„Cyberangriffe können jeden treffen“

Unternehmen Themenseite Cyber-Schutz Gewerbe von Martin Morgenstern

Das KMU gibt es nicht. Angebote, Produktionswege, Digitalisierungsprozesse und damit verbundene Risiken können sich je nach Unternehmen immens unterscheiden, weiß Christopher Leifeld. Wie sich Vermittler auf dieses weite Feld vorbereiten können, erklärt der Geschäftsführer des Vergleichsportals Gewerbeversicherung24 im Interview.

Christopher Leifeld, Geschäftsführer von Gewerbeversicherung24.

Christopher Leifeld, Geschäftsführer von Gewerbeversicherung24. Foto: Gewerbeversicherung24

procontra: KMU gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Viele Versicherer haben sich nach Solvency II auf Gewerbe/Sach fokussiert und wollen die wichtige Zielgruppe KMU erschließen. Doch gibt es DAS KMU überhaupt?  

Christopher Leifeld: Kurz gesagt: Nein. KMU reichen von Handwerkern, über Händler bis hin zu IT-Dienstleistern. Das Gewerbesegment umfasst insgesamt über 1.500 Betriebsarten, welche alle unterschiedliche Risiken und Anforderungen aufweisen. Bei einem so breit gefächerten und komplexen Markt ist es unmöglich das KMU zu pauschalisieren.   Kaum ein anderes Segment ist so komplex wie der Gewerbemarkt. Nicht umsonst sind viele Versicherungsvermittler auf einzelne Branchen spezialisiert. Ohne fachliche und technische Unterstützung ist es kaum möglich das Gewerbesegment als Vermittler zu erschließen.    

procontra: Wodurch kennzeichnen sich im Unterschied dazu Kleinstunternehmen?  

Leifeld: Wie auch das KMU lässt sich ein Kleinstunternehmen nicht pauschal festlegen. Immerhin hat jedes KMU und jeder Großkonzern zunächst als Kleinstunternehmen begonnen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie jedoch definiert Kleinstunternehmen als Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von maximal 2 Millionen Euro.   Der Hauptunterschied liegt allerdings im Tätigkeitsfeld des Unternehmens. Kleine Betriebe haben in der Regel einen stark fokussierten Tätigkeitsbereich mit einer klaren Definition von Kerntätigkeiten. Eigenproduktionen, Import aus fremden Ländern oder Beauftragung von Subunternehmern liegen in der Regel nicht vor. Je größer das Unternehmen wird, umso vielfältiger wird auch die Tätigkeit und die Vernetzung mit anderen bei der Erbringung der Tätigkeit.   Konkret heißt das: Kleinstunternehmen weisen meist klar strukturierte Risiken auf. Wächst das Unternehmen, nimmt auch die Komplexität der Risiken zu.    

procontra: Sind bestimmte Branchen anfälliger für Cyberangriffe als andere?  

Leifeld: Bei Cybergefahren gilt: Jedes Unternehmen, welches sensible Daten digital verarbeitet, ist potentiell betroffen. Eine Beschreibung, die heute auf Unternehmen aller Branchen und Größenklassen zutreffen kann. Somit empfiehlt sich eine Cyberversicherung grundsätzlich jedem Unternehmen, das in seinem beruflichen Alltag auf digitale Geschäftsprozesse setzt und/oder mit vertraulichen Daten (Kreditkarten, Bankverbindungen, Persönliche Kundeninformation) arbeitet.   Als sensible Daten gelten beispielsweise Patientenakten von Krankenhäusern, Ärzten und Psychologen sowie Kundeninformationen von Rechtsanwälten, Steuerberatern oder IT-Dienstleistern. Aber auch vertraulichen Daten, wie Kreditkarten, Bankverbindungen, oder persönliche Kundeninformation können betroffen sein.    

procontra: Woher kommt das mangelnde Risikobewusstsein von KMU gegenüber Cyberangriffen?  

Leifeld: Die meisten KMU unterschätzen schlichtweg ihr eigenes Risiko. Presseartikel bezüglich Cyberattacken treten zwar immer häufiger auf, betreffen jedoch oft nur Großkonzerne oder die Regierung. Viele KMU gehen davon aus, ihre Kundenbestände wären zu klein um angegriffen zu werden – ein Trugschluss! Cyberangriffe können jeden treffen.   Hinzu kommt, dass ein Cyberschaden im Gegensatz zu Personen- oder Sachschäden oft nur schwer greifbar ist. Zerstört ein Brand die gesamte Betriebseinrichtung, ist der Schaden offensichtlich. Ein Computervirus hingegen erscheint auf den ersten Blick harmlos – an mögliche Schadensersatzzahlungen, Reputationsschäden und IT-Wiederinstandsetzung denken die wenigsten. Doch genau hier lauern große Kosten.  

procontra: Wie können sich Vermittler auf Gespräche zum Thema Cyber vorbereiten?  

Leifeld: Vermittler sollten sich zunächst gründlich mit der Thematik auseinandersetzen. Welche Cyberrisiken bestehen? Welche Unternehmen sind besonders betroffen? Was bietet eine Cyberversicherung? Wem reicht ein Cyber-Zusatzbaustein in der Betriebshaftpflicht und wer sollte besser eine gesonderte Cyberversicherung abschließen?   Dank der immer größer werdenden Präsenz des Themas, sind Informationen einfach zu finden. Beispielsweise informieren mehr und mehr Versicherer Makler auf ihrer Website über die Relevanz und Leistungen von Cyberversicherungen. Aber auch Anbieter von Vergleichsrechnern haben häufig Seiten rund um die Cyberversicherung.

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