Sind BU-Policen zu komplex?

BU-Vorsorge von Sebastian Wilhelm

Nachdem die Branche jahrelang an den Tarifwerken herumgeschraubt hat, um ihre Berufsunfähigkeitspolicen vom Wettbewerb abzuheben, erscheint ein Bedingungsvergleich nicht wenigen als Mammutaufgabe. Gute Tarife zeichnen sich auch durch klare, verständliche Bedingungen aus.

Gute Tarife zeichnen sich durch verständliche Bedingungen aus. Bild:shutterstock.com/frankie's

„Kaufe nur, was du auch verstehst“, lautet eine häufig bemühte Volksweisheit. Zwar kann man in vielen Situationen darüber streiten, ob sie anzuwenden wäre. Wer versteht schon, wie beispielsweise ein Smartphone genau funktioniert? Hauptsache, es tut zuverlässig, was es soll. Für Finanz- und Versicherungsprodukte gilt im Prinzip das Gleiche – angesichts ihrer langfristigen Auswirkungen aber hegen viele Kunden berechtigterweise den Wunsch, selbst die Funktionsweise nachvollziehen zu können. 

Das fällt bei manchen Berufsunfähigkeitstarifen nicht leicht. Denn die Bedingungswerke wurden insbesondere seit der Jahrtausendwende zahlreichen Optimierungen unterzogen. Dabei hat der eine oder andere Anbieter offenbar vergessen, die Kunden – und Makler – „mitzunehmen“: Verklausulierte, ausufernde Formulierungen machen es schwierig zu durchblicken, was eigentlich genau in welchem Fall passiert. Hinzu kommen mitunter zusätzliche Leistungsmerkmale, die vom Wesentlichen ablenken.

Diese Umstände tragen dazu bei, die verbreitete Abneigung gegen das „Kleingedruckte“ zu fördern. Auch wenn die guten BU-Anbieter heutzutage großen Wert auf die Verständlichkeit ihrer Bedingungen legen.

Transparente Bedingungen als Qualitätsmerkmal

Sind die zentralen Leistungsversprechen einer BU-Versicherung in den Tarifbedingungen nicht klar und eindeutig formuliert, zeugt das nicht von hoher Produktqualität. Welche Kriterien als unverzichtbar gelten können, lässt sich je nach individueller Kundensituation diskutieren. Nach verbreiteter Auffassung gehören prinzipiell der Verzicht auf abstrakte Verweisung, ein höchstens sechsmonatiger Prognosezeitraum, rückwirkende Leistungen bis zu drei Jahre, eine Nachversicherungsgarantie und ein BU-Grad von 50 Prozent als Leistungsauslöser. 

In den Musterbedingungen des GDV wird die Berufsunfähigkeit beispielsweise folgendermaßen definiert: „Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich auf Dauer [alternativ: mindestens ... Monate/Jahre] ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, nicht mehr zu mindestens ...% ausüben kann und auch keine andere Tätigkeit ausübt, die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“ Anschließend wird der Begriff „Lebensstellung“ noch erklärt.

Das ist insgesamt auch für Laien gut nachvollziehbar. Weicht ein Versicherer in seiner Definition hiervon ab, sollten Makler hellhörig werden. Den Kunden werden unauffällige, aber gegebenenfalls weitreichende Abweichungen nicht auffallen – umso mehr sind sie auf die Kompetenz eines guten Beraters angewiesen. Ohne die sollte kein Kunde eine BU-Police abschließen, denn auch klar formulierte Bedingungen müssen erklärt, verstanden und eingeordnet werden.

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