Schwer verletzt, aber arbeitsfähig – was ist nun mit der BU?

Einkommensschutz von Beatrix Altmann

Nicht jede Verletzung oder körperliche Beeinträchtigung führt auch zum Erreichen der 50-Prozent Berufsunfähigkeit. Nutzen das Versicherer aus, um Leistungen zu verweigern?Im Folgenden wird dargestellt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen.

Als berufsunfähig gilt, wer weniger als 50 Prozent seines bisherigen Pensums leisten kann.

Bild: RTimages/shutterstock

Als berufsunfähig gilt, wer weniger als 50 Prozent seines bisherigen Pensums leisten kann. Entscheidend sind hier in der Regel die bisher geleisteten Arbeitsstunden. Hat ein Arbeitnehmer bislang 40 Stunden die Woche gearbeitet und kann durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit nun nur noch weniger als 20 Stunden arbeiten, tritt die 50-Prozent-Regelung in Kraft – und er gilt als berufsunfähig. Tatsächlich werden 34 Prozent aller beantragten BU-Anträge von den Versicherern abgelehnt, weil die 50 Prozent Berufsunfähigkeit nicht erreicht worden sind. Das entspricht immerhin fast einem Drittel.

Wenn Arbeitnehmer jedoch länger krankgeschrieben sind, aber noch nicht als berufsunfähig gelten, kann sie das vor große finanzielle Herausforderungen stellen. Eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (kurz AU-Klausel) kann das Risiko überbrücken. Denn während die Berufsunfähigkeit einen fortdauernden Zustand umfassen kann, der im schlimmsten Fall zu einem Jobwechsel führen kann, geht es bei der Arbeitsunfähigkeit nur um eine vorübergehende Einschränkung der gesundheitlichen Leistungsfähigkeit. Doch was sind die Voraussetzungen – und wann tritt die AU-Klausel in Kraft?

Wie muss dem Versicherer die Berufsunfähigkeit nachgewiesen werden?

Das hängt von den Vertragsbedingungen ab. Viele Versicherer prüfen sehr genau, ob der Versicherte tatsächlich 50 Prozent berufsunfähig ist. Nur dann hat er Anspruch auf die vereinbarte Rente. Wenn allerdings die AU-Klausel im Vertrag steht, reicht in einigen Fällen nur eine sechsmonatige Krankschreibung vom Arzt. Das gilt insbesondere für Krankheiten wie Krebs, Depressionen oder Unfallfolgen, die eine lange Reha-Pause erfordern. Problematisch wird der Nachweis von Beschwerden ohne nachweisbare organische Ursachen. Vor allem psychische Erkrankungen können objektiv schwer eingeschätzt werden, da sie sich nicht messen lassen. Mittlerweile stehen psychische Erkrankungen oder Nervenkrankheiten mit einem Anteil von ca. 31 Prozent an der Spitze der Ursachen für Berufsunfähigkeit.

Richtige Beratung im Vorfeld

Einer der Punkte, bei dem es immer wieder zum Streit mit den Versicherern kommen kann, ist die mangelnde oder falsche Beratung. So sind Fragen zu regelmäßigen Medikamenteneinnahmen oder vorherige Krankschreibungen unbedingt korrekt zu beantworten. Oder die Angaben beim Abschluss der Versicherung stehen dann im Gegensatz zu den ärztlichen Befunden. Holen Sie sich im Ernstfall Hilfe von einem Spezialisten, der sich auf Berufsunfähigkeitsversicherungen spezialisiert hat.

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