Marder, Wolf und Rentier: Wer haftet für tierische Schäden?

Kfz Berater Versicherungen von Rainer Kreuzer

Rund 800 Wildunfälle passieren täglich. Aber wer zahlt bei einer Kollision mit einem Wolf? Was leistet die Teilkasko bei Marderbissen? Für Makler gibt es viele Details, die im Verkaufsgespräch geklärt werden sollten. Das schafft Vertrauen und zufriedene Kunden.

Wildunfall

Für den Wildunfall mit Hirsch kommt die Versicherung auf, für Wolf und Vogel gelten andere Regeln. Bild: Adobe Stock/m.mphoto

Wer seinen Wagen Teilkasko versichert hat, ist grundsätzlich bei Wildunfällen geschützt. Doch nicht alle wilden Tiere genießen den Status. Ein Beispiel: Ein deutscher Urlauber aus Frankfurt war mit seinem Pkw in Norwegen unterwegs. Seine Begegnung mit einem Rentier endete mit einem Totalschaden. Typischer Wildunfall, dachte der Fahrer. Doch die Versicherung sah das anders – auch das Frankfurter Oberlandesgericht (AZ: 7 U 190/02). Denn nach den AGB der beklagten Versicherung waren lediglich Unfälle mit Haarwild im Sinne des Bundesjagdgesetzes abgedeckt. Und Rentiere stehen nicht in der Liste des Gesetzes. Somit musste der Urlauber für den Schaden selbst aufkommen.

In der Teilkaskoversicherung sei in der Regel die Liste der Tierarten in §2 des Bundesjagdgesetzes darüber entscheidend, ob der Versicherungsschutz greife, betont Mathias Zunk vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dazu gehörten vor allem Rehe, Hirsche und Wildschweine. Auch Kollisionen mit Feldhasen, Luchsen und Füchsen seien versichert. Die Beule verursacht durch eine Wildente hingegen nicht. Denn: Es zählt nur das Haarwild, nicht das Federwild. Auch der wilde Wolf zählt im Schadenfall nicht zum Wild, obwohl er ein haariges Fell hat. Der Grund: Er steht einfach noch nicht in der Liste.

Doch es geht auch anders, meint Zunk. Jede Versicherung könne die Konditionen für ihre Angebote selber gestalten. So gebe es auch Teilkaskoangebote mit Erweiterungen bei den Tierarten. Sogar eine Vereinbarung für Tiere aller Art sei möglich. Es komme auf das konkrete Angebot im Einzelfall an, meint der GDV-Experte. Im Gespräch mit dem Kunden sollten Makler diese Details genau klären, damit es im Schadensfall kein böses Erwachen gibt.

Wer zahlt nach einem Marderschaden am Auto?

Auch die Frage nach dem leidigen Marderbiss gehört zur Beratung dazu. Laut Statista.com werden jährlich rund 200.000 Teilkaskoschäden durch Mader angezeigt. Knabbert der Räuber irgendwelche Schläuche unter der Kühlerhaube an, so ist der direkte Schaden an der Leitung versichert. Doch teuer werden meist erst die Folgeschäden am Motor. Und diese müssen laut Zunk in der Teilkasko explizit vereinbart werden, um auch dann auf der sicheren Seite zu stehen.

Anders ist es, wenn eine Kuh oder ein Pferd auf die Fahrbahn läuft und einen Unfall verursacht. Obwohl das keine Wildtiere sind, zahlt erst einmal die Teilkaskoversicherung, konstatiert GDV-Berater Zunk. Die Versicherung versuche danach beim Tierhalter die Kosten einzutreiben.

Wer keine Ungewissheiten mag und sich rundum absichern will, für den bietet eine Vollkaskoversicherung die einfachere Lösung. Die Kosten unsanfter Begegnungen mit Tieren aller Art seien darin abgesichert, erläutert Zunk. Doch das hat seinen Preis. Hätte der Norwegenurlauber aus Frankfurt eine Vollkaskoversicherung gehabt, so hätte diese zwar den Schaden durch das Rentier ersetzen müssen, doch im Anschluss wären der SF-Rabatt des Versicherten gemindert und seine Beiträge somit erhöht worden. Günstiger wäre für ihn eine Teilkaskoversicherung, in der Unfälle mit allen Tierarten inbegriffen sind, meint Zunk. Denn SF-Klassen gelten nicht für die Teilkaskoversicherung.

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