Deutschland riestert – zu wenig

Altersvorsorge von Juliane Moghimi

Riester-Vorsorge: Sie ist vielseitig und bietet Förderung. Trotzdem wird „die Riesterrente“ oft belächelt und viel kritisiert. Doch „die Riesterrente“ gibt es gar nicht.

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16,5 Millionen Riester-Verträge – das klingt viel. Doch die hohe Zahl darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass enormer Bedarf an zusätzlicher Altersvorsorge in Deutschland besteht. Statistisch gesehen, riestert zwar jeder fünfte Einwohner in Deutschland. Aber es könnten viel mehr sein. Denn nur vier von zehn Förderberechtigten nutzen Riester-Angebote. Und das, obwohl staatliche Förderung inzwischen bei einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte zu bekommen ist. 

Ob als klassischer Versicherungsvertrag, Banksparvertrag, als Investmentfondsvertrag, als bAV oder als sogenanntes Wohn-Riester, die staatliche Förderung in Form von Zulagen und Steuerfreibeträgen gelten immer. Vor allem im Bereich „Wohn-Riester“ ist in den letzten Jahren ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen – denn die Menschen nutzen die niedrigen Zinsen, um Kredite aufzunehmen und sich den Wunsch von der eigenen Immobilie zu erfüllen.

Zudem kommt das Institut für Vorsorge und Finanzplanung, das 2016 im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1275 Riester-Verträge bewertete, die schon in der Auszahlungsphase sind, zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Versicherten erzielten, wenn sie ein durchschnittliches Lebensalter erreichen, eine jährliche Rendite von 3,64 Prozent nach Steuern – und das ein Leben lang. Dabei variierte der Wert je nach Vertrag, aber kein einziger fuhr negative Ergebnisse ein. Dies erwarten die Experten auch nicht für die später geschlossenen Riester-Verträge: „Durch die Niedrigzinsphase werden künftig die Erträge schwächer ausfallen, aber die Ergebnisse sind lange nicht so schlecht, wie es getan wird“, so Michael Hauer, der Geschäftsführer des Institutes, gegenüber der FAZ. 

Mit dem Inkrafttreten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes zum Beginn des kommenden Jahres werden auch die Bedingungen für die Riesterrente noch einmal attraktiver:

  1. steigen die Zulagen zum 1.1.2018 von 154 auf 175 Euro pro Person.
  2. bleiben künftig auch bei der im Rahmen einer bAV abgeschlossenen Riesterrente die späteren Leistungen sozialversicherungsfrei. (Dies galt bisher nur für die privaten Verträge.)
  3. gilt ab sofort ein Freibetrag bei der Anrechnung auf die Grundsicherung: Monatlich werden bis zu 200 Euro aus der Riesterrente nicht angerechnet.

Bislang nutzen nur vier von zehn Förderberechtigten die Vorteile der Riester-Rente. Hier liegt also trotz des Aufschwungs noch ein beachtliches Potenzial – für Versicherte und Vermittler gleichermaßen.