„Die Feuerbestattung ist die Regel“

Hinterbliebenenabsicherung Top News Berater von Rainer Kreuzer

Wer das Besondere mag, kann sich mit einer Diamantbestattung verabschieden lassen. Die Gestaltung des letzten Geleits ist auch für Makler ein Thema, das Türen öffnen kann.

Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, spricht im Interview über Bestattungs- und Vorsorgemöglichkeiten.

Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, spricht im Interview über Bestattungs- und Vorsorgemöglichkeiten. Bild: Bundesverband Deutscher Bestatter

procontra sprach mit Stephan Neuser, dem Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, über Trends, Kosten und Vorsorgemöglichkeiten.

procontra: Welche Bestattungsarten sind zur Zeit gefragt? Wohin geht der Trend?

Stephan Neuser: Generell gibt es ja nur zwei Bestattungsarten: Die Erd- und die Feuerbestattung. Aus der Feuerbestattung ergeben sich dann verschiedene Möglichkeiten der Beisetzung. Allgemein lässt sich sagen, dass Feuerbestattungen in Deutschland kontinuierlich zunehmen; mittlerweile werden ca. 70 bis 72 Prozent der Verstorbenen in Deutschland feuerbestattet. Die Feuerbestattung ist somit zur Regelbestattung geworden.

procontra: Welche Bestattungsarten sind mittlerweile eher unbeliebt geworden?

Neuser: Unterschiedliche Formen der Beisetzung haben natürlich zu verschiedenen Zeiten eine Art Konjunktur. Das hängt immer auch ein wenig mit der öffentlichen Aufmerksamkeit zusammen, die vermeintlich neuen Formen der Beisetzung zu Teil wird. Ein aktuelles Beispiel ist die Baumbestattung in Bestattungswäldern, die eine Zeit lang mediales Interesse hervorrief. Bei dieser naturverbundenen Bestattungsvariante wird die Asche des Verstorbenen in der Nähe des Wurzelwerks eines Baumes beigesetzt.

Mittlerweile beobachten wir hier aber auch wieder eine Art Gegenbewegung: Denn mit der Verbreitung dieser Form der Beisetzung schärft sich auch der Blick auf inhärente Probleme für die Hinterbliebenen. Etwa bezüglich der Erreichbarkeit der Grabstätte oder der Möglichkeit zur Ablegung persönlicher Gegenstände oder Blumen an der Grabstelle.

procontra: Gibt es ein paar ausgefallene neue Stilblüten, skurrilere Arten der Bestattung?

Neuser: Eine ausgefallene Art der Bestattung ist die Diamantbestattung. In einem besonderen Verfahren wird aus einer geringen Menge der Asche oder aus Haaren des Verstorbenen ein Diamant gefertigt. Anders als in vielen anderen europäischen Nachbarländern ist die Diamantbestattung in Deutschland aber nicht zulässig.

Auch die Luftbestattung ist in Deutschland nicht zulässig. Dabei wird die Asche des Verstorbenen beispielsweise von einem Flugzeug aus in die Luft gestreut. Die Asche müsste aber zuvor ins Ausland transferiert werden. In Österreich ist die Luftbestattung zulässig.

procontra: Bietet eine glanzvolle Bestattung mehr Trost?

Neuser: Welche Bestattung den Angehörigen Trost bietet, ist natürlich eine ganz individuelle Frage. Letztlich sollten Trauerfeier und Beisetzung den Verstorbenen auf würdige, vielleicht persönliche Weise ehren und von den Angehörigen als stimmig empfunden werden. Was das im Einzelfall bedeutet, muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Wir als Bundesverband ermutigen die Menschen ausdrücklich, sich Gedanken über Art und Ablauf der eigenen Bestattung zu machen und in den Familien oder auch im Freundeskreis darüber zu sprechen. Im Rahmen einer Bestattungsvorsorge kann die eigene Bestattung bereits zu Lebzeiten geregelt werden.

procontra: Wie kann man sich das vorstellen?

Neuser: Mit einer Bestattungsvorsorgevereinbarung kann die betreffende Person ausgehend von seinen Wünschen und finanziellen Möglichkeiten vorab bestimmte Bestattungsmodalitäten schriftlich vereinbaren. Dies ist in der Regel mit keinen Kosten oder Gebühren verbunden und kann beim Bestatter oder über das Angebot „vorsorge-heute" der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG abgeschlossen werden.

procontra: Was geben die Deutschen im Schnitt für die Beerdigung aus?

Neuser: Da es bei Trauerfeier und Beisetzung mittlerweile ein so breites Spektrum an Möglichkeiten gibt, ist eine pauschale Auskunft kaum möglich. Vom Eintritt des Todes bis zur vollzogenen Bestattung kann man in etwa von einem Betrag zwischen 2.800 und 5000 € ausgehen, wo bei individuellen Gestaltungen selbstverständlich ein höherer Betrag zum Tragen kommt. Hinzu kommen die Friedhofsgebühren, eventuell die Bewirtungskosten für eine Trauerfeier und in vielen Fällen noch ein Grabstein, der mehrere Tausend Euro kostet.

Weiterführende Informationen finden sich unter: https://bdb.bestatter.de/

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