D&O-Police: Rückhalt im Management-Alltag

Gewerbeversicherung von Stefan Terliesner

Immer wieder sollen Geschäftsführer von Konzernen, Mittelständlern und Vereinen für ihr Handeln im Dienst ihres (früheren) Unternehmens haften. Spezielle Policen bieten finanziellen Schutz. Für Makler ist die Vermittlung attraktiv, aber schwierig.

Haftung D&O Management

Falsche Entscheidungen können fatale Folgen für Manager und leitende Angestellte haben.

Für die meisten Makler ist es ein exotisches Thema: Vermögensschadens-
haftpflichtversicherungen. Für Kenner ist es ein „Türöffner zu den Chefetagen“ und da-mit zu Folgegeschäft. Dies gilt umso mehr, weil seit Anfang 2019 die DIN 77230 Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte in Kraft ist. Mit diesem Regelwerk ist die persönliche Haftung von Managern ein wichtiger Bestandteil der Beratung geworden, berichtet Jörg Reiner, Geschäftsführer der ConceptIF BIZ, einem Assekuradeur für das Gewerbegeschäft, in einer Pressemitteilung.

Die Norm sei von Vermittlern zwar freiwillig anzuwenden, dürfte in den Augen von Richtern aber eine Art Mindestanforderung an die Beratung darstellen. „Bei Haftungsstreitigkeiten um eine fachgerechte Beratung ist davon auszugehen, dass die Gerichte die DIN-Norm als Entscheidungsgrundlage für ihre Urteile heranziehen werden“, so Reiner. Insofern unterlägen Makler selbst einer gewissen Haftungsgefahr, wenn sie Top-Manager nicht auf deren persönliches Risiko hinweisen.

Zwei Varianten

Die Vermögensschadenshaftpflichtversicherung wird vereinfachend oft nur D&O-Police genannt – abgeleitet aus den englischen Begriffen Directors und Officers. Den Schutz benötigen nicht nur Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte von börsennotierten Konzernen, sondern auch führende Manager im Mittelstand, in Vereinen sowie in Stiftungen. Wird einem leitenden Angestellten ein Fehlverhalten nachgewiesen, haftet er für Schäden mit seinem privaten Vermögen (§§ 249ff. BGB).

Die Police gibt es in zwei Varianten: eine Unternehmens-D&O und eine individuelle D&O. Bisher häufiger anzutreffen ist eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung, die der Arbeitgeber für seine Top-Manager abschließt. Es ist also eine Police auf fremde Rechnung. Als Versicherungsnehmer bestimmt das Unternehmen den Umfang des Schutzes und zahlt die Prämie. Die Absicherung genießt das Management, und damit die potenziellen Übeltäter. Auch wegen dieser Konstruktion bezeichnen Kritikern Unternehmens-D&O-Policen auch als „Haftungsausschlussversicherung“. Eine Besonderheit in der Rechtslandschaft ist, dass die Beweislast beim Beschuldigten liegt.

„So wichtig wie eine Privathaftpflichtpolice“

Nach Auffassung von Reiner bietet so eine Unternehmens-D&O dem Manager „im Stressfall lediglich eine scheinbare Sicherheit“. Zum einen gelte die Versicherungssumme – wenn nichts anderes vereinbart wurde – für alle Führungskräfte des Konzerns und könne entsprechend schnell aufgezehrt sein. Und zum anderen habe der Manager spätestens nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen keinerlei Kontrolle über den ihn persönlich betreffenden Versicherungsschutz mehr. Beide Tatsachen sprechen für eine persönliche Absicherung, meint Reiner. Seiner Meinung nach sollte ein Manager diese zweite Variante der D&O-Police auf jeden Fall abschließen. Spätestens seit Inkrafttreten der DIN 77230 gehöre nicht nur eine private Haftpflichtversicherung zu den notwendigen Standard-Empfehlungen eines Vermittlers, sondern auch eine persönliche D&O-Police bei Risiken aus der Organhaftung.

Analysen von Versicherern zufolge ist in den vergangenen 30Jahren das Risiko für Top-Manager auch in Deutschland stetig gestiegen. Wie ein Startschuss für D&O-Anbieter auf dem deutschen Markt wirkte das Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) im Fall ARAG/Garmenbeck vom 21. April 1997. Seitdem ist klar: Der Aufsichtsrat muss den Vorstand verfolgen, sonst macht er sich selbst schadensersatzpflichtig.

DSGV birgt Risiken

Gefährlicher wurde es für Organmitglieder auch durch eine weitere deutsche Besonderheit – neben der genannten Beweislast beim Beschuldigten: die Pflicht zur Selbstbeteiligung gemäß novelliertem Aktiengesetz von 2009 in Höhe von „mindestens 10 Prozent des Schadens bis mindestens zur Höhe des Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung“. Eine vollständiger Enthaftung durch eine Versicherung ist bei Aktiengesellschaften tabu. Der Gesetzgeber will, dass Manager – wenigstens beschränkt – haften. Und aktuell birgt die neue Datenschutzgrundverordnung eine Fülle von Haftungsrisiken für Organmitglieder.

Der Markt jedenfalls hat reagiert und bietet neben Unternehmens-D&O-Policen mittlerweile auch persönliche D&O-Policen an. Diesen Schutz müssen die Unternehmensleiter selbst abschließen und bezahlen. Damit eröffnet sich ein neues Betätigungsfeld für Makler.

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