Wie lassen sich Oldtimer und Luxuskarossen absichern?

Kfz Versicherungen von Rainer Kreuzer

Ob Porsche, Bugatti oder McLaren: Die Preise für die teuersten Luxuskarossen liegen locker bei einer oder gar mehreren Millionen Euro. Eine passende Absicherung zu finden, ist für Makler eine Herausforderung.

Absicherung von Luxusautos

Leider auch bei Autodieben zunehmend beliebt: Oldtimer der Marke Porsche. Bild: Adobe Stock/AA+W

procontra sprach mit Désirée Mettraux. Sie ist Geschäftsführerin des Versicherungsspezialisten OCC Assekuradeur GmbH in Lübeck.

procontra: Welche Arten von Fahrzeugen versichern Sie?

Désirée Mettraux: Wir versichern neben Oldtimern, Youngtimern und Newtimern auch sogenannte Premium Cars mit einem Neuwert ab 150.000 Euro. Zu diesen Premium Car Segment zählen bei OCC natürlich auch Supersportwagen oder Hypercars wie der Bugatti Veyron, Chiron oder Divo, der Pagani Zonda oder der Aston Martin Valkyrie.

procontra: Können ausgefallene Autos wie Oldtimer oder superteure Sportwagen, die über eine Million Euro kosten, einfach nach Tarif einer Liste versichert werden wie ein Golf?

Mettraux: Für diese Fahrzeuge führen wir generell eine gesonderte Risikoprüfung durch, zwar können die Fahrzeuge durch unseren Online-Rechner angefragt werden, zur Prämienermittlung benötigen wir jedoch weiterführende Angaben, die wir separat anfordern.

procontra: Welche Angaben können das beispielsweise sein?  

Mettraux: Unter anderem zur Stellplatzsicherungen, ob eine Einbruchmeldeanlage und Brandmeldeanlage vorhanden sind.

procontra: Wie gehen Sie vor, wenn jemand ein extravagantes Fahrzeug, das es nicht in Serie gibt, versichern will?

Mettraux: Das ist natürlich viel aufwändiger als die Prämienberechnung für einen Golf I GTI. Deswegen kommen bei ausgefallenen Fahrzeugen verschiedene objektive und subjektive Risikomerkmale ins Spiel, die abgefragt werden müssen. Sofern der Versicherungswert den ursprünglichen Neuwert des Fahrzeugs übersteigt, wird als Wertnachweis ein aktuelles detailliertes Gutachten benötigt.

procontra: Wie berechnen Sie die Prämie für die Haftpflicht und die Kasko?

Mettraux: Hier wird eine individuelle Prämie ermittelt, die die vorliegenden Risikomerkmale widerspiegelt, wie zum Beispiel Ort und Postleitzahl, Art und Umfang der Deckung. Vollkasko oder Teilkasko und die Höhe des Selbstbehaltes.

procontra: Worauf kommt es an?

Mettraux: Folgende Fragestellungen sind für uns wichtig: Wer ist der Fahrer, wer nutzt das Fahrzeug noch? Gibt es einen Abstellplatz und wie ist der gesichert? Sind zum Beispiel Einbruchmeldeanlagen oder Brandschutzmeldeanlagen vor Ort vorhanden?

procontra: Wie viele Kunden gibt es bundesweit mit solchen besonderen Autos, die nicht in einen Standardtarif passen?

Mettraux: Nach unseren Erfahrungen sind mindestens 40 Prozent dieser Fahrzeuge über eine normale KFZ-Versicherung eingedeckt, die im Schadenfall lediglich den Wiederbeschaffungswert gemäß Schwacke-Liste erstattet. Damit sind auch Oldtimerfahrzeuge mit zum Beispiel 30.000 Euro Wert gemeint.

procontra: Achten die Kunden mit superteuren Fahrzeugen auf den Preis einer Versicherung?

Mettraux: Auch wenn es kaum vorstellbar ist, aber Kunden, die ein Luxus- Fahrzeug besitzen, achten sehr wohl auf die Prämien und andere Rahmenbedingungen. Genau wie der „normale“ Kunde.

procontra: Wie hoch können die Prämien bei seltenen Autos für die Haftpflicht und die Kasko werden?

Mettraux: Hier kommt es generell auf das Fahrzeug, den Nutzer, die Risikomerkmale und die weiteren Rahmenbedingungen an, zum Beispiel ob ein Saisonkennzeichen benötigt wird. Es sind bei den Prämien Schwankungen zwischen 2.000 und 50.000 Euro möglich.

procontra: Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?

Mettraux: Die Selbstbeteiligung ist individuell ausgewiesen. Je nach Risiko sind es zwischen 500 und 100.000 Euro. Im Bereich der Fahrzeug-Sammlung sind auch gestaffelte Selbstbeteiligungen möglich, zum Beispiel bei 250.000 Euro Versicherungswert 2.500 Euro SB, bis 500.000 Euro Versicherungswert 5.000 Euro SB und so weiter.

procontra: Sehen Sie bei Sportwagen mit 1.000 PS ein besonderes Unfallrisikopotential?

Mettraux: Nein, jedenfalls nicht bei OCC. Durch unsere restriktiven und individuellen Zeichnungs- und Annahmekriterien sind in unseren Beständen derzeit keine negativen Auffälligkeiten feststellbar. Es gibt beispielsweise bei Premium Cars eine Fahreraltersbeschränkung, diese Wagen dürfen, wenn sie bei uns versichert sind, erst Fahrer steuern, die mindestens 30 Jahre alt sind. Zudem muss sichergestellt sein, dass diese hochmotorisierten Sportwagen nicht alltäglich, geschäftlich und gewerblich genutzt werden.

procontra: Werden solche Fahrzeuge häufiger gestohlen als gewöhnliche Wagen?

Mettraux: Nach unseren Erkenntnissen werden solche Fahrzeuge nicht häufiger gestohlen. Das resultiert bei OCC vorwiegend aus vorgelagerten, gesonderten Risikoprüfungen. Zumal die Besitzer der Fahrzeuge in der Regel auf Diskretion bedacht sind. Einzig bei Fahrzeugen der Marke Porsche können wir eine negative Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren feststellen.

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