Todesfallvorsorge: So retten Sie Ihr Unternehmen!

Hinterbliebenenabsicherung Berater Top News von Rainer Kreuzer

Wenn der Chef nicht mehr da ist, muss Chaos verhindert werden. Mit einem Notfallplan kann der Betrieb weiterlaufen und die Krise gemeistert werden.

Mit einem Notfallhandbuch und den entsprechenden Vollmachten können Unternehmen größere Einschränkungen vermeiden, falls der Chef plötzlich nicht mehr da ist.

Mit einem Notfallhandbuch und den entsprechenden Vollmachten können Unternehmen größere Einschränkungen vermeiden, falls der Chef plötzlich nicht mehr da ist. Bild: Adobe Stock/ilkercelik

Für Makler ein Thema mit doppelter Bedeutung. Zum einen beraten sie Unternehmer, die sich privat und geschäftlich absichern wollen. Zum anderen sind Versicherungsmakler selber Unternehmer und sollten auch für mögliche Krisen oder den eigenen Ausfall gewappnet sein. Kann das Unternehmen ohne mich fortbestehen und können die Arbeitsplätze erhalten bleiben? Wäre die Unternehmerfamilie wirtschaftlich ausreichend abgesichert?

Empfehlenswert ist es, schon frühzeitig ein Notfallhandbuch anzulegen. Darin werden alle notwendigen Informationen gesichert und erste Schritte vorbereitet. Die Arbeitsgemeinschaften der IHK und Handwerkskammern Hessen raten in Ihrer Anleitung zu folgenden Fragen bei der

Vorbereitung eines Notfallhandbuchs:

  1. Wer könnte im Notfall vorübergehend oder dauerhaft das Unternehmen in Ihrem Sinne weiterführen?
  2. Wer hat Bankvollmachten? Gibt es Personen, die schon einen Überblick über die Konten haben? Wer kennt neben Ihnen Passwörter vom PC oder Codes? Wer kommt an Schlüssel heran?
  3. Steht ein Unternehmensnachfolger bereit?
  4. Gibt es im Unternehmen einen Beirat? Soll ein solches Gremium eingerichtet werden?
  5. Ist ausreichende Vorsorge für Ihren Lebenspartner und für die Kinder getroffen worden?
  6. Gibt es mehrere Erben und müsste das Unternehmen dann auf sie aufgeteilt werden?
  7. Ist ausreichendes Vermögen vorhanden, um Pflichtteilsansprüche der Erben zu befriedigen?
  8. Wie hoch kann die anfallende Erbschaftsteuer sein? Entzieht sie dem Unternehmen wichtige Liquidität? Wie kann vorgesorgt werden?

Vollmachten

Fragen geklärt, notiert und abgeheftet? Okay, dann muss nun das Fundament geschaffen werden. Und das sind die Vollmachten. Wenn Sie morgen von einer Dachziegel getroffen werden, muss ein anderer vielleicht noch am gleichen Tag eine fristlose Kündigung aussprechen oder Widerspruch beim Finanzamt einlegen. Das geht nur mit gültiger Unterschrift.

"Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist es notwendig, eine Vertrauensperson zu benennen, die die Gesellschafterrechte in der Gesellschafterversammlung ausübt. Damit die Person handlungsfähig ist, muss sie mit den notwendigen Stimmrechtsvollmachten ausgestattet sein", heißt es im Handbuch der hessischen Kammern.

Als betriebliche Vollmachten sind vor allem folgende drei Kategorien von Belang:

Generalvollmacht: Sie ist die umfassendste Vollmacht, mit der der Bevollmächtigte den Vollmachtgeber in allen persönlichen und rechtlichen Angelegenheiten vertreten kann. Ausgenommen sind nur ganz persönliche Entscheidungen wie Eheschließung, Ausübung des Wahlrechts und das Erstellen eines Testaments im Namen des Vollmachtgebers.

Handlungsvollmacht: "Die Handlungsvollmacht deckt alle Geschäfts- und Rechtshandlungen, die der Betrieb des Handelsgewerbes oder die Vornahme derartiger Geschäfte gewöhnlich mit sich bringt", definiert das Gabler Wirtschaftslexikon. Einschränkungen sind beliebig möglich. Grundsätzlich ermächtigt sie nicht zur Aufnahme von Darlehen oder zur Prozessführung, auch nicht zur Veräußerung und Belastung von Grundstücken.

Prokura: Sie berechtigt den Vertreter zu allen Rechtsgeschäften des Unternehmens. Ausgenommen sind Geschäftsauflösung, Veräußerung von Grundstücken, Aufnahme neuer Gesellschafter sowie die Unterzeichnung der Firmenbilanz. Eine Prokura kann auch auf einzelne Niederlassungen beschränkt werden. Sie muss im Handelsregister eingetragen werden.

Da bei der Erteilung von Vollmachten eine Menge rechtlicher Vorschriften beachtet werden müssen, raten die Kammern dazu, sich von einem Anwalt oder Notar beraten zu lassen. Makler müssen darauf achten, dass sie im Gespräch mit ihren Kunden nicht in den rechtlich geschützten Bereich der Rechtsberatung geraten. Der fängt meist dort an, wo bei der individuellen Ausgestaltung eines Rechtsdokuments beraten wird. Allgemeine Informationen, Checklisten und Reflexionshilfen hingegen sind zulässig.

Umsetzung

Das Notfallhandbuch kann als Roter Faden für den Ernstfall genutzt werden. Schon alleine deshalb sollte es regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Und natürlich müssen die wichtigsten Vertrauenspersonen zu jeder wissen, wo sie das Werk auffinden können, wenn es ernst wird.

Das Notfallhandbuch der hessischen Kammern lässt sich direkt herunterladen und ausdrucken. Neben Erklärungen und Anleitungen finden sich zu jeder Handlungssparte umfangreiche Formblätter, in denen ein Unternehmer seine Checkliste abarbeiten, Vertretungspersonen bestimmen und erste Anweisungen erteilen kann.

Das übersichtliche Notizwerk lässt Raum für Informationen, wenn alles schnell gehen. So werden die Bankverbindungen notiert, die Schließfächer benannt und alle Zahlungsverpflichtungen und Mitgliedschaften aufgelistet.

Und für laue Phasen wie Corona-Lockdown oder Streiktage garantiert das Handbuch auf jeden Fall eine Menge Beschäftigung, so dass Kurzarbeit in eigener Sache vorerst abgewendet sein dürfte.

Zum IHK Notfallhandbuch für Unternehmen

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