gegenwärtig das Segment Telematik im Kfz-Bereich kaum eine Rolle. Ich habe noch nie von einem Kunden gehört, dass er einen solchen Tarif haben will", bilanziert Makler Oliver Mest in Elmshorn. Die bayrischen Makler der Finanzberatung Bierl hatten im Frühjahr gerade mal für zwei Kunden Telematik-Policen im Bestand. Marlene Drescher kann sich in 18 Jahren als Maklerin ebenfalls nur an zwei Kunden erinnern, die etwas über Telematik wissen wollten. „Denen habe ich es kurz erklärt und dann haben sie es schnell abgewunken“, erzählt die Maklerin aus dem thüringischen Altenbergen.  

Zweifel am Datenschutz stimmt viele Kunden skeptisch. Auch die Komplexität der Bemessungsregeln sorgen für Verwirrung. Wonach werden die individuellen Tarife bemessen? Welche Parameter werden wie gewichtet? Die Angebote sind vielfältig.<span style="font-size:11.0pt; line-height:107%; font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif"> „</span>Sie lassen sich nur schwer miteinander vergleichen", konstatiert Makler Mest. Sein bayrischer Kollege Tobias Bierl sieht die Gefahr, dass die Telematik eine Beratung noch weiter verkomplizieren würde. Eine umfangreiche Aufklärung sei notwendig.

Das Netzwerk der Verbraucherzentralen nennt fünf wesentliche Kriterien, nach denen unter anderem ein persönlicher Telematiktarif berechnet wird:

  • Geschwindigkeit
  • Bremsverhalten
  • Beschleunigungsverhalten
  • Fahrverhalten in Kurven
  • Fahrtzeit und -ort

Vor allem durch letzteres Kriterium sei es für viele Fahrer kaum möglich, den maximalen Spareffekt zu erzielen. Wer berufsbedingt oft zur Rush-Hour oder regelmäßig in der Stadt fahren müsse, habe geringere Chancen. Fahrer, die bereits eine günstige SF-Klasse erreicht haben, könnten ihren Tarif durch Telematik sogar verschlechtern.

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