Patientenverfügung & Co.: Wer braucht sie, wer zahlt?

Privatschutz Versicherungen von Sebastian Wilhelm

Wer für zukünftige Eventualitäten vorsorgen will, sollte nicht auf Patientenverfügung, Testament und Betreuungsvollmacht verzichten. Doch es lauern juristische Fallstricke. Um sie zu umgehen, braucht es kostspielige Beratung.

Patientenverfügung & Co

Das Kundenbewusstsein für Eventualitäten zu schärfen ist unbedenklich – und zeugt von echter Kundenorientierung. Bild: PhuShutter

Als „Sachwalter des Kunden“ haben Versicherungsmakler gern das große Ganze im Blick. Beraten sie zur langfristigen Vorsorge, geht das daher über finanzielle Aspekte hinaus, auch wenn die natürlich im Vordergrund stehen. Man muss keineswegs offiziell als Ruhestandsplaner unterwegs sein, um die Kunden auf sinnvolle Vorsorgemaßnahmen jenseits versicherbarer Risiken hinzuweisen. Zu jenen gehören auch Patientenvollmacht, Testament und Betreuungsvollmacht. Zwar müssen Makler darauf achten, die Grenze zur Rechtsberatung nicht zu überschreiten. Das Kundenbewusstsein für Eventualitäten zu schärfen ist allerdings unbedenklich – und zeugt von echter Kundenorientierung.

Doch wem sollte was empfohlen werden? Eine Patientenverfügung ist für alle Menschen sinnvoll, die in medizinischen Notfällen nicht mithilfe moderner Apparatemedizin um jeden Preis am Leben erhalten werden wollen. Sie legt fest, was in bestimmten Situationen passieren soll, wenn der Betroffene sich nicht mehr selbst äußern kann. So kann man damit beispielsweise Wiederbelebungsmaßnahmen, künstliche Ernährung oder Beatmung ausschließen. Eine Betreuungsvollmacht bzw. -verfügung sorgt für den Fall vor, dass man seine Angelegenheiten krankheits- oder unfallbedingt nicht mehr selbst regeln kann. Die letztgültige Entscheidung trifft das Betreuungsgericht, das aber bei der Betreuerwahl die Verfügung berücksichtigt. Was ein Testament ist, muss ja in der Regel keinem Kunden erklärt werden. Wer kein Vermögen hat oder mit der gesetzlichen Erbfolge einverstanden ist, braucht keines. Alle anderen sollten ein Testament verfassen und hinterlegen.

Guter (Juristen-)Rat ist teuer

Da in den drei genannten Verfügungen sehr weitreichende Regelungen getroffen werden, müssen sie juristisch „wasserdicht“ sein. Und wie bei Versicherungsbedingungen heißt das: Es kann schon mal kompliziert und ausufernd werden, wenn alles seine Ordnung und Gültigkeit haben soll. Ohne Fachkenntnisse ein formal und inhaltlich korrektes Vorsorgedokument zu verfassen ist mindestens ein kühnes Unterfangen. Das unterstreicht ein BGH-Urteil von 2016 (präzisiert 2017): Es reicht demnach nicht aus, in einer Patientenverfügung pauschal festzulegen, dass „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ erfolgen sollen. Vielmehr müssen für konkrete Situationen konkrete Anweisungen getroffen werden. Auch ein Testament und eine Betreuungsvollmacht müssen bestimmten Kriterien genügen und vor allem wohldurchdacht formuliert werden.

Es empfiehlt sich also juristischer Beistand, wenn man „Nägel mit Köpfen“ machen will. Bekanntermaßen ist anwaltliche Beratung aber nicht ganz billig. Mehrere Hundert Euro an Gebühren pro Dokument sind keine Seltenheit. Eine Patientenverfügung ist zwar ein medizinisches Dokument, doch wer seiner Krankenversicherung mit einem Kostenübernahmewunsch kommt, wird nur ein müdes Lächeln ernten. Für derartige Vorsorgedokumente muss jeder den Beratungsaufwand prinzipiell selbst finanzieren. Angesichts dieser Kostenbelastung zucken viele Kunden erst mal zurück und vertagen die Vorsorge. Es sei denn, sie haben eine gute Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Die deckt nämlich die Kosten für die juristische Unterstützung bei Patientenverfügung, Testament & Co. ab. Ganzheitlich denkende und beratende Makler sollten diesen Punkt im Sinne ihrer Kunden auf dem Schirm haben.

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